Halbmarathon – besser als gedacht

So und da bin ich nun wieder. Bis heute morgen wusste ich noch nicht dass ich den Halbmarathon tatsächlich laufen würde. Gestern sah ja alles eher mau aus, heute morgen hatte ich dann bedeutend weniger Schmerzen. Noch während ich im Bad stand sagte ich mir immer wieder, dass ist doch alles machbar. Es war schon viel schlimmer. Also war die Entscheidung gefallen: ich würde laufen.

Um ganz sicher zu gehen habe ich wieder zu Schmerzmitteln gegriffen, zwar nicht extrem hoch dosiert aber eben von allem ein bisschen (irgendwas davon würde im Fall de Fälle schon wirken). Nichts was man wieder tun sollte, da bin ich mir ganz sicher. Mit dem Kopf durch die Wand, so könnte man es auch beschreiben – aber so bin ich eben.

BildWir waren dann gut 1.5 Stunden vorher da, ganz ohne Stress und es war verhältnismäßig wenig los, im Gegensatz zum Morgenpost Marathon in Dresden. Habe innerhalb von 2 Minuten meine Startnummer abgeholt und hätte fast die von einem gewissen „Jürgen“ bekommen 😀 Ich habe mich dann noch fast eine Stunde in die Sonne gestellt und mich einfach nur tierisch auf den Start gefreut. Schmerzen waren nahe null. Dann ging es auch schon in die Startreihe und dort wartete ich dann nochmal eine halbe Stunde ehe es dann wirklich los ging. Die einzelnen Blöcke starteten ca. alle 5 Minuten, sodass ich erst um 10:09h zum laufen kam – also 9 Minuten später als „geplant“, aber das kennt man ja.

Dadurch, dass anstatt 10 Tausend Läufer wie es in Dresden der Fall war, in Frankfurt „nur“ ca. 4 Tausend waren und die Blöcke irgendwie besser organisiert waren, verlief sich das ganze recht schnell. Nur zwei Mal lief mir jemand in die Seite, das konnte ich gerade noch so verschmerzen. Ich fühlte mich als würde ich auf Watte laufen, eigentlich fühlte ich mich gar nicht mehr. Ich zitterte vor lauter Adrenalin – das war aber bei km 3 schon wieder viel besser. Ich war sehr zuversichtlich und ging die Sache Kilometer für Kilometer an und steigerte meine Geschwindigkeit langsam von 9.5 auf ca. 11.5km/h. Vom Gefühl her ging es nicht schneller, weil ich untergründig wieder dieses Ziehen im linken Bein vernahm und jeden Schritt sehr konzentriert und vorsichtig setzte. Ich vermied es hinter jemandem aufzulaufen oder ungeschickt im ZickZack zu laufen. Es wäre aber viel mehr drin gewesen, wäre ich nicht so angeschlagen gewesen.

Ich hielt mich sehr lange hinter dem Luftballon mit der Zeit von 1.49, musste mich aber bei den Steigungen sehr zurücknehmen, wenn ich nicht plötzlich aussteigen wollte. Unter 2 Stunden waren drin, da war ich mir sehr sicher. Runtastic sagte mir brav Kilometer für Kilometer meine Geschwindigkeit an und ich musste feststellen dass diese App wirklich relativ genau ist, im Endeffekt ist es nur ein Unterschied von einem Plus an 200 Metern.

Bei km 9 gab es das erste Mal etwas zu trinken, ich überlegte mir kurz meinen Mund auszuspülen, ließ es aber dann doch und lief weiter, weil der Stand mehr als nur schlecht organisiert das Wasser verschenkte, das war es mir nicht wert. Einen Kilometer später habe ich dann ein Granulat rausgeholt, irgendwie war ich ein bisschen daneben und müde, aber dann ging es wieder weiter. Vorbei am Mainufer und in Gedanken schon bei km 18 und dem Zieleinlauf. Bei km 12 brannte die Sonne auf uns alle herunter und ich hatte mich dummerweise für ein langärmliges (wenn auch dünnes) Laufshirt entschieden, was im Endeffekt doch einfach zu warm war, zumindest für die Abschnitte ohne Schatten. Bald machte sich nämlich mein Kreislauf bemerkbar und ich dachte das wäre es dann gewesen. Dann kam die 2. Wasserstelle bei km 15 doch schneller als gedacht und ich konnte im Gehen einen Becher trinken.

Die ersten Läufer sah ich nur ein paar Meter weiter am Rand stehen, teilweise kotzend, urinierend oder sogar am Boden. Läufer die mich anfangs überholt hatten, überholte ich jetzt. Andere fingen unvermittelt an zu gehen. Ich konnte mein Tempo ganz gut halten, ich war nie langsamer als 10 und nicht schneller als 13km/h.

Auf den letzten 3 Kilometern versuchte ich dann ein wenig Tempo zu machen und spürte den dumpfen Schmerz schon etwas direkter und dachte mir nur, da musst du jetzt durch. Der letzte Kilometer war die reinste Hölle und erschien mir wie eine Ewigkeit. Mein Bein fing das erste Mal an wieder etwas zu blockieren und mir wurde Schlecht von der Anstrengung und den Schmerzmitteln. Ich machte nochmal etwas Tempo als ich dachte auf der Zielgeraden zu sein, dachte aber nicht dass wir noch drei Viertel ums Stadion herumlaufen mussten und dann erst in die Arena einliefen. Ich war kurz davor einfach stehen zu bleiben, aber die Blöße wollte ich mir nicht geben. Die letzten 100m gab ich dann nochmal das was von mir übrig geblieben war und kam hinter der Ziellinie in einer Traube Menschen zum Stehen. Durch die Tunnel ging es dann wieder raus vor das Stadion und noch in diesen Unterführungen standen Stände mit Wasserstellen. Es erinnerte mich alles etwas an die Loveparade in Duisburg, es war nur noch warm und sehr eng, mir war kotzübel und ich dachte, wenn ich nicht gleich einen Becher Wasser bekomme falle ich einfach um. Das ist zum Glück nicht passiert und ich konnte mich draußen erstmal setzen.

Auf dem Weg zum Waldparkplatz fing ich das erste Mal an langsam zu Gehen und dabei zu hinken. Kein gutes Zeichen. Als wir dann wieder vor unserer Haustür standen, kam ich fast nicht mehr aus dem Auto. Ich musste mich voll auf meinen Mann stützen und bin in Schneckentempo in unsere Wohnung geschlichen. Ich wollte nur duschen und literweise Wasser trinken. Meine Haut war wegen der Schwitzerei und dem Salzverlust extrem rau und weiß, sowas hatte ich noch nicht erlebt. Wie ich dann überhaupt geduscht habe, will und kann ich gar nicht mehr beschreiben. Ich kann nur so viel sagen, ich kann nicht mal für eine halbe Sekunde mein Körpergewicht auf mein linkes Bein verlagern. Aktuell kann ich nicht laufen, wirklich gar nicht mehr laufen. Entweder schiebe ich mich über die Dielen oder Stütze mich an Möbeln und Türrahmen ab. Eine 75qm große Wohnung kann so dann natürlich zu einem zweiten Marathon werden. Ibuprofen hilft nicht mehr, Novalgin auch nicht.

Und trotzdem bin ich so verdammt froh heute gelaufen zu sein. Der Schmerz wird (irgendwann) wieder vergehen. Sollte ich morgen immer noch nicht auf zwei Beinen stehen können, leihe ich mir Krücken aus – so sieht es aus derzeit. Zum Glück habe ich mir für morgen frei genommen..

Mehr Bilder und ein ausführlicher Bericht folgen dann noch unter THE RUN 🙂

Bild

— Jamie

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