Volle Fahrt…abwärts

IMG_20141123_101805677_HDRWo Sonne ist da ist auch Schatten..da ist etwas Wahres dran. Nach dem hammer Konzert war ich zwar mehr als beseelt, aber genau so steil wie es zunächst wieder bergauf ging, ging es dann Stück für Stück wieder hinab. Nahezu schleichend.

Am Tag darauf fuhr ich nach der Arbeit im Dunkeln, inklusive Starkregen, zum Stall. Geritten bin ich nicht, aber um das Pferd habe ich mich gekümmert, die Box gemistet und lästige Heunetze gestopft, gegen deren Inhalt ich so wunderbar allergisch bin. Dann fand ich in der Sattelkammer eine tote Maus. Sie lag so da als wäre sie noch im Rennen schockgefrostet worden. Doch ihr Tod war viel gemeiner als ich es zunächst vermutete: neben, bzw. an ihr lag etwas, was aussah wie ein Schnappverschluss einer Putzkiste oder eines Werkzeugkastens. Das war die Billigversion einer Mausefalle. Und somit ein sehr grausamer und wahrscheinlich langsamer Tod. Die Falle hatte nicht etwa ihren Kopf getroffen, sondern das Becken entrissen. Und da fiel mir wieder ein, dass ich ja erst dort eine bei uns gefangene (Oberurseler-)Maus ausgesetzt hatte. Sie schien es zwar nicht zu sein, aber etwas schlecht kam ich mir doch vor.

Das Pferd zickte herum und war nur an den Karotten interessiert, tänzelte immer wieder nervös in der Stallgasse herum und versuchte mich im Vorbeigehen zu zwicken. Inklusive Stau war es dann leider so spät, dass es nicht mehr für das Fitnessstudio reichte. Somit war der Tag der Regeneration verschrieben und ich ging die Sache mittwochs an und glaubte da noch an „schnelle 10km“. Mehr oder weniger als 50min erreichte ich jedoch nicht und ich hatte das Gefühl fast aus dem vorletzten Loch zu pfeifen. Noch 40min Krafttraining und ab nach Hause.

Donnerstags war reiten angesagt. Ich hatte schon den ganzen Tag ein dumpfes Gefühl und das wurde immer dumpfer. So sehr, dass ich Thomas bat mitzukommen. Das Pferd guckte mich schon mal nicht mal mit dem Hintern an. Nur mit Mühe und Not gelang es mir mich mit Futter einzuschleimen und in einem unachtsamen Moment das Halfter überzustreifen, ehe er nach hinten auf die Fesseln ging, um mich vorne abzuschütteln. Ich ließ kurz los und zog ihn dann ohne Zögern raus auf die Stallgasse. Mir wurde das langsam zu gefährlich, denn von Woche zu Woche wurden solche Situationen immer unkontrollierbarer.

Ständig biss er um sich, egal wer vor oder neben ihm auftauchte. Als ich dann mit dem Sattel kam, hatte das Beißen seinen Höhepunkt erreicht – oder zumindest dachte ich das. Selbst mit loben und Karotte füttern beim Gurt anziehen machte ich mir keinen Freund. Da kann ich den Sattel noch so sanft auflegen und den Gurt nur ins erste Loch schnallen, es bleibt immer das gleiche Theater. Ignorieren oder auf die Nase boxen kürte leider auch keinen Erfolg.

Vor der Halle mussten wir noch fast zehn Minuten warten ehe der Sprinkler wieder von der Bahn entfernt wurde. Das Pferd machte große Augen, aber verhielt sich ansonsten so brav, dass ich hätte eigentlich misstrauisch werden müssen. Ich lief vor bis zum Eingang, öffnete diesen, während das Getanze wieder los ging. Zügel über den Kopf und ich stand schon mal in der Halle, das Pferd oben am Absatz, mit langem Hals und den Nüstern am Hallenboden. Anstatt wie üblich 10 bis 15 Minuten, ließ es sich diesmal nur knapp zwei Minuten Zeit. Wir sind ja dazu übergegangen alles soweit es Sinn macht, ohne Zwang und Strafe anzugehen…

Kaum war er in die Halle geschritten, war ich schon dabei ihn zu loben – als die Beißerei wieder anfing und zwar aus heiterem Himmel. Meine Versuche ihn von mir abzuhalten waren erfolglos. Er biss wo er nur konnte, drehte sich dabei ständig um die eigene Achse und versuchte mich zu erwischen: Arme, Finger und Rücken waren nicht sicher. Ich war noch nie so machtlos gewesen und habe es auch noch nie erlebt, dass Körpersprache nicht mehr funktioniert. Paraden, Gerte und meine Faust auf seiner Nase brachten rein gar nichts. Ein Schritt zurück und zwei vor, um mich zu verbeißen. Aufsteigen war auch nicht mehr machbar. Er ließ mich nicht einmal an seine Seite herankommen, lief rückwärts seitwärts und biss dabei um sich wie ein tollwütiges Tier.

Auch die Bereiterin wusste nicht mehr weiter. Sie probierte es gleichermaßen und fuhr die selbe Ernte ein. Wir probierten es mit Führkette, wegschicken und rückwärts richten. Er lief höchstens fünf Schritte neben ihr her, ehe er wieder versuchte direkt hinter ihr zu gehen, um in den Rücken beißen und bei Bedarf einfach umrennen zu können. Es machte mich einfach sprachlos, denn dieses Tier wird durch niemanden schlecht behandelt, kann immer raus, wird ausgelastet, bekommt gutes Futter etc etc. Eigentlich ist kein Tier bösartig und er hat mit Sicherheit auch seine Geschichte..aber dieser Mix und diese Unerzogenheit und das Wissen dass er bis auf den Tod aus Situationen mit diesen Maschen herauskommt die ihm unangenehm erscheinen, machen es nicht besser. Ich stand in der Mitte der Halle und befand mich kurz vor einem Heulkrampf.

Das Ende vom Lied war, dass wir ihm den Sattel herunter nahmen und ihn eine halbe Stunde alleine in der Halle stehen ließen. Er wälzte sich und stand dann die restliche Zeit mit dem Kopf keck über die Bande gereckt, auf dem Hufschlag und bewegte sich ansonsten nicht. Nach zwei Anläufen fing ich ihn wieder ein und brachte ihn zurück in die Box. Ab da erschien er mir beleidigt. Beleidigte Leberwurst. Dahinein hätte ich ihn mir insgeheim auch gewünscht. Ich wollte das nicht mehr. Und ich konnte das auch nicht mehr. Das was da passiert war, erschien mir lebensgefährlich. Die Bereiterin rief die Besitzerin an und ich meldete mich dann auch nochmal. Gestern trafen wir uns und ich beendete dieses „Verhältnis“. Reitbeteiligungen aufkündigen ist irgendwie immer wie Schluss machen. Aber mein Leben ist mir lieb und ein wenig Spaß und Entspannung hätte es ja auch machen sollen, dem Pferd und mir.

Mir wurde noch unterbreitet, dass ein Bereiter mal 1,5 Stunden auf ihm verbrachte und zwar in einer Ecke der Halle stehend, mit blutendem Bauch von den Sporen und sich dennoch nicht bewegte. Irgendetwas stimmt da ganz gewaltig nicht…

Freitag ging ich dann wieder ins Studio und lief mir den Frust von der Seele. Wieder 20km, aber etwas schneller als letztes Mal: 1h42min. War etwas anstrengender als die Woche zuvor, aber hey 😉 Puls war auch nur bei 160-165. Und danach war sogar noch eine halbe Stunde Kraft drin.

IMG_20141122_123502060_HDRSamstags wollte ich eigentlich mit Begleitung auf den Feldberg, aber diese verschlief. Also schmiss ich mich in Skiunterwäsche und andere Lagen Funktionskleidung und fuhr alleine los. Insgesamt war ich ca 7 Minuten langsamer als sonst, aber ich bin ja auch noch nie so viel am Tag zuvor gelaufen. Hoch war es stellenweise fast zu warm und runter genau richtig. Auf den letzten 4km vor dem Feldberg kam ich in dicken Nebel, der aber oben angekommen für ein faszinierendes Bild taugte.

Als ich nach Hause kam war ich müde und hungrig und mir war kalt. So kalt. Und dann fühlte ich mich krank. Ich schlief auf der Couch ein und zum Abend hin hatte ich Halsschmerzen und Schnupfen. Ich fühlte mich mal wieder elend. Nachts wurde es nicht besser. Den kompletten Sonntag verbrachte ich liegend. Heute mit Paracetamol im Büro, wohl wissend diesen Mittwoch ein wichtiges Meeting zu haben, mit 3 Stunden Autofahrt. Oh man. Gerade geht es wieder erstaunlich gut. Ob ich heute ins Studio gehe weiß ich noch nicht, eigentlich sollte ich mal zur Abwechslung die Vernunft siegen lassen…

— Jamie

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