Wenn es unten regnet…

…dann schneit es oben. So die Logik und letzten Endes auch die Wirklichkeit. Nur dachte ich einfach nicht so weit, glaubte sogar, dass weniger Schnee vorhanden sein würde. Am Sonntag war es noch vertretbar, es war mehr Frost als Schnee und man konnte noch die Trails sehen, sodass ich diese nicht umgehen musste. Dafür gab es oben keine Sonne, schön war es aber dennoch.

Gestern war dann alles anders, fast eine verkehrte Welt. In Oberursel Sonnenschein und regennasse Straßen und Wege bis in den Wald. Ab der Mitte dann plötzlich Nebel und trübe feuchte Luft. Kein Mensch zu sehen. Knapp 11 Uhr Vormittags – das MTB und ich irgendwo lost in den Wäldern. Es war kurz davor mich zu gruseln, aber beim Blick in den tiefen Wald war es dann doch wieder zu schön zum Fürchten.

An der Saalburg entschied ich mich über den Herzberg zu fahren, um etwas mehr Höhenmeter zu sammeln. Ich war ganz gut drauf, kam gut vom Fleck, konnte immer einen Gang schwerer treten als gewöhnlich. Kurz nach dem Herzberg sah ich am Wegesrand minimale Spuren von Schnee. Die Sonne kam wieder hervor und alles glitzerte wie Tau. Ich lächelte etwas in mich hinein – aller Schnee schien weggetaut. 2 Kilometer vor dem Sandplacken färbten sich die Bäume plötzlich wieder weiß und mein Weg wurde zu Schneematsch. Sah von weitem alles toll aus, aber zum Fahren war es nicht so ideal. Ich passte also ein bisschen besser auf. Und ehe ich es mir versah wurde aus dem Schneematsch fester, halb gefrorener Schnee der so wunderbar unter meinen Reifen knirschte. Wenn ich den Lenker einigermaßen gerade hielt, hatte ich wider Erwarten gut Grip. Noch immer war ich niemandem begegnet. Aus der dünnen weißen Schicht wurde schon bald Pulverschnee und auf den letzten 3 Kilometern war dieser so tief dass ich einfach stecken blieb und 30 Meter auf der Straße weiter fahren musste, um dann mein MTB durch den Schnee zu heben in welchem ich bis zum Schienbein steckte. Einmal zurück geschoben und mit Anlauf und einem Schlenker wieder rauf, immer schön den Berg hoch und bitte konzentrieren.

Mit der sich immer weiter ausweitenden Winterlandschaft kamen dann auch wieder Wanderer und Hundeleute in Sicht. Die meisten nickten mir zu und waren doch sehr erstaunt darüber, dass ich mit dem Rad unterwegs war. Wieder andere spielten Hans-guck-in-die-Luft und verließen ihre Spur selbst nicht mit Rufen, sodass ich teilweise mehr oder weniger waghalsig um sie herum schlingern musste (und das auch noch am finalen Berg). Einmal fiel ich halb in einen Schneehaufen mitten auf dem Weg der einen riesen Ast einer Tanne beherbergte. Jegliches Ausweichen war zuviel für meine Reifen. Wenn ich nicht gleich wieder hochkam, machte ich Fotos, denn es war einfach nur SO wunderschön. Da konnte ich dann auch das Rumgerutsche ertragen. Die letzten 30 Meter ging leider gar nichts mehr, es war zu glatt und zu steil. Ich stieg ab und kroch im Schneckentempo bis nach oben, während mein MTB ständig hinten wegrutschte und mich dabei fast ins Verderben (Schnee, sehr viel Schnee) riss. Und wenn ich schon schieben musste, legte ich das MTB einfach in den Schnee und fotografierte meine Umgebung – womit ich ganz oben dann auch direkt weiter machte, weil es einfach ein unfassbares Panorama war und der Himmel Pastellfarben wie aus dem Märchenbuch preisgab. Ich stand einfach nur da, knöcheltief im Schnee, die Sonne im Gesicht, alles war weiß und ruhig und verwunschen und hach.. Alle Endorphine und ähnliche Glücksgefühle ballten sich in mir, sodass ich dachte ich muss gleich platzen.

Ich stapfte herum, machte ein Bild nach dem anderen und wusste gar nicht wo ich zuerst hinschauen sollte. Nur wenige Personen waren noch anwesend und diese verhielten sich ebenso ehrfürchtig wie ich es tat. Als es aber anfing kalt zu werden machte ich mich wieder auf den Rückweg und merkte schon auf der Ebene, dass ich mehr rutschte als fuhr. Entweder ich drohte im Schnee stecken zu bleiben oder das Rad rutschte weg. Ein Gutes hatte der Schnee aber: erstens ist er natürlich wunderschön und zweitens verwandelte er alle miesen Schotter-Wurzel-Trails in eine Ebene Fläche die sich für mich so komfortabel wie noch nie herunterfahren ließ. Ich hielt die Abfahrt wie mit dem Auto bei Eis: Bremse anziehen und loslassen usw.. Trotzdem schwor ich mir, dass dies die letzte Ausfahrt ohne Spikes war. Trotz meiner Bremstechnik rutschte mir immer wieder das Hinterrad seitlich weg, wenn doch mal eine vereiste Wurzel aus der Schneedecke lukte. So langsam bin ich noch nicht mal direkt die ersten Male nach dem Unfall gefahren, aber es ging einfach nicht anders. Während der Schnee auf der Hinfahrt erst relativ spät kam, hielt er sich auf der anderen Strecke nach Hause doch sehr hartnäckig. Dann wurden die Wege wieder nass, dann mit Laub bedeckt und schließlich wieder trocken, sodass ich am Ende doch noch mal schnell fahren konnte.

Diese Wahnsinns-Bilder möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten, ich fühlte mich als wäre ich irgendwo ganz anders, im Urlaub und nicht nur ein paar Kilometer von zu Hause entfernt. Das schreit nach Wiederholung. Jetzt werden noch Spikes von Continental (240) bestellt und hoffe damit das Winterglück perfekt zu machen. Ich bin sowieso ein absoluter Herbst/Winter-Mensch. Also Winter natürlich nur bei trockener Kälte und Schnee 😉

Zu Hause wühlte ich mich dann durch mehr als 50 Fotos und am Abend zog ich dann in einem weiteren Anfall von Übermut los, ins Fitnessstudio. Nochmal 50 Minuten für 10km aufs Laufband, 35 Minuten Kraft und mir ging es immer noch blendend. Ich kam einfach nicht mehr runter. Ich hatte auch keinen Hunger, war kaum müde und kam dementsprechend nicht wirklich in den Tiefschlaf. Die Müdigkeit und der Hunger überfielen mich dann vor etwa zwei Stunden, um 12h. Dennoch bin ich immer noch leicht aufgekratzt. Einerseits entspannt mich der Sport total und andererseits durchfließt mich dann der Strom. Schwierig das zu beherrschen… Wie ist das bei euch?

— Jamie

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