Variationsbewegung

Meinen persönlichen Silvesterlauf vertagte ich auf den 3.1. und lief durch den Regen 10km durch das Feld. Irgendwie war es trotzdem schön und der Regen störte nicht so sehr, wie ich befürchtet hatte. Mir war weder zu kalt noch zu warm. Nach (mal wieder) anfänglich angezogener Handbremse, lief es zur Mitte hin richtig gut: ich konnte über mehrere Kilometer an die 14km/h halten. Das änderte sich erst wieder bei der fiesen langen und steilen Autobahnbrücke zur anderen Seite der Felder und dem nahezu unsichtbaren aber vorhandenem Anstieg auf den letzten 3 Kilometern. Aber ich kämpfte mich da hindurch, während mich der Gegenwind zu bremsen versuchte und meine Schuhe bei jedem Schritt „patsch“ machten – was nicht zuletzt durch einen See einer Pfütze (unausweichlich) geschuldet wurde.

Nach 48 Minuten und ein paar gequetschten Sekunden stand ich wieder vor der Haustür. Bisher mein schnellster Lauf auf dieser Strecke und bei diesen Bedingungen 🙂

Eine halbe Stunde nachdem ich zu Hause war, fing es an zu schneien und zwar so richtig. Damit hätte ich auch nicht mehr gerechnet. Bis zum Nachmittag legte sich das wieder und am Abend geriet ich mit dem Auto in einen Schneesturm der ganz feinen Art. Das sah in etwa aus wie der Bildschirmschoner „Starfield“ von Windows 95. Sicht also Nahe Null, die Fahrbahnmarkierungen waren auch verschwunden und die Reifen machten komische Geräusche während sie sich durch vereiste Passagen gruben. Nach einer gefühlten Ewigkeit kam ich dann aber doch noch zu Hause an 😉

Die explosionsartige Vermehrung des Schnees führte dazu, dass wir uns am Sonntag dazu entschlossen mit dem Auto an die Saalburg zu fahren und ab da eine Schneewanderung zu starten. Also in etwa den gleichen Weg wie mit dem MTB. Eiskalt, blauer Himmel, Sonne und stellenweise knietiefer Schnee, der einem die Energie aus den Beinen zog. 8km später waren wir am Sandplacken und ich hatte Blasen an den Fersen. Die Sonne war auch weg, es war noch kälter und wir beschlossen den Bus zurück zu nehmen. Nur fuhr der leider nicht über die Saalburg. Also fuhren wir nach Bad Homburg und mussten dort fast eine Stunde warten, ehe wir mit Bus Nummer zwei wieder zum Ausgangspunkt zurück kamen. Um kurz nach 16h waren wir dann auch endlich mal wieder zu Hause. Mich erfasste eine Müdigkeit als wäre ich drei Stunden in Chlorwasser geschwommen, sodass ich zwei Stunden in einen komatösen Schlaf fiel und mich um 21h wieder ins Bett legte und sogar durchschlafen konnte.

Montags ereilte mich dann wieder der Büroalltag inklusive einer Art Muskelkater seitlich der Kniekehlen und den schmerzhaftesten Blasen aller Zeiten, denen ich noch nicht mal mit Blasenpflastern trotzen kann. Gehen fühlt sich an wie auf rohen Eiern, laufen geht komischerweise sehr gut, wie ich gestern Abend auf dem Laufband feststellen durfte. Ich hätte gerne 15km daraus gemacht, aber es wurden dann doch nur 10 mit einer Pace von 4:52, 30min Kraft und 20min Sixpack App.

Nachts nur Schmerzen. Die Blase die brannte wie die Hölle, der merkwürdig angesiedelte Muskelkater, stechende Schmerzen im Knöchel und ein äußerst unangenehmes Ziehen in der Wade ließen mich erst gar nicht in den Tiefschlaf kommen. Um 2h stand ich auf und griff zur Pferdesalbe, was kurzzeitig Linderung verschaffte. Heute morgen war ich dann vollkommen gerädert, aber stellte fest dass die Schmerzen im Stehen und gehen viel besser waren. Draufliegen ist halt Mist. Dafür eiere ich wegen der Blase durch die Gegend, jeder Schuh ist die Hölle. Lucky me: dank einem neuen Stellplatz darf ich jetzt knapp 1km ins Büro zu Fuß laufen, da das alte Parkhaus dicht machte. Man kreiselt gefühlte 15min nur nach oben und hat nur noch wenige Zentimeter Spielraum links und rechts, um nicht an der Wand entlang zuschrammen. Verschiedene Lackfarben an eben diesen Wänden sind nun ein Mahnmal. Die Schranke ist auch ganz oben (es gibt nur ein Deck) und ich warte auf den Tag an dem diese ausfällt und ich rückwärts wieder herunterkreiseln darf (wenden unmöglich). Dem verantwortlichen Architekten möchte ich nicht im Dunkeln begegnen…

Also, wie fühlen wir uns heute? Ich fasse mal zusammen: wie nach einer Durchzechten Nacht mit zuviel Alkohol, die Beine von einer Dampfwalze überfahren und Salpetersäure an den Fersen.

Ich glaube heute lasse ich das Laufen Laufen sein und lege lieber mehr oder weniger entspannt die Wäsche zusammen.

— Jamie

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2 Gedanken zu “Variationsbewegung

  1. Immer dann wenn der Körper gegen das Laufen rebelliert solltest noch ne kleine Runde drehen. Aber bitte bloß nicht an eine so schnelle Pace denken. Dann knackst auch bald die 45min auf der Strecke 😉

  2. Mh das war bisher auch immer meine Ansicht, leider habe ich es damit in der Vergangenheit öfter mal schlimmer gemacht. Gerade jetzt wo die Schmerzen derart auf dem Höhepunkt sind, dass ich nicht mehr schlafen kann (die existieren nämlich schon wieder untergründig wochenlang) weiß ich nicht ob das gut ist, jeden Tag draufzuhauen. Bin gestern schon zum Auto gehumpelt und selbst jetzt spüre ich es noch deutlich. Soll keine Ausrede sein – ich bin die letzte die nicht nochmal die Zähne zusammenbeißen würde, die Frage ist halt nur ob ich damit nicht mehr Schaden als Nutzen anrichte?

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