Explosive

So mäßig wie die Woche anfing, ging es zum Glück nicht weiter. Nach dem Tag Pause hatte ich noch fast den ganzen Mittwoch Zeit mich mental auf das Training am Abend einzustellen. Ich hatte zwar ein ungutes Gefühl und irgendwie Angst, aber wer nicht wagt der nicht gewinnt. Ich fing gemäßigt an (4:45) und mit jedem Kilometer fiel einfach alles von mir ab. 10 lief ich, ab 8 war ich dann schon bei 4:15 und danach war ich mit 47min einfach nur happy. Ich hatte sogar noch genug Motivation für die Hantelbank.

Tags darauf wollte ich eigentlich 15-20km laufen, locker. Nach 12km und 62min konnte ich aber schon nicht mehr und ließ es einfach gut sein. Seit dem Unfall horche ich mehr in mich hinein und das bringt mich weiter. Ich habe aufgehört immer am Anschlag zu laufen. Und ich habe gelernt, dass man sich auch beim Laufen regenerieren kann, anstatt lieber gar nicht zu laufen. Und oft täuscht man sich eben auch, wenn man denkt es geht gar nichts mehr.

IMG_20150116_101718Trotz meiner Euphorie war ich unendlich müde, vor allem im Büro. Testweise habe ich mir Grüntee-Extrakt in Kapselform geholt, wirkt in etwa wie Koffein, etwas aufputschend, aber nicht unangenehm. Sollte man meiner Meinung nach bis spätestens 14h genommen haben, wenn man abends noch schlafen möchte. Die größte Wirkung hat man dann natürlich nicht mehr im Training, aber ich habe zumindest nicht mehr zwischen Firma und Studio das Gefühl auf dem Bürgersteig ein Schläfchen machen zu müssen.

Am Freitag wurde alles später als ich das geplant hatte. Nach der Arbeit kümmerte ich mich noch über eine Stunde um den Laptop unserer Werkstudentin und war dementsprechend erst gegen 20h auf dem Laufband. Tempotraining war angesagt: 4×1000 (4:00) und dazwischen immer 500m lockeres laufen. Zum Ende hin war ich echt bedient, meine Waden waren kurz vor dem Krampfen, aber sonst fühlte ich mich noch ganz gut, sodass ich noch Kraftraining daran anschloss.

laufdynamikSamstag packte ich zum zweiten Mal meine neue Garmin-Uhr (Forerunner 620) aus – der Dank geht an meinen Vater 🙂 Longrun, möglichst locker. Das Tolle an der Uhr ist, dass sie Daten ausspuckt, mit denen ich mich bisher noch nie beschäftigt hatte: Bodenkontaktzeit, vertikale Neigung und auch nach Herzfrequenz hatte ich noch nie trainiert. Nach 10min bekam ich meinen V02max Wert ausgespuckt: 48 (laut Garmin ausgezeichnet, wenn man eine Frau ist). Mein eigentlicher Motivator-Pacemaker war jedoch Thomas, der mit meinem MTB neben mir her fuhr, sodass ich nie stoppen musste. Noch dazu hat er das tolle Laufbild geschossen ohne dass ich es wusste 🙂

IMG_20150117_120308Die ersten Kilometer waren etwas zäh aber dann lief es. Und ab km 10 dann so richtig, sodass ich ein Dauergrinsen im Gesicht hatte. Konnte mich die ganze Zeit locker unterhalten und die Pace schwankte je nach Steigung zwischen 4:50 und 5:15. Ich hatte dieses unendliche Unendlichkeits-Gefühl, ich dachte ich könnte ewig so weiterlaufen. Und das ist genau das, was ich immer wieder erleben möchte. Es ist großartig. Es ist Liebe und das was mir Antrieb und Halt gibt. Und das was mir diese seltenen Momente des perfekten Glücks verschafft, inklusive aller Endorphine die es auszuschütten gibt. Nach aufgerundet 19km war der Spaß dann vorbei, wir standen wieder vor der Haustür. Mir ging es gut, nur die Beine zogen ein bisschen. Mein Fuß hatte sich wieder beruhigt, keine Schmerzen, keine Blasen, einfach alles gut.

Heute schlieIMG_20150117_121111f ich bis 9 Uhr – ziemlich komatös um genau zu sein. Aber das war nötig. Vom Gefühl her hätte ich zwar wieder laufen können, aber ich wollte meinem MTB ja auch seine Beachtung zukommen lassen, sodass ich um 11 losfuhr. Wir versuchten noch etwas an den Bremsen zu „drehen“, denn ich schrieb ja schon letztes Mal, dass das nicht das gelbe vom Ei war. Tja und dann fuhr ich so vor mich hin und wunderte mich nach einer halben Stunde, weshalb ich mich so überanstrengt fühlte und so reintreten musste. Die Bremsen waren zu fest, sodass man wirklich sagen konnte, dass ich mit angezogener Handbremse fuhr. Zum Umdrehen war ich mir zu schade. Dann fing das Mistding auch noch an zu quietschen, der Sattel rutschte ganz nach unten (nagut, auch nichts neues mehr) und das Schutzblech verdrehte sich. Dazu noch der verstärkte Rollwiderstand durch die Spikes. Ich konnte reintreten wie ich wollte, es änderte einfach nichts. Die letzten 2km (die Schlimmsten) fuhr ich nicht mehr. Ich fühlte, ich hätte schieben müssen. Bremsen konnte ich nur mit Gewalt, bzw. abbremsen. Meine Finger krampften, Wanderer liefen quer durch den Wald und hörten und sahen mich nicht. Mir war eiskalt, es fing an zu frieren. Das war wahrscheinlich die letzte Ausfahrt auf diesem schäbigen Untersatz. Alles andere ist frustrierend und lebensgefährlich.

IMG_20150118_102059Ich brauche dringend ein anständiges MTB. Ich habe schon mit meinem Vater darüber gesprochen, der kennt sich da super aus und hat mir angeboten, dass ich alles in Einzelteilen kaufe, er mich berät und wir es dann gemeinsam zusammenbauen. Kommt dann etwas günstiger und ich habe genau das was ich möchte und wirklich brauche. Nie wieder V-Brakes. Ich weiß schon mal was ich nicht will.

Ansonsten geht es mir echt richtig gut, vor allem weil das mit der Lauferei so gut klappt und ich wieder die Aussicht auf eine Reitbeteiligung ganz in meiner Nähe habe 🙂

— Jamie

3 Gedanken zu “Explosive

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