Heute kein Titel

Diesmal ein Beitrag, über den ich mir den ganzen Tag noch nicht im Klaren war. Schreiben ja, nein, vielleicht. Ich stecke fest, irgendwo. Die Stimmung ist leicht melancholisch. Das Beitragsbild passt eigentlich gar nicht. Vielleicht liegt ja alles an den fünf Tagen die ich mal wieder krank war. Das scheint mich runterzuziehen. Sich mies fühlen und dagegen machtlos sein, in der Schwebe hängen, nichts tun können. Nicht zu wissen wann es vorbei ist. Das ist nichts für mich.

Am Samstag ging es mir eigentlich immer noch nicht gut. Eine Ibuprofen und ein Schläfchen später, machte ich mich mit Dobendan im Mund laufender Weise auf, Richtung Feld. Ganze 7.5km mit erhöhtem Puls und Schweißausbrüchen bei 0 Grad. Doch danach ging es mir zum Abend hin plötzlich immer besser und am Sonntag war ich dann soweit, dass ich sagen konnte „ich lebe wieder“.

Sonntag war auch der Tag, an dem ich ein neues Pferd als mögliche Reitbeteiligung probegeritten bin. Das Ganze wurde mir über eine Bereiterin vermittelt und ich sagte einfach zu. Ich fuhr zu einem äußerst noblen (leicht versnobten) Stall und wusste nicht mal wo ich diejenige welche überhaupt treffen würde. So wenig Infos hatte ich noch nie. Aber ich fragte ja auch nicht. Könnte am Seuchen-Delirium gelegen haben. Ich fühlte mich wie in Watte gepackt und ganz weit weg von der Realität. Nach einer kleinen Suche fand ich dann die Besitzerin in einem der Stalltrakte vor der Box stehen. Ich merkte sofort, hier wehte ein anderer Wind. Da hat man wenn nötig auch mal Haare auf den Zähnen. An diesem Tag war ich nicht tough. Und leider weder gesprächig, noch sonderlich witzig. Ich muss schüchtern gewirkt haben. Schüchternheit ist etwas, was ich mir über die Jahre ganz schnell abgewöhnt habe…bis auf diesen Tag natürlich.

Ich traf auf eine zierliche, mittelgroße Rappstute, die einen ganz ausgeglichenen und gut erzogenen Eindruck auf mich machte. Denn, wie ihr wisst – ich hatte vor nicht allzulanger Zeit anderes erlebt. Von Irrealität umnebelt führte ich das Pferd zu den Anbindeplätzen und von dort gesattelt zu einer der beiden (riesigen, tollen, komplett verspiegelten) Reithallen. Es fühlte sich alles nicht echt an, es war total merkwürdig, sodass ich mich am liebsten selbst geohrfeigt hätte. Wie eine Aufziehmaus setzte sich die Stute sofort in Bewegung, mit flotten, relativ kurzen Schritten. War ich ja nach meinen 1.80m + Viechern gar nicht mehr gewohnt. Ich brauchte 20 Minuten um mich für eine Art zu entscheiden, wie ich das Tier dazu bringen wollte, locker durchs Genick zu gehen. Heraus kam die Methode: pack sie an. Mit sanft und locker war da nicht so viel zu holen. Dabei war mir an diesem Tag nach sanft und locker. Sie versuchte sich immer mal wieder aus meiner Hand zu befreien, schüttelte sich und wagte den Versuch unter mir wegzurennen, sowie zu Hüpfen. Ich wusste nicht wie weit sie gehen würde, aber glücklicherweise schien das nur ein kleiner Test gewesen zu sein. Mit sanfter Gewalt gelang es mir zum Ende hin dann doch noch ein entspanntes Pferd aus ihr zu machen.

Aber auch nach dem Absteigen war mein Gefühl: komisch. Mysteriös. Beklemmend. Betäubt. Ich wusste nicht was ich reden sollte, hatte das Gefühl alles was ich sagte ging ins Leere. Die Besitzerin war dennoch mit mir einverstanden. Sie wolle aber einen Vertrag aufsetzen. So etwas habe ich bisher noch nie erlebt. Gelesen habe ich ihn heute und zwar mit Bauchschmerzen, er kam vorab auf meinen Wunsch hin, per Mail. Es sind zwar weitestgehend grundlegende Sachen – aber wenn ich so Dinge lese wie „verpflichtet sich bei Eigenverschulden Kosten der Heilung des Pferdes, Ausfall, anteilige Unterhaltskosten und ein Ersatzpferd zu tragen“ wird mir mehr als schlecht. Und so ist jede der 8 Paragraphen gestrickt. Ist die Frage was man nachher, wenn irgendwas ist, als Eigenverschulden ausgelegt bekommt. Vor allem dann, wenn noch 2 weitere Personen an diesem Pferd beteiligt sind. Vielleicht ist die Suppe auch nicht so heiß zum Essen, wie sie gekocht wurde – aber woher soll ich das wissen?

Ich bin gerade etwas ratlos, das kam alles überraschend. Am 4.2. wollten wir uns eigentlich treffen und den Vertrag zusammen ausfüllen, ich könne im Anschluss direkt reiten. Ich muss nochmal richtig nachdenken, glaube ich… Wenn derartige Erwartungen gehegt werden und ein unsichtbarer Druck herrscht, dann neige ich dazu mich in irgendeinen Mist hineinzureiten, im wahrsten Sinne des Wortes.

Gestern bin ich dann ins Studio gefahren und war der festen Überzeugung 10km in 45min abzureißen. Es wurden dann 7 in 32 Minuten. Die Form habe ich durch das Rumgeliege wohl etwas verloren und die Motivation auch. Ich hätte gerne direkt da weitergemacht wo ich aufgehört hatte, aber die Woche muss ich wohl erst nachholen. Vielleicht kommt dann auch die Freude wieder. Momentan sehe ich eher so aus, als würde ich ständig über die Abgründe des menschlichen Lebens nachdenken.

Damit das Beitragsbild wenigstens ein bisschen gewürdigt wird: ich habe gestern Kürbissuppe gekocht und dabei festgestellt, das Butternut Kürbis im Zwischenschritt im Ofen gebacken, total lecker schmeckt, fast wie Kartoffelecken. Und da ich so viel Suppe über hatte, habe ich heute was mit ins Büro genommen, um die Hälfte davon quer durch die Küche zu schleudern. Nur gut, dass ich heute alleine hier oben bin. Es war der absolute Super-Gau: der Boden vom Fenster bis in den Gang komplett versaut, die Wände vespritzt, alle unteren Schränke, die Tür… Ich habe 15 Minuten und eine gefühlte Zewarolle gebraucht, um diese Sauerei wieder in den Griff zu bekommen. Dann hatte ich nur noch ein Drittel übrig, d.h. heute ist erstmal hungern angesagt. Mal sehen was noch kommt.

— Jamie

2 Gedanken zu “Heute kein Titel

  1. „Eine Ibuprofen … Dobendan … in Watte gepackt“ Laufen zu gehen wenn man nicht 100% fit ist – sorry, das ist nicht gut. … Gar nicht gut! Ich arbeite auf einer kardiologischen Intensivstation, ich weiß wovon ich rede!
    Das mit dem Pferdevertrag hört sich nicht gut an. Hast Du einen Juristen im Bekanntenkreis? Ich würde mir eine weitere Meinung einholen. Mir machen die Formulierungen Bauchschmerzen.
    Ich wünsche Dir gute Besserung, damit Du bald wieder 101% fit bist! 🙂
    LG

  2. Ja hast wirklich recht, nur manchmal geht es dann halt mit mir durch. War auch eher als locker-Lauf gedacht und damit der Kreislauf mal wieder hochkommt. Was ja zum Glück auch geklappt hatte. (Ich gehe mir gleich mal auf die Finger hauen).
    Mh einen Juristen..nicht dass ich wüsste. Ich weiß nur, dass die gute Frau bei einer Versicherung arbeitet – vielleicht weht von daher der Wind. :/
    Heute geht es mir zu 90% wieder gut, war eben laufen und konnte die 10km abspulen. Die Form ist dann hoffentlich nächste Woche wieder da. Ich danke dir 🙂

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