Vor Hochmut kommt der Fall

Ist so. Immer wenn ich denke, es läuft im wahrsten Sinne des Wortes richtig gut, teilt mir das Leben wieder Karten zu die ich gar nicht will. Über Nacht kam das zwar auch wieder nicht, ich hatte diese Vorahnung ja schon auf den letzten 5 Kilometern während des Halbmarathon, in Form von kurzen, zackigen, messerscharfen Stichen in der Leistengegend. Danach dachte ich mir, ich gehe die Woche danach langsam an. Einen Tag danach lockere 5km, so nach dem Motto trainierend regenerieren. Soll man ja eigentlich auch so machen. War ein wenig schmerzhaft, aber eben nur ein wenig. Manche Schmerzen gehen weg, wenn man einfach weiter macht, oder zumindest Intensität und Umfang reduziert. Ob das jetzt ein reiner Muskelschmerz war oder eine Knochenhautentzündung oder gar beides, konnte ich weder zu diesem Zeitpunkt sagen, noch zum jetzigen.

So trainierte ich vor mich hin. Ein Tag Pause, dann wieder lockere Dauerläufe bis 10km. Besser wurde es nicht, schlimmer aber auch nicht – zumindest nicht dauerhaft. Sogar die Intervalle waren viel besser, fast ganz ohne Schmerz. Am Wochenende gabs ja dann Qualitytime mit Mojo und am Sonntag habe ich sogar mal Thomas mitgeschleift, nur bis ganz oben ist er halt nicht gekommen. Der Schnee frustrierte ihn (trotz Spikes) und die Kraft blieb nach ca. 500HM auch aus und als er meinte er würde ohnmächtig werden, drehten wir halt um 😉

So hatte der Schmerz Zeit sich zu verflüchtigen. Dafür tat mir der Hintern weh. Und zwar so richtig. Der Sattel ist leider nicht der bequemste, dummerweise bekam ich die Quittung erst Sonntag, sodass ich kaum auf der Couch sitzen konnte, obwohl ich die meiste Zeit stehend wieder heruntergefahren bin. Ein neuer Sattel muss her, möglichst einer mit ein bisschen Gel. Denn der aktuelle gibt kein bisschen nach und so viel Sitzfleisch habe ich halt nicht.

Montag immer noch ein leichtes Ziehen. Montag ist Tempolauf-Tag. Ich war vorsichtig aber es lief so gut, dass ich 10km in 46min rennen konnte und zwar so, dass es mir relativ locker vorkam und ich mir vorstellen konnte das um 0,5km/h zu steigern. Danach gab es noch Krafttraining und mein verlegtes Sixpacktraining ins Studio – mittlerweile mit Gewichten bis 10kg zusätzlich. Abends mäßige Schmerzen.

Dienstag war es dann das erste Mal aus. Ich konnte kaum gehen, drei Ibuprofen über den Tag, ich bin fast wahnsinnig geworden. Angefangen hatte das mit Stichen ins Sitzbein, dann ins Schambein und spätestens am Dienstag dann mit Ausstrahlung in den inneren und äußeren Oberschenkel, sowie ins Steiß- und Kreuzbein, Leiste..alles was man so im Hüftbereich haben kann. Anders als im Vorjahr kann ich durchaus noch auf einem Bein stehen. Das was wahnsinnige Schmerzen macht ist der Punkt an dem ich mal auf dem linken Bein stehe (bspw. beim Hose-Anziehen) und das rechte anziehen muss. Es ist also nicht die Belastung, es ist quasi die Beinarbeit.

Gestern war es dann wieder tragbar, sodass ich mich entschloss nochmal einen anderen Versuch zu wagen. Ich habe eine Sohle aus meinen anderen Laufschuhen in den aktuellen Schuh gesteckt, um die Beinlängendifferenz auszugleichen. Was sich zunächst gar nicht so falsch anfühlte. Mir war auch klar, dass nach dem Training andere Muskeln durch die Umstellung beleidigt sein könnten. Soweit so gut.

Rauf aufs Laufband, 1 Kilometer mit mäßigen Schmerzen mit leichter Steigung gelaufen. Alles ok, ohne zu eiern. Dann lief ich den ersten Intervall (700m mit 4:00) was auch gut ging. Trabpause. Und nach insgesamt nicht mal 2 Kilometern konnte ich plötzlich keinen Schritt mehr machen und habe es gerade noch so an den Rand geschafft – so schnell konnte das Band gar nicht stoppen wie mir dieser verdammte Höllenschmerz sonstwohin schoss. Als wäre was gerissen oder ein Nerv furchtbar eingeklemmt. Habe mich auf die Matte gesetzt wie eine alte Oma, konnte das Bein kaum ausstrecken. Lag dann da und heulte fast vor Schmerzen. Ich wusste auch nicht mehr, wie ich jemals wieder dort weg kommen sollte.

Nach zehn Minuten konnte ich jedoch in den Hantelbereich humpeln und mir eine Gewichtsscheibe mit nach hinten nehmen. Die Übungen klappten auch alle gut, nur in die Liegestütze kam ich fast nicht, weil ich mich dazu ja umdrehen musste. Habe zwischendrin immer wieder gedehnt, einfach so auf Verdacht und habe es somit auch wieder nach Hause geschafft. Ohne Schmerzmittel hätte ich gar nicht schlafen können. Heute morgen war es nicht viel besser, aber ich konnte ja gehen. Der Super-Gau ereilte mich dann auf den 800 Metern vom Parkhaus zum Büro. Bei jedem Schritt sah ich Sternchen und mir wurde richtig schwindelig. Ich ging so langsam, dass selbst die älteren Herrschaften locker überholen konnten. Auf dem Weg machte ich Stopp in einer Apotheke und deckte mich mit Voltarentabletten ein. 2x 25mg und jetzt fühle ich mich als wäre fast nichts gewesen. Im Gegensatz dazu ist Ibuprofen ein Versager.

Laufen werde ich erstmal gar nicht mehr, das macht einfach keinen Sinn. Kraftraining und am Wochenende Ausritt mit Mojo. Montag der rettende Termin beim Osteopath. Wenn der mir auch nicht helfen kann, dann bin ich mittlerweile mehr als ratlos.

— Jamie

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4 Gedanken zu “Vor Hochmut kommt der Fall

  1. Klingt ja mal gar nicht gut… eine Ferndiagnose wird hier natürlich auch niemand stellen können, aber ich denke, dein Plan ist ganz gut. Abgesehen von den Schmerzen ist s aber auch nicht ganz so sinnvoll, direkt nach einem Wettkampf gleich schon wieder Intervalle zu laufen. Lass Deinem System Zeit zur Regeneration. Eine Faustregel besagt, soviele Tage wie die Hälfte der Wettkampfkilometer Regeneration. D.h. nur locker und weniger laufen. Aber mit dem Erholen hast du’s ja nicht so… 😉
    Gute Besserung!

  2. Heydu, ne mit dem Erholen leider mal so gar nicht, aber laufend erholen geht ja eigentlich auch. Nur in meinem Fall mal wieder nicht. Ich bin mir ziemlich sicher dass das ganze eine Leistenzerrung ist, da alle Symptome auf mich zutreffen. Ob ich wirklich richtig stehe…sehen wir wenn das Licht beim Osteopath angeht 😉 2 Wochen Laufpause und solange Mojo bemühen 😉

  3. Vielleicht sind es nur muskuläre Dybalancen, was mich aber auch irgendwie wundern würde weil du ja ne Menge zum Ausgleich machst. Das fehlt bei mir bis auf Gymnastik komplett.

    Anfänglich bin ich auch immer zum Orthopäden oder Osteopathen gerannt, aber das war nie nachhaltig und meist eher enttäuschend. Rückblickend muss ich sagen: Die zeit heilt alle wunden. Erstmal Pause und dann mit angezogenerer Handbremse.

    Solche Probleme bekomme ich immer wenn ich viel trainiere, was ja momentan nicht passieren kann weil ich ständig krank bin.

    VG

    1. Mh da hast du sogar höchstwahrscheinlich recht. Ich war immer mal wieder bei einem Physiotherapeuten meines Vertrauens, der mir durch Triggerpunkttherapie wirklich helfen konnte und damals auch eine Beinlängendifferenz festgestellt hat, die wahrscheinlich muskulär bedingt ist. Er meinte dass in meinem Rücken die Muskeln derart verspannt sind, dass die mein Bein hochziehen. Er konnte mein Bein kurzfristig wieder auf gleiche Länge bringen – das ganze hielt aber nur 2min. Das ist auch der, der mir den Osteopath empfohlen hat, der gleichzeitig Sportwissenschaftler ist. Ich hoffe ich habe endlich mal Glück..
      Ich habe das leider jedes Jahr und wie du schreibst, wahrscheinlich wegen gehäuften Training. Mag nicht immer die Hälfte jedes Jahres leiden, da muss es doch wohl mal was geben -_-

      Oh Mist, immer noch ständig krank? Wirst du das überhaupt mal wieder los oder bist du auch schlecht im auskurieren? 😉

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