Ostheopathie

Letztes Jahr hatte ich eigentlich schon einen Termin, konnte ihn aber nicht wahrnehmen. Ich erinnere mich an meinen Telefonanruf und der schönsten „Ausrede“ die ich jemals benutzen durfte: „Es tut mir leid, aber ich habe mir das Becken gebrochen..“ „Na da macht der Termin ja gar keinen Sinn.“

Umso schöner, dass ich das nun fast genau ein Jahr später nachholen konnte. Beim Ostheopathen war ich noch nie und das war vor Heilpraktikern auch beinahe das letzte Glied der Kette, welches ich zu Rate gezogen habe. Nachdem Orthopäden mir nur das bestätigten was ich sowieso schon wusste (oder noch nicht einmal das) und die einzige Lösung in pausieren und kürzer-treten bestand, werde ich einen solchen nur noch bei eventuellen Härtefällen wie Bandscheibenvorfall o.ä. konsultieren.

Das Problem hatte sich über das Jahr nur geringfügig verändert: damals war es links und das Epizentrum befand sich im Kreuzbein. Aktuell ist es rechts und nicht so genau definierbar. Mal im Sitzbein, mal in der Leiste oder auch im Steißbein mit Ausstrahlung in den Oberschenkel. Gerne wie eine Messerstecherei und/oder Tauziehen. Bei jedem Schritt, bei jedem Bein anziehen mit Neigung nach vorn – Paradebeispiel „ich-ziehe-mir-eine-Hose-an“.

IMG_20150307_154503Am Samstag war ich noch biken und durfte dank schmierigem Schneematsch auch mal schieben. Und das wurde mir extrem übel genommen. Ich stand mitten im Wald und konnte keinen verdammten Schritt mehr machen. Mojo war das ziemlich egal. Stand brav und treudoof auf dem Trail, die Hufe in den Schnee gegraben. Also habe ich ihn auf dem Absatz herumgedreht, habe mich bis zur Straße rollen bzw. rutschen lassen und bin die letzten 2 Kilometer asphaltiert gefahren. So kurz vor dem Ziel drehe ich nicht um. Oben saß ich dann im Pulverschnee ein wenig in der Sonne und fuhr dann wieder heim. Als ich in den Hof einbog und IMG_20150307_155214vom Rad stieg, sollte das meine letzte flüssige Bewegung gewesen sein.

Ich ahnte schon Fürchterliches und griff zu den Voltarentabletten. Leider half auch das nichts mehr. Alarmstufe rot. Ich konnte nicht mehr durch die Wohnung laufen, es waren wieder die Schmerzen direkt aus der Hölle, als hätte ich versucht Intervalle zu laufen. Ich verlor etwas die Nerven und badete in bitteren Tränen von IMG_20150307_125402340Frustration, Selbstmitleid und Schmerz. Sonntags wollte ich eigentlich wieder biken, aber das konnte ich sowas von vergessen. Es war zwar geringfügig besser, aber richtig gehen konnte ich noch immer nicht, geschweige denn auf der rechten Seite liegen. Oder mich umdrehen. Oder Schuhe anziehen. Oder oder.

IMG_20150308_200846Also Extremcouching. Mein Strohhalm der Termin am Montag. Wenn ich 50km weit fahre, um einen Arzttermin wahrzunehmen, ja dann muss es schon etwas mehr als akut sein. Und wenn ich nicht mal selbst fahre, sondern mein Mann, dann ist eigentlich schon alles zu spät.

Alles wird gut. Alles wird gut. Ich versuchte langsam und humpelfrei in die Praxis zu kommen. Alles war ruhig, alle waren nett. Und der Ostheopath der gleichzeitig auch Physiotherapeut und Sportwissenschaftler ist, ebenso. Anamnese, Check von Kopf bis Fuß (buchstäblich) und dann eine völlige Neujustierung über 45 Minuten mit Griffen, Druck und Ziehen, bei denen ich nicht so genau wusste ob ich lachen oder weinen sollte. Ich weiß bis jetzt nicht, ob das angenehm oder unangenehm war. Teils teils. Wenn er mit der einen Hand meinen Kopf in eine Richtung verdrehte und mit der anderen in meinem Bauch hing, dann war das merkwürdig und ich war froh nicht mehr als Whey intus zu haben. Hat sich in etwa so angefühlt, wie das Empfinden was man dabei hat, wenn man sich Physiotherapie bei Pferden anguckt.

Das Wort Neujustierung passt spätestens dann, wenn man ein portables Bänkchen unter Hüfte und Beine geschoben bekommt, welches durch einen Hebel hochzubocken ist und durch einen gezielten Schlag auf die betroffene Stelle wieder in die Ursprungsposition fällt. Quasi wie eine Neuausrichtung und Untermauerung dessen, wie der Körper ab jetzt bitte zu bleiben hat. Gerade im Bereich des Beckens habe ich immer noch tiefsitzende Ängste, sodass ich mich so verspannte, dass die Bank sich nicht gleich auslösen ließ. Ich traute mich kaum zu reden und teilweise war das auch einfach nicht möglich. Allein durch tiefes Einatmen – Luftanhalten – Griff – Ausatmen konnte man scheinbar viel bewirken.

Direkt danach stand ich schon wieder viel gerader, konnte besser gehen und der Schmerz war etwas weniger. Die Ursache ist wohl folgende: der Bruch im Becken ist wohl doof zusammen gewachsen, zwar sehr stabil, aber das macht mich nun sehr unbeweglich und mein ganzer Körper zieht nach rechts weg. Daher die Schmerzen und Fehlbelastung. Einlagen brauche ich keine. Eine Woche nicht laufen, vielleicht auch nicht die zweite. Am 23.3. habe ich den nächsten Termin. Schmerzen in anderen Regionen die plötzlich auftreten, seien normal und erwünscht.

Wir gingen noch einkaufen, meinen Opa am Stall besuchen und Thomas Eltern. Ich wurde immer müder. Bekam eine Art Muskelkater im Rücken und im Fuß. Wollte nur noch nach Hause. Legte mich auf die Couch und versank im Koma. Sonnenschein, milde 15 Grad – all das konnte mich nicht beeindrucken. Um 22 Uhr ging ich wieder ins Bett und wachte dank meines Handyweckers zum Glück pünktlich zum Büroantritt wieder auf. Alles war traumlos und komplett vernebelt. Der Schmerz war noch mehr verblasst, sodass ich mich entschied früher zu gehen und Mojo zu bemühen. Der Ausritt ist ein eigener Beitrag wert..war anlässlich des Wetters nämlich echt eine Tortour. Die Schmerzen wurden währenddessen weniger und verschwanden im Verlauf des abends vollständig. Blieben auch heute morgen noch aus.

Nun drückt es mal im Rücken oder punktuell mal in der Leiste. Es wandert und bewegt sich ständig. Ich kann gehen. Bin aber seit Montag wahnsinnig müde, kann nicht genug Schlaf bekommen. Irgendetwas scheint zu passieren. Das Biken hat es nicht schlimmer gemacht. Ich hoffe ich halte es noch diese Woche ohne zu laufen aus. Heute Abend fahre ich ins Studio und will es beim Krafttraining bleiben lassen. Man darf gespannt sein, was sich noch so tut.

Habt ihr schon Erfahrungen mit Osteopathie gesammelt? Ist das überhaupt nachhaltig oder kann ich jetzt mein Leben lang in regelmäßigen Abständen dort hinrennen?

— Jamie

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5 Gedanken zu “Ostheopathie

  1. Hallo Jamie, du sprichst mir aus der Seele. Dein Bericht hätte in abgewandelter Form von mir sein können. Ich war mit meinen Hüft- und Magen- Darmproblemen zum ersten Mal bei einem von einem Freund empfohlenen Osteopathen, der außerdem noch Leichtathletiksportler ist. Wie du auf meinem Blog siehst, habe vor ca. drei Jahren wieder mit Leichtathletik begonnen. Mein Freund, ebenfalls Sportler war von ihm begeistert und so ließ ich mir auch einen Termin bei ihm geben.

    Kein Arzt, schon gar kein Orthopäde wäre auf die Idee gekommen, dass meine Probleme alle im Zusammenhang stehen. Der eine behandelte meine Magenprobleme etc. und der andere verschrieb mit Einlagen.

    Die Behandlung des Osteopathen war fast identisch mit dem wie du es beschrieben hast. Allerdings war ich sehr überrascht, dass er sofort feststellte, dass meine Beine unterschiedlich lang sind. Man merkt das nicht, das habe ich schon von Geburt an. Aber in Verbindung mit meinen sportlichen Anstrengungen, kamen dadurch meine Hüftprobleme und er erklärte mir wie der Darm im Körper aufgehängt ist und ebenfalls beansprucht wird. Es würde jetzt zu weit führen, dies hier nieder zu schreiben. Es geht ja auch nur um die grundsätzlichen Dinge. Aber einleuchtend war das ganze schon.

    Nun habe ich noch keine weiterführenden Erfahrungen mit ihm, denn die zweite Sitzung steht erst noch an. Er versicherte mir aber, dass er meine Probleme mit höchstens noch zwei Behandlungen in der Griff kriegen will. Ich bin wirklich sehr gespannt, ob er Recht behält.

    Außerdem habe ich schon sehr viel Positives über Osteopathie gehört. Deshalb wundere ich mich, dass die Krankenkassen diese Behandlungen nicht unterstützen. Andererseits sind sie eben der Schulmedizin verpflichtet und die sind abhängig von der Pharmaindustrie. Und das ist ein Milliardengeschäft. Die wollen doch gar nicht, dass du gesund wirst. Das würde jetzt aber alles zu weit führen.

    Dein Beitrag hat mir aber sehr gefallen :-). Besuche doch auch einmal meinen Blog, würde mich freuen!

    Viele Grüße
    Robert Breitenbach

    1. Hallo Robert, vielen lieben Dank für deinen ausführlichen Kommentar 🙂 Das macht mir Mut, es weiter zu versuchen. Ich denke auch, die besten Dinge muss man meist selbst zahlen. Und die TK übernimmt leider nur 3 Sitzungen im Jahr mit 40 Euro. Das ist für einen Sportler oder einen Menschen mit langwierigen akuten Beschwerden ein Tropfen auf den heißen Stein.

      Ich bin auch der Ansicht, dass Beschwerden im Zusammenhang betrachtet werden sollten. Bei mir gibt es auch eine Beinlängendifferenz, die ist jedoch durch meinen Physiotherapeuten schon bekannt. Das ist auch derjenige, der mir den Osteopath empfohlen hat – Beinlängendifferenzen wären eines seiner Spezialgebiete 😉

      Wie ist das mit der Belastung, läufst du während der Behandlung weiterhin oder musst du auch pausieren? Ich bin mir momentan nicht sicher, ob mir das Biken gut tut. Es stagniert zur Zeit, wird mal etwas schlimmer, dann wieder besser. Sitzen im Büro macht es auch eher schlimmer. Ist dann halt schwierig für mich zu sagen, ob nun die Osteopathie hilft oder die Ruhe die ich halte.

      Ich habe schon etwas auf deinem Blog gestöbert und werde dies bestimmt noch häufiger tun 🙂

      Liebe Grüße,
      Jamie

  2. Hallo Jamie, inzwischen laufe ich wieder und ich fühle mich endlich wieder richtig gut dabei. Gestern bin ich die ersten Intervalle gelaufen, habe heute etwas Muskelkater, aber das wichtigste dabei ist, dass mein Magen derzeit nicht verrückt spielt. Vielleicht wirken ja endlich die Medikamente und haben die Bakterien im Darm abgetötet :-). Da wir endlich schönes Wetter haben, kann man wenigstens wieder draußen laufen. Das ist viel angenehmer als in der Halle. Außerdem muss ich ja für die Hessischen Seniorenmeisterschaften Anfang Juni trainieren. Habe mir schließlich einiges vorgenommen.
    Bin auf meine nächste Sitzung beim Osteopathen gespannt.
    LG Robert

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