Todestrails & Gehversuche

Ich wollte schon am Wochenende schreiben. Ganz ehrlich. Der Geist ist willig aber das Fleisch ist schwach. Vielleicht wäre das der passendere Titel gewesen. Ich habe es tatsächlich geschafft, eine ganze Woche nicht zu laufen. Dafür habe ich mich anderweitig gequält. Am Mittwoch hatte ich eine so intensive Krafttrainingseinheit, dass ich 4 Tage lang Muskelkater hatte. Dafür schaffe ich mittlerweile 3x 10-12 Liegestütze. Wo ich doch so lange keinen einzigen konnte. Freitag nach der Arbeit habe ich dann eine Speedrunde zum Feldberg eingelegt und musste mal wieder 3km Straße fahren. Es war richtig frostig und es gab immer noch Eis und Schnee. Ich wollte das einfach nur hinter mich bringen. Runter wieder Straße, weil die anderen Wege noch vereister waren und sich wieder meine dubiosen Schmerzen ankündigten und ich so nicht gewillt war zu schieben. Und auch nicht wieder im Dunkeln mitten im Wald zu stehen. Auf dem Weg nach unten wäre ich zwar fast eingefroren, aber wenigstens war ich nach 2 Stunden und 38km wieder zu Hause.

Das war natürlich nicht genug. Über ein MTB Forum mit der Sparte „Frankfurt und Umgebung“ verabredete ich mich mit vier weiteren Bikern an der Hohemark, für Samstag morgens um 10. Eine Frau sollte noch dabei sein, leider verschlief sie und kam auch nicht mehr nach. War wohl nichts mit der Frauenquote. Mir stand der Sinn eher nach einer gemütlichen Tour. Diesmal war ich nicht der Leader, das übernahm jemand anderes. Ja, so 1-2 Trails könnten wir ja schon fahren. Ja ok. Passt schon.

Wie es der Zufall so wollte war noch ein Fahrrad Mechaniker dabei, der sich meiner nervig quietschenden Bremsen annahm und die Beläge erstmal abschliff. Brachte zunächst nur bedingt etwas und so musste ich mir weiter Lieder singen lassen. War ja hoch nicht so tragisch. Wir waren echt flott unterwegs, zumindest am Anfang und es ging gleich steile, verwundene, wurzelige Trails nach oben. Einmal neben den Pedalen, nie wieder hoch. Ist mir ein bis zwei Mal passiert. Oder man bleibt blöd an irgendwelchen Ästen hängen. Oder vergisst zu treten.

Trails die man hochfährt muss man irgendwann auch wieder runter. Oder man fährt andere Trails runter. Aber runter ist und war Programm. Mein Fehler war, dass ich zu lange überlegte, während ich oben stand und auf die laubige und steinige Abfahrt blickte. Mein Gefühl sagte nein. Manchmal konnte ich den Einstieg fahren. Dann machten mich die nervtötende Vorderrad-Bremse verrückt. Um nicht zu sagen wahnsinnig. Einfach laufen lassen war ja nicht – zu eng, zu steil, zu gefährlich. Manchmal musste ich das MTB quer zum Trail runterheben und hinterher steigen. Oder rutschen. Das Bike stand teilweise sicherer am Hang als ich auf meinen Beinen. Dazu wieder stechende Schmerzen bei jedem dummen Schritt oder Wegrutschen. Mir traten Tränen in die Augen. Sattel runter, Sattel rauf. So ging das hin und her.

Nach jedem Trail kamen 200m Weg und dann der nächste. Nach zwei Stunden wäre ich am liebsten einfach im Wald liegengeblieben und hätte mich notfalls auch von Wildschweinen anknabbern lassen. Ich konnte nicht mehr. Nicht Konditionell, aber nervlich. Nach 3 Stunden war die Konzentration dann dahin. Ich überblickte nicht mehr viel. Wurde noch unsicherer, vertraute den Bremsen und mir erst recht nicht mehr. In meinem Kopf kam wieder das Bild meines Unfalls und ließ nicht mehr locker. Meine Arme taten weh. Die Bremse war noch lauter. Mir war nicht klar, dass das noch möglich war, aber es war tatsächlich so. Ich ließ alle vorfahren, damit ich mit den Trails allein sein konnte. Alle Technik wurde von meinem verkrampften Körper zunichte gemacht.

Und als ich nach fünf Stunden auf plötzlich vereistem Untergrund glaubte ich müsse mich per Rettungshubschrauer wieder zum Startpunkt bringen lassen, waren wir dann wieder an der Hohemark. Es war 15 Uhr und mir wurde plötzlich so kalt, dass ich dachte jetzt hab ich aber Kreislauf. Aber wir mussten ja nochmal das Vorderrad ausbauen, um die umstrittene Kupferpaste dünn aufzutragen. Was übrigens das Heilmittel der Nation zu sein schien. Wenigstens auf der 15 minütigen Heimfahrt quietschte nichts mehr. Es war wohl die Schwingung die entstand. Vielleicht sollte ich generell auf organische Beläge umsteigen, im Moment sind es nämlich Sinter.

Wie man sich vorstellen kann, lag ich den Rest des Tages flach und bekam nicht mehr viel auf die Reihe. Oder doch: ich bin wieder unter die Zocker gegangen. Nachdem ich 7 Jahre auf die Fortsetzung von Dreamfall the longest Journey gewartet hatte – wurde per Kickstarter dann doch noch Dreamfall Chapters released. 7 Kapitel die nach und nach via Steam zum Download freigegeben werden. Book one hatte ich schon durch. Dann dauerte es wieder 2 Monate und jetzt ist Book two draußen, jedoch ist da ein Patch noch dringend nötig… Es gibt leider nur sehr wenige richtig gute Spiele, für die sich stundenlange Zeitverschleuderung wirklich lohnt. Dafür lohnt es sich aber. Adventures sind meistens sehr eingeschränkt und oft nur mit Point and Click spielbar und das langweilt mich tierisch. Das ist bei Dreamfall ganz anders, die Story ist wahnsinnig verwoben und tiefgründig, man spielt in 3 Welten die letzten Endes alle wieder zusammenführen und jede Entscheidung beeinflusst das Spiel in Verlauf und Konsequenz, manchmal sind nur Nuancen entscheidend. Wen sowas interessiert, kann hier nachlesen: http://redthreadgames.com/games/chapters/

Ansonsten bin ich seit Montag wieder unter die Läufer gegangen. Mir war Angst und Bange wegen den Schmerzen. So viel kann ich schon mal sagen: schlimmer gemacht habe ich es nicht. Ich kann weiterhin auf einem Bein stehen und mir Hosen anziehen und Schuhe binden. Was ja schon recht viel wert ist. Bin mit leichter Steigung gestartet, was meinen Puls unglaublich hoch getrieben hat. Das 4:45 für den Anfang nicht gerade langsam und schonend sind, weiß ich, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich bei diesem Tempo am wenigsten Beschwerden habe. Der Schmerz verlagert sich. An diesem Tag saß er im Steißbein und im vorderen Oberschenkel. Nach knapp 7km ließ ich es bleiben, denn ich fing an zu eiern. Danach war alles wie blockiert. Die Schmerzen gingen aber. Schmerzmittel nahm ich auch nicht. Am nächsten Morgen war es weder besser noch schlechter.

Was es aber wirklich schlimmer macht, ist das Sitzen im Büro. Schon nach einer halben Stunde muss ich humpeln und Schmerzmittel nehmen. Messerscharfe Stiche die jetzt genau tief und innen seitlich am Ansatz des Oberschenkels beginnen und auch mal in Sitz-, Schambein und Oberschenkel strahlen oder pieken. Am Montag habe ich den nächsten Termin beim Osteopathen. Ich weiß dennoch nicht mehr wie ich mich verhalten soll, ich bin zur Zeit sehr niedergeschlagen und ratlos. Sitze nun schon mit einem gerollten Handtuch auf dem Bürostuhl, um für Entlastung zu sorgen. Vielleicht probiere ich es heute Abend nochmal mit dem Laufen, auch wenn da momentan natürlich die Endorphine nicht so wirklich durchkommen. Doch wenn Sitzen so viel schlimmer ist, dann kann das Laufen nicht schädlicher sein. Oder?

Das Beitragsbild entstammt übrigens meines Fitnessstudios. Immer wenn ich mich durch die Bauchübungen quäle und meinen Blick gegen die Decke richte, ist „Quäl dich du Sau“ das einzig verfügbare Mantra 😉

— Jamie

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