Runterschalten, Vergangenheit bereisen

Nach der Biketour am Sonntag, hätte ich eigentlich nicht geglaubt, dass ich den Montag ohne Zipperlein überstehen würde. Aber außer dass ich in der Firma körperlich etwas müde war, passierte wie gesagt nichts. Also kurzer Rückblick dieser Woche:

Montag – 8k 39min DL (Laufband) + Hanteltraining, Crunches und Russian Twists 3x25Wdh mit 10Kg Scheibe + 30 Pushups
Dienstag – 8k 39min DL (Laufband) + wie Krafttraining am Montag
Mittwoch – 36,5k und 831HM biken in 2:03h (<– dazu kommt noch ein Post, das ist es wert 😉 )
Donnerstag – Ruhetag
Freitag  – 5k TP 22,x min (Laufband) + Kraftraining wie vorangegangen

Nicht so unglaublich spektakulär, aber ein wenig habe ich dennoch zu erzählen. Da ich immer noch Schmerzen habe, die mittlerweile eher im rechten Oberschenkel stecken, richte ich meine Aufmerksamkeit lieber mehr aufs Biken, zumal mir das kräftetechnisch sowieso besser tun wird. Das ist der Grund der mickrigen gelaufenen Kilometer: ich laufe bis zur Schmerzgrenze. Heute hätte ich nur zu gerne einen Tempolauf auf die 10 Kilometer abgespult. Ich hätte vielleicht auch noch zwei mehr geschafft (irgendwie) aber der Schmerz macht mich zur Zeit nur noch mürbe. Helfen tue ich mir damit auch nicht. Also nur 5k und die gingen mir echt locker von den Beinen – bis der Schmerz kam natürlich. Traurig, es ginge so viel mehr..aber ja, ihr wisst es schon.

Am Donnerstag war „Ruhetag“ vielleicht auch etwas übertrieben. Wir haben einem guten Freund geholfen, seine Waschmaschine vom Keller in den dritten Stock zu tragen und haben uns anschließend seine neue Heimat genauer angeschaut. Dazu muss ich sagen, dass dieser „gute Freund“ mich nun schon 13 Jahre kennt, wir uns aber erst vor etwas mehr als 2 Jahren das erste Mal gesehen haben.

Vielleicht ist es hier mittlerweile schon durchgesickert: ich bin nicht ganz so normal 😀 Durch meine eher strikte Kindheit, meinen Rückzug von der Umwelt und der schwindenden Freunde, bin ich mit 13 zunächst in die Musik abgetaucht. Ich habe ja schon mal von dem Meet and Greet mit Linkin Park berichtet. Das war die Band mit der damals alles angefangen hat, die mich emotional so aufgefangen hat, da alles in Worte und Sound gepackt wurde, was mir auf der Seele brannte. Zumindest was die alten Alben betrifft. Ich hatte da mittlerweile schon einen Computer, den ich meinem Vater aber eine sehr lange Zeit von meinem Taschengeld abstotterte. Das war mein Außentor zur Welt und so traurig sich das anhört: meine Zuflucht.

Was habe ich da gemacht? Naja zunächst habe ich natürlich ausführlich all die Musik recherchiert und mich später auf einem Forum mit dem Namen lpde.net bzw. linkin-park.de angemeldet. Das war damals die offizielle deutsche Fanseite und wurde von Studenten betrieben. Nach einiger Zeit war ich mit dem harten Kern befreundet, der das LPDE-Team bildete. Auch im zugehörigen Chat war ich oft anwesend. Dann kam der Tag an dem ich in dieses Team eintreten durfte. Einige gingen zwar, aber die so genannten Stammuser gab es immer. Durch die ständige Weiterentwicklung von Technik und Design war ich sehr daran interessiert auch meinen Teil dazu beizutragen, um nicht nur Moderator zu sein. Also fing ich an mir Programmiersprachen beizubringen, wie html, CSS und auch etwas PHP. Das tat ich jedoch meistens erst abends, wenn ich endlich ungestört in meinem Zimmer sein konnte. Ich habe mir Nächte im Chat, im einfachen Texteditor (nein da wusste ich noch nichts von Adobe) und im Forum, um die Ohren geschlagen. Alles natürlich heimlich.

Team-ScreenDer Hauptgrund jedoch war der, dass mir das Team sehr ans Herz gewachsen war. Es gab da etwa fünf Personen denen ich sehr vertraute, die nahezu alles über mich wussten und zu jeder Tages- und Nachtzeit für mich da waren. Wir haben stundenlange Gespräche über Skype oder Festnetz geführt und die waren leider nicht immer so lustig. Das war meine einzige Freiheit die ich mir selbst schaffen konnte, sofern ich nicht aufflog. Oft hatte ich die ganzen Sommerferien Hausarrest – durfte nicht reiten, keine Freunde treffen und musste jeden Tag 4 Seiten im Mathebuch fehlerfrei lösen.

lpdeDann kam der Supergau: mein Vater installierte mir mit 15 eine Kindersicherung auf den PC um jeden meiner Klicks zu kontrollieren. Scheiß Chat, scheiß Musik,scheiß Leute, du versaust dir dein Leben, Zeitverschwendung. Irgendwie habe ich es trotzdem immer geschafft dem weiter nachzugehen. Nach 6 Jahren traf ich den ersten des Teams und wir liefen zusammen meinen ersten Halbmarathon. LPDE wurde für viel Geld an WarnerBros verkauft. Ein Jahr später trafen wir uns alle zusammen das allererste Mal für ein Wochenende und es war alles so normal, als würden wir uns schon immer persönlich kennen. Allein das hat mir so viel gegeben und irgendwo einen Abschluss ermöglicht.

Einer von ihnen wohnte schon immer in meinem Umkreis und der, um den es gerade geht hat Hannover verlassen und ist nach Hessen gezogen. Wir gehen jetzt zusammen öfter mal ins Fitnessstudio oder Thomas und ich helfen mal eben beim Umzug. Es ist so irreal. Nach 13 Jahren. Ich bin so dankbar für alles. Und es bestätigt mir, dass ich mir selbst trauen kann und eine gute Menschenkenntnis habe. Diese 4 (eine fehlt) sind die besten Freunde die mir geblieben sind und wahrscheinlich immer bleiben werden. Die Distanz war und ist so egal. Es straft meinen Vater lügen und mir treibt es ein Grinsen ins Gesicht.

resistance

Drehen von drawing 002

meds

ausschnittIch wäre nicht da wo ich jetzt bin. Meine Zeit als programmierender, designender, zeichnender Nerd (mit schwarzen Haaren und einem Rucksack den man vor lauter Bandpatchs fast nicht mehr sah) hat mir letztendlich meinen Berufsweg ermöglicht. Ich war schon immer kreativ, habe viel geschrieben und mit Kohle gezeichnet. Die Verbindung zur Technik war ein Segen. Ich habe nichts gegen Kunststudenten, aber was macht man dann damit? So wusste ich schnell wo ich wirklich hinwollte. Und jetzt habe ich einen Beruf der mir wirklich Spaß macht, in dem ich genau das mache was ich schon immer machen wollte: Projektleitung, Konzeption, Funktionsdesign. Im übertragenem Sinne heißt das organisieren, schreiben, zeichnen, analysieren. Das Lustige war, dass es diesen Job als Stelle vorher gar nicht gab. Manchmal braucht es etwas Mut, um zu überzeugen. Aber genau das war die richtige Taktik, sodass ich eingestellt wurde um einem Job nachzugehen, den es vor meiner Ankunft dort noch gar nicht gab 😀

— Jamie

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