Short & The longest Journey

Wo fange ich an. So langsam wird es zuviel worüber man Bericht erstatten könnte, aber wenn man halt länger wartet muss man da halt durch 😉

Beginnen wir mit Freitag. Gunnar und ich verabredeten uns auf eine Hausrunde ab Oberstedten, natürlich über Sandplacken und Feldberg. Das war irgendwie körperlich ein ganz guter Tag für mich. Wir konnten uns locker und viel unterhalten und kamen dennoch fix vom Fleck. Nur zwei Minuten langsamer als das letzte Mal, als ich alleine Tempo machte. Diese langen Touren am Wochenende bringen enorm etwas für die Kondition. Und natürlich auch für die Herzfrequenz. Beim Laufen bin ich jetzt deutlich länger bei 160bpm, sonst war es echt teilweise so, dass sich Dauerläufe kaum mehr von Tempoläufen unterschieden weil die dann teilweise bis knapp über 180 gingen. Aber ich glaube ja sowieso, dass ich ein Hochpulser bin – aber einer mit extrem niedrigen Ruhepuls (39). Kann sowas überhaupt zusammen passen? Wie ist das bei euch?

Die letzte Woche habe ich das mit dem Laufen eher sein gelassen, zumindest bis zum Sonntag, damit sich endlich mal Hüfte und Co. beruhigen. Fühlte sich aber auch nicht viel besser an muss ich sagen. Samstag wurde dann nochmal pausiert, denn Sonntag stand mal wieder etwas großes vor der Tür: 72km und 1600HM quer durch den Taunus. Solche Zahlen verschaffen sich zunächst Respekt. Und allein wegen dieser Tatsache fragt man sich dann, was man zu frühen Uhrzeiten essen sollte, um so eine Strecke zu bewältigen.

Ich muss sagen, ich war diesmal mutig. Einen halben Liter Tee, ein halber Liter Wasser und das 3K Protein mit 300ml Milch. Eigentlich sollte man meinen man bräuchte KH davor. Da wir am Abend vorher Salatparty gemacht hatten und uns eine Pizza teilten, hatte ich die KH aber schon gespeichert. Und was soll ich sagen es funktioniert wunderbar (für mich). Es gab dann auch keinen Einbruch während der Fahrt. Werde das nochmal testen. Allgemein waren wir alle gut drauf, körperlich und mental.

Wir trafen uns um halb 9 auf dem Parkplatz an der Hohemark, fuhren auf Wegen und Trails über die Saalburg, dann wurde es sehr lange sehr flach und abschüssig und auch asphaltiert, sodass ich Angst hatte, dass uns irgendwann die Höhenmeter nur so überfallen würden. Zwischendurch konnten die anderen beiden noch eine suizidale Maus beobachten die genau zwischen meinem Vorder- und Hinterrad quer über den Weg huschte. Glück gehabt Mausilein.

20150524121705Das sind dann die Strecken bei denen man sich anfängt zu überschätzen und sich das was kommt ähnlich locker vorstellt. Über viele Feld- und Radwege, sowie Straßen hinweg, kamen wir dann irgendwann doch etwas umständlich über einen kleinen Wurzeltrail in den Wald. Aber auch das war nur von kurzer Dauer. Über Feldwege kamen wir langsam in den Genuss des Ausblicks auf Wald und einige Berge. Und genau dort mussten wir auch hin. Zum Pferdskopf. Die Tour sollte 3 Berge beinhalten, also bis zum Pferdskopf zumindest. Also steuerten wir lustig darauf zu. Die ersten Hügelchen waren ganz nett, man unterhielt sich noch, konnte immer mal wieder kurz Luft holen. Meine Beine waren auch richtig gut.

Christian wie immer am Anfang vorne weg, später legte dann auch Gunnar einen Zahn zu, aber ich konnte glücklicherweise auch gut mithalten, außer mein Freund der Schotter setzte mir wieder komische Gedanken ins Hirn, dann musste ich wieder etwas aufholen. Je näher der Pferdeberg rückte, desto fieser wurden die Steigungen. Irgendwann glichen sie der Unendlichkeit. Auf den Lenker hängen und treten, egal wie. Weiter und immer weiter. Irgendwann wird es wieder flach. Irgendwann trat dann auch irgendwann tatsächlich ein.

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Etwas abgekämpft, aber mit Endorphinen vollgepumpt. Wir ließen uns auf Bänken nieder, vernichteten Riegel und füllten den Wasserhaushalt nach und beobachteten den dazugehörigen Turm. So richtig Hunger hatte ich da noch immer nicht gehabt, aber ich wollte nicht warten bis alles zu spät ist.

Immer wieder schickten wir einen verschleierten Blick Richtung der Treppen zum Turm, bis Gunnar und ich dann doch aufsprangen und noch einen halben Stairrun auf das 34m Pferdchen hinlegten. Da ich meinen Scharfsinn unten vergessen hatte, lag dort natürlich auch mein Handy, mit dem ich hätte Bilder machen können. Gunnar war schlauer und hat mir die Bilder sogar geschickt, sodass ihr doch noch sehen könnt, wo wir uns befanden. In der Ferne konnte man den Feldberg in Miniaturausgabe sehen: „Daaa müssen wir heute auch noch hin“. (Schluck)

Wieder unten stand Christian schon in den Startlöchern, ich glaube ihm war einfach kalt? 😀 Also sofort weiter. Natürlich immer schön hoch über Waldwege und dann kamen wieder kleinere Trails bis wir auf die freie Straße kamen, auf der sich jeder Rennradfahrer wahrscheinlich wohler gefühlt hätte. Wir waren irgendwo Richtung Schmitten unterwegs. Die Sonne zeigte sich ein wenig, ich sah ein paar Kälbchen und sehr viele Schafe. Einmal erwischte ich mich dabei mit einem Schaf tauschen zu wollen. Wie es da so friedlich unangestrengt stand und Wiesenkräuter kaute… Nein ich habe das Mäh natürlich nicht auf Mojo gesetzt und mich in die Wiese gestellt. Wir sind schön brav weiter gefahren, solange bis die Tour uns genug geschunden hatte und es wieder durch Dörfer auch mal abwärts ging ehe wir wieder im Wald verschwanden und uns an die wirklichen Taunustrails machten. Die Richtung Feldberg natürlich. Manchmal mussten wir plötzlich direkt irgendwo einbiegen und es wurde oft so steil, dass man hätte Schallgeschwindigkeits-Schalten trainieren müssen.

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Nunja, aus Zucker sind wir ja alle nicht. Und so landeten wir anfangs auch noch an einer richtig schönen „Almwiese“, die aber mit den Bikes durchquert werden wollte. Denn der Garmin Pfeil hat immer noch die Macht uns zu sagen wo es langgeht. Erst war es schön. Dann schön holprig. Dann machte es auch noch Spaß. Und dann musste ich sogar anhalten, weil es schöner nicht mehr wurde. Ich ließ die zwei weiter (durch das Bild) fahren und knipste wild um mich. Einige Bäume blühten, die Wiese hatte tausend kleine lila Blüten und stellenweise auch gelbe. Am Ende der Wiese kam dann ein Hang. Keine Angst, nicht DER Hang. Die anderen beiden waren schon so gut wie oben. Christian kann klettern wie ein Hirsch und ich denke immer ich bin total das Mädchen – und blieb prompt erstmal im Sauerampfer stecken. Je steiler desto mehr Brennesseln und als sich dann noch eine riesen Klettenpflanze um mein Bein legte und meine Hüfte mir mitteilte:“Nä das möchte ich nicht“, wuchtete ich Mojo immer noch Zentimeter für Zentimeter nach oben. Als das Schlimmste geschafft war, eilte Christian mir zu Hilfe und ich konnte nicht anders, als das zu kommentieren 😀

Dann wurde alles besser. Schöne Trails, nicht zu steil, Wurzeln finde ich generell auch nicht so verkehrt und schon macht das Fahren Spaß. Hoch quälten wir uns dann alle noch einmal so richtig über einen etwas breiteren Wurzel-Stein-Trail, auf dem Gunnar uns wie eine Aufziehmaus abzog. Ich rutschte ein paar Mal von den Pedalen, beendete diesen Teil jedoch mal nicht als Letzte 😛

20150524121719Und dann war da noch der Feldberg. Der ist ja eigentlich schon länger nicht mehr so schlimm. Er wirkt nur äußerst bedrohlich, wenn Garmin schon 60km anzeigt. Der letzte Anstieg war zum Sterben. Da fing sogar an mein unterer Rücken zu streiken und ach was waren die Beine schwer. Von Gunnar wieder keine Spur, der war wahrscheinlich schon oben und atmete uns den Sauerstoff weg. Dann war das Trio wieder zusammen. Kurze Pause und wieder runter.

Um den ganzen noch die Krone aufzusetzen, fuhren wir die Trails zur Hohemark herunter. Ich fühlte mich schon leicht verstrahlt und unkonzentriert. Und wenn ich unkonzentriert bin, dann passieren Fehler und das möchte ich beim Biken tunlichst vermeiden. Also bin ich noch ein bisschen häufiger abgestiegen und habe auf mich warten lassen, auch wenn das immer ein Punkt ist der mich sehr fuchst.

Auf jeden Fall war das eine gute Tour, wenn auch mehr Straße und ich bin mir sicher wir hätten auch gut und gerne die 80k knacken können. Ich fühlte mich weitaus weniger erschlagen als die Woche zuvor.

Mein Forerunner bescheißt mich seit Update 3.30 auch nicht mehr um Höhen- und Kilometer, sodass ich exakt 72,77km, 1602HM und 4:59h gebraucht hatte bis ich wieder vor meiner Haustür stand 🙂

Die Trainingswoche ging straff weiter, mehr dazu dann im nächsten Beitrag – wenn ihr mögt.

— Jamie

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6 Gedanken zu “Short & The longest Journey

  1. Wir mögen 😉

    Mein Puls verhält sich wie deiner. Ähnlicher Ruhepuls und beim Laufen dann immer eine durchschnittliche Frequenz von 155 bpm bis eben hoch zu knapp 180 bpm. Aber ich fühle mich meistens wohl dabei

    1. 🙂
      Gut zu wissen. Ich denke ja eigentlich auch, dass das sehr verschieden sein kann. Ich bin auch durchaus noch in der Lage mich bei so einer Frequenz zu unterhalten. Manchmal fühlt es sich auch viel unanstrengender an, ist dann aber noch einen Tick höher als ich das dachte. Habe sonst nie mit bpm Messung trainiert, sondern wirklich nur nach Gefühl..

  2. Mach doch mal eine Leistungsdiagnostik. Dann hast Du Gewissheit. 🙂
    Ansonsten: Super Tour! Da wird man ja direkt neidisch auf MBT-Fahrer. 😉

    1. Das wollte ich in der Tat schon lange mal getan haben – nur möchte ich noch abwarten bis ich wieder richtig schmerzfrei bin, sonst hat die Diagnostik ja wenig Aussagekraft, wenn ich abbrechen muss aufgrund der Schmerzen und nicht weil die Kondition an ihre Grenzen stößt…

      Danke dir – wie gesagt, es ist nie zu spät für ein MTB 🙂

      1. 🙂
        Da hast Du Recht. Allerdings kannst Du als erfahrene Bikerin natürlich auch aufs Fahrrad als aufs Laufband für die Diagnostik. Dann kannst Du fürs Laufen einfach ein paar Schläge draufrechnen und gut.
        Aber klar. Immer besser, man fühlt sich fit bei so was.

      2. Mh ja schon. Nur wenn würde ich das gerne primär fürs Laufen machen… Zumal ich finde, dass das auf dem Ergometer belastungsmäßig nochmal eine andere Kiste ist, wie wenn ich die Steigung und den wechselnden Untergrund auf echtem Terrain erlebe, das würde das Ergebnis wahrscheinlich nur verfälschen 🙂

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