Zwischen Hadern, Laufen und Biken

Seit Sonntag ist alles nur noch so mäßig. Vielleicht ist es normal, dass man Hochphasen hat und es dann wieder beschwerlicher läuft. Ein Dämpfer für das Gemüt ist es dennoch. Man glaubt man würde nie wieder besser. Sich da ausreichend selbst zu motivieren ist nicht immer so einfach.

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Am Sonntag war eine Tour durch den Odenwald geplant. Genauer gesagt war der Startpunkt in Heppenheim an der Bergstraße. Wir trafen uns um 8.45h dort. Ich hatte noch 15 Minuten herausgeschlagen, denn zu diesem Zeitpunkt befand ich mich in einem größeren Schlafdefizit, welches nicht zuletzt durch meine frühmorgendlichen Trainings verursacht wurde. Das hieß ich fuhr um 8h los und gönnte meinem Auto noch eine Tankfüllung. Ich selbst füllte meine Speicher nur mit einem Proteinshake. Und das sollte sich noch rächen.

Mojo, passte wie immer, gerade so in meinen Beetle. Mittlerweile geht das Einladen deutlich schneller. Da ich zumindest auf der Autobahn das Bedürfnis nach ordentlich Speed hatte, war ich fast zehn Minuten zu früh am Treffpunkt. Und es war zu diesem Zeitpunkt schon deutlich warm, allein schon deshalb, weil sich der Boden über die Tage so aufheizen konnte. Alexander und Christian schlugen auch pünktlich auf, sodass wir direkt losfahren konnten. Sofort kam ein erster knackiger Anstieg und mir schwante schon wieder Böses. So richtig wach war ich auch noch nicht und ich spürte bereits, dass es mit meiner Konzentration nicht so weit her war.

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Meine Beine waren fit, aber mein Kopf war es einfach nicht. Wir wurschtelten uns durch die Ränder der Weinberge mit unglaublichem Weitblick und verschwanden im Wald. Alexander schoss fleißig Bilder, damit wir Gunnar alles brühwarm aufs Butterbrot schmieren konnten.

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Ich war zwar nicht allzu langsam, aber die anderen eben einen Tick schneller. Und das macht sich auf lange Sicht bemerkbar. Bis zur Mitte konnte ich noch an Alex dranbleiben, sodass Christian das Schlusslicht bildete, zum Ende hin drehte sich dann der Spieß um. Insgesamt war die Tour auch weniger Trail-lastig. Was mir hätte eigentlich entgegen kommen müssen. Eigentlich. Ich war aber so neben der Spur, dass ich anfing Panik auf abschüssigem Schotter zu schieben. Dazu kam, dass meine Bremsen so gut wie keinen Druckpunkt mehr haben und erst im letzten Moment völlig blockieren. Und dann kommt das Hinterrad herum gewedelt… Unschön. Die Wege verschwammen vor meinem Auge und ich konnte weder die Wegbeschaffenheit ausmachen, noch feststellen wie steil es tatsächlich war. Es war ein Alptraum. Der irgendwie nicht mehr zu enden schien. So unsicher habe ich mich selten gefühlt. Ich kann mir auch nie erklären wovon das überhaupt abhängig ist.

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Wir erklommen einen Turm und machten kurz halt, um das Panorama aufzusaugen. Fünf Kilometer später hatte Alex einen Platten. Wir waren eigentlich gerade dabei ein Dorf zu durchqueren, um zum nächsten Wald zu gelangen. Ich vernichtete den ersten Riegel und im Haus gegenüber verfolgte eine Omi unser Spektakel. Endlich mal was los in der Straße! Wir hatten jedoch erst 23 Kilometer hinter uns. 56 sollten es werden, inklusive 1500HM. Als das Hinterrad zum zweiten Mal ausgebaut werden musste, weil der „neue“ Schlauch auch schon mal geflickt worden war und nun irgendwie auch undicht, schienen wir die Frau am Fenster zu langweilen. Fast eine halbe Stunde später schwangen wir uns wieder in den Sattel und die nächsten Anstiege warteten nicht. Der zweite Schlauch hielt wohl was er versprach.

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Kurz vor dem Wald fuhr Alex beim Ausweichen noch in zu einem Zaun gespannten Strohkordeln – er hatte sie einfach nicht gesehen, fing sich aber noch 😀 Ab da kam nur noch loser Schotter. Schotter im Feld, Schotter im Wald. Bergauf, bergab. Achja und Wiesen. Die waren besser. Ich wollte nur noch ankommen. Hatte jegliches Gefühl für Kilometer und Höhenmeter verloren. Meine Herzfrequenz war zwar echt alles andere als überlastet, aber irgendwie lief es einfach nicht. Mein Kreislauf fing an zu spinnen, obwohl die Temperaturen ganz angenehm waren und wir uns auf moderaten Anstiegen im schattigen Wald befanden. Es kam soweit, dass ich glaubte ich kippe gleich vom Bike. Auch das ständige Trinken rettete nichts. Eine halbe Stunde später schien jede Energie durch meine Beine zu entweichen. Am liebsten hätte ich mich einfach irgendwo unter einen Baum gelegt und auf den frühzeitigen Tod gewartet.

Noch 500HM. Verdammter Mist. Zumindest hatte sich der Schwindel wieder etwas gelegt. Ein paar Wurzeltrails. Ein paar Straßen, Wald und wieder Schotter. Und ich einfach nur total verkrampft. Immer noch. So schön die Tour auch war (und das war sie wirklich!) – so sehr freute ich mich auf das rettende Auto. Es fühlte sich an, als wären keine Bremsen vorhanden. Vertrauen gleich Null.

700 Meter vor dem Auto, hatte Alex erneut einen Platten und durfte schieben. Notiz an mich selbst: einen Schlauch kaufen und immer mitführen. Am Sonntag werden übrigens meine Bremsen entlüftet. Mal sehen ob es etwas bringt.

Die Tour war an sich eigentlich eher regenerativ. Es ging hoch und runter und so richtig richtig mies war es eigentlich fast nie. Es fühlte sich nur im Kopf nicht so an, das war alles. Schade. Ich hoffte auf Besserung.

Am Abend dann nochmal mit Bounty (Hund meiner Mum und für eine Woche bei uns und im Büro) 10km ins Feld geradelt. Das reichte mir vollkommen – dem Hund übrigens auch 😛

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Am vorigen Freitag Abend besuchte ich das Fitnessstudio und stellte mich direkt aufs Laufband. Und fand heraus, dass wenn ich es exakt auf 11.7km/h einstellte, ich 10km durchhielt und der komische Oberschenkelschmerz direkt mal zu ertragen war. Den letzten Kilometer lief ich mit 5 Prozent Steigung und war danach echt mal wieder läuferisch glücklich. Das Krafttraining im Anschluss gestaltete sich als sehr hart – vor allem das Bauchtraining verursachte bei mir einen so fiesen Muskelkater, dass ich noch fünf Tage später davon zehrte.

Die ganze Quälerei lohnt sich aber meiner Meinung nach. Langsam aber sicher erreiche ich mehr Definition und konnte darüber hinaus KFA und Gewicht noch weiter senken, ohne Muskelmasse zu verlieren. Was für mich eigentlich bislang nur schwer möglich war, da mein Körper dank Unterfunktion und meiner Vergangenheit ein kleines Arschloch ist. Im Prinzip esse ich soviel ich will (aber nicht unbedingt immer was ich will 😉 ) und auch etwas mehr. Dadurch läuft der Stoffwechsel schön rund und die harten Biketouren gleichen ansonsten alles wieder aus. Auch morgens nüchtern zu fahren, scheint dem Fettstoffwechsel gut zu tun.

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Diesen Montag dann immer noch mit Muskelkater gekämpft – ich konnte kaum anständig trainieren. Dafür war es dann danach schlagartig wieder gut. Aus Trotz bin ich dann noch 6km mit 5:00 gelaufen und habe am Ende wieder eine Steigung eingebaut – Anstieg und wieder Abstieg sozusagen. Die Schmerzen waren natürlich sofort wieder da. Ist scheinbar noch immer zu „schnell“. Auch wenn mir meine Kondition momentan etwas anderes flüstert. Muss mich da echt irgendwie mal zusammenreißen, sonst bin ich im Winter noch nicht wieder fit…

Dienstag Ruhetag.

Mittwoch um kurz vor 6h schnell über den Stoppomat. So richtig frisch war ich jedoch nicht, erst zum Ende lief es etwas besser. Im dicken Nebel und im Pulli kam ich oben an. Es war richtig kalt. 52 Minuten. Einfach immer noch nicht so gut drauf. Dann schnell ins Büro und am Abend schnell nach Hause, denn ich hatte noch eine Einheit vor mir und war mit Peter und seinem E-Bike verabredet. Wir fuhren über die Saalburg und eigentlich wollte ich alles langsamer angehen lassen, denn ich dachte ich wäre schon wieder total ausgelutscht.

Aus langsam wurde schnell und schneller. Kurz vorm Sandplacken stellte ich dann fest, dass ich immer noch im dicken Gang fuhr und wir uns mit durchschnittlichen 14km/h nach oben schraubten. Keine Ahnung wo das herkam, aber es freute mich. Vor allem hätte ich niemals geglaubt, dass der Tag kommen würde, an dem ich einem E-Bike im Eco-Modus davon fuhr. Dieser Tag war jedoch gestern. Es kam sogar soweit, dass wir eine Pause machen mussten – aber nicht wegen meiner Wenigkeit 😀 Auch den letzten Anstieg kam ich locker hoch. Oben gleisendes Abendlicht, welches durch die Wolken brach und eine surreale Stimmung schuf.

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Am Ende des Tages hatte ich insgesamt 1500HM und 67km in den Beinen und mir ging es top. Manchmal muss man eben noch einen draufsetzen, wenn man denkt man ist nicht mehr so gut gestellt… Auch heute geht es mir richtig gut und ich fühle mich stärker. Nur mein Bein zwickt und ich hoffe für heute Abend einfach nur das Beste.

Zu guter letzt noch ein Bild, nach ca. 50km und 40 Grad im Schatten, vom Bikemarathon des im Gebüsch liegenden Fotografen 😀

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— Jamie

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4 Gedanken zu “Zwischen Hadern, Laufen und Biken

  1. So n Bauch hätte ich auch gerne. Aber was ich esse sieht man deutlich 😀
    Ansonsten tapfer durchs Tal gekämpft und deine persönlichen Höhenmeter wieder nach oben gekämpft!

    1. Das nehme ich doch mal als Kompliment 😀 Bzw sahst du mir zumindest auf den Bildern nicht so danach aus, dass man wirklich sieht was du so isst – aber man selbst ist sich der größte Kritiker… 😉
      Mal schauen was die Woche noch so bringt, wie es Hitzemäßig wird und wie die Form am Samstag aussieht 😐

      1. BMI ist doch Banane. Ich gehe mal davon aus, dass du auch Muskeln hast? Dem BMI zufolge wären wahrscheinlich alle Bodybuilder übergewichtig. Ich glaube der gesunde Menschenverstand und der KFA, Maßband und das eigene Spiegelbild sagen da um einiges mehr 😉

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