Bericht aus der Versenkung

Länger nicht geschrieben. Einfach zu viel zu tun. Denn: das Sommerloch ist sowas von vorbei. Ich weiß nicht mehr was ich zuerst machen soll auf der Arbeit. Laufen und Biken baue ich irgendwie so drum herum und Dinge wie den Blog pflegen, fallen dann erstmal weg. Glücklicherweise gelingt es mir immer mal wieder den Kopf kurz über Wasser zu heben und mich etwas freizuschaufeln. Auch, wenn das erst nach zwei Wochen passiert.

Nach dem grandiosen Mittwoch, bin ich den vorletzten Freitag nochmal schnell morgens über die Stoppomat-Strecke gefahren. Mit dem Ergebnis, dass ich wieder etwas langsamer wurde. Meine Bestzeit von 50:13min habe ich also noch nicht überbieten können. Aber irgendwann passiert vielleicht auch das.

Diesmal hatte ich keinen Ruhetag zwischen der großen MTB Tour am Wochenende, da wir samstags anstatt sonntags fuhren. Ich merke gerade wie meine Erinnerungen daran anfangen zu schwinden – Kopf wie ein Sieb 😀

Kurze Zusammenfassung der Tour, die meinem Gedächtnisschwund in meinem jungen Alter noch nicht zum Opfer gefallen ist: geplant waren mindestens 1500 Höhenmeter, die genaue Kilometerzahl vergaß ich bereits vor und während der Tour zu erfragen. War ja aber auch egal. Wichtig war nur, wieder rechtzeitig zu Hause anzukommen, denn ich wollte am Nachmittag noch mit meinem Vater meine Bremsen begutachten, denn irgendetwas stimmte da noch immer nicht.

Wir fuhren mit fünf Mann los und wählten zunächst den direkten Weg auf den Feldberg, bevor wir uns Richtung Pferdskopf machten und den neu gebauten Trail herunter fuhren (der übrigens weitaus weniger schlimm war, als ich erwartet hatte). Abhärtung ist eben (fast) alles. Es war eine sehr abwechslungsreiche Strecke – von bekannten Wegen ging es über Wanderwege, Trampelpfade und neue Trails immer tiefer in den Wald. Das Wetter hielt sich auch tapfer und die Temperaturen waren endlich mal angenehm, teilweise sogar recht frisch.

Natürlich gibt es kein Biken ohne Irrungen und Wirrung dank Christians Garmin:
„Hier muss ein Trail sein..genau hier!“
Links und rechts ein Brennesselfeld und nicht der Ansatz eines Trails. Betretenes Schweigen. Christian wuchtete sein Bike bereits durch die Brennesselwand.
„Nicht dein Ernst.“
Aber alle folgten ohne weitere Nachfrage. Eigentlich lachten wir nur noch. Das war mal wieder so typisch. Trotzdem war ich von der Sache noch nicht so überzeugt, vor allem nicht mit nackten Beinen.
Als ich Christian dann rufen hörte: „Hier ist der Trail!“, musste ich erst recht brav durch das beißende Gestrüpp. Augen auf, Zähne zusammen und durch.

Leider blieb das nicht die einzige Erfahrung. Wir wussten auch nicht wie alt die GPS Daten unserer Route schon waren. Fast jeder Trail begann mit diesen Feuerbüschen. Entweder im Wald oder im Dorf, natürlich in einer Sackgasse. Manchmal standen wir auch vor einem Maschendrahtzaun und ich sah wie es in Christians Hirn arbeitete. Hätten wir einen Seitenschneider gehabt, er hätte ihn benutzt.

Dann immer schön parallel zu einem Waldweg, kämpften wir uns durch dickes Laub über steile Pfade, bis wir zu einem kleinen Bach kamen über dem ein schmales Brett lag. Ich traute mich dann doch nicht darüber zu fahren und lief leicht seitwärts mit Mojo über das, was scheinbar eine Brücke darstellen sollte. Danach ging es wieder hoch und runter, teilweise direkt am Steilhang immer munter weiter, bis wir tatsächlich auf dem parallel laufenden Waldweg wieder herauskamen. Alles andere wäre zu langweilig gewesen, das sehe ich schon ein.

Ein paar Flowtrails stimmten mich wieder gütiger. Und irgendwann verpasste ich irgendwo den sensationellen Sturz von Stefan und später wohl auch den von Alex. Der eine landete direkt im Busch (die Ausgangssituation sah ich wenigstens noch) und der andere fuhr mit dem Vorderrad bei einer Abfahrt direkt in eine tiefe Kuhle und flog mit ausgebreiteten Armen Richtung Grund. Wäre ich das gewesen, hätte ich mir wahrscheinlich wieder irgendetwas wichtiges gebrochen.

Meine Bremsen waren laut und machten keinen Spaß. Super hinderlich. Und super sicher. Wie immer.

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Wir erklommen den Pferdskopf und dieser kam mir weit weniger gemein vor als bei einer Tour die schon wieder weiter zurück lag. Stefan fand die Anstiege weniger lustig und wir legten oben am Turm eine Pause ein, erklommen diesen dann noch und diesmal machte ich auch ein paar Bilder.

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Es ging wieder ein Stück herunter und dann wieder Richtung Feldberg. Diesmal irgendwie auf ganz anderen Pfaden hinauf. Das merkten spätestens dann alle, als wir vor einer extrem steilen Wiese standen, die steiler war als jeder andere Zugang zum Feldberg. Vielleicht eine Skipiste? Ich wusste es nicht. Ich hörte auf den Horizont anzustarren und konzentrierte mich auf das Hier und Jetzt. Immer in Bewegung bleiben, treten. Ich hängte mich an Gunnar. Alex war auch in der Nähe. Stefan und Christian ließ ich hinter mir. Wir schafften das erste Teilstück im leichtesten Gang der noch übrig war. Dann kam ein halber Meter Ebene, da hätte man auch noch links oder rechts abbiegen können. Aber wir wollten ja hoch.

Ich drehte mich um und sah die zwei schon schieben. Ich holte von rechts ein wenig Schwung und versuchte mich am schlimmsten Teilstück. Eigentlich sah ich mich auch schon schieben, aber irgendwie passierte es nicht. Ich konnte plötzlich nochmal Kräfte mobilisieren, die ich mir bei dem Anblick zuvor gar nicht zugetraut hätte. Vor mir war Alex und fluchte vor sich hin. Alles was ich noch wollte war: nicht abrutschen. Auf 25%, oder mehr, Steigung. Auf den letzten 10 Metern kam Alex dann sein Vorderrad entgegen und er ging von den Pedalen, bremste mich somit aus. Ich war zu dicht und konnte nicht ausweichen. Dennoch weiß ich sicher, dass ich diese letzten 10 Meter noch gepackt hätte. Mit aller Kraft auf dem Lenker. Das reicht.
„Ich dachte du schiebst schon!“
Tja, falsch gedacht 😉

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Danach wählten wir für den allerletzten Anstieg moderatere Wege. Ich musste erstmal atmen und trat zunächst nur langsam weiter. Nach dem Feldberg ging es natürlich mal wieder auf den Altkönig, Höhenmeter sammeln. Der ging noch ganz gut. Nur Stefan fing schon mit dem Krampfen an. Auf halber Strecke warteten wir…etwas länger. Gemeinsam ging es dann nach oben. Und über den tollen Geröll-Trail wieder runter. Trails die ich nur teilweise mag. Irgendwann kam es dann wieder soweit, dass ich schieben musste. Ich traf auf eine andere Frau die plötzlich auch Angst bekam und irgendwann auch abstieg und sich dann bei Teil zwei eng an die Fersen ihres Mitfahrers heftete, der betont langsam fuhr, um sie heil runterzubringen. Ich jedoch hatte irgendwie weder Kraft noch Konzentration dazu. Warum auch sooft das Schlimmste zum Schluss? :/ Dann bog ich an einer Stelle auch noch falsch ab und fuhr einen kleinen Umweg.

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Irgendwann war aber auch das abgehakt. Wir befanden uns wieder auf Hohemarktrails und ich dachte wir hätten es bald geschafft. Hatten wir ja auch. Eigentlich. Ich weiß nicht genau was mit mir los war, aber meine Orientierung ließ zu wünschen übrig. Irgendwie wollten alle nur noch ankommen und so kam es, dass ich ein zweites Mal den Abzweig verpasste und mich so richtig in die Taunus-Suppe ritt. Es kam so weit, dass ich auf völlig anderen Trails und einem Umweg mit noch mehr Höhenmetern, verspätet, aus völlig anderer Richtung zur Hohemark kam. Gunnar wartete auf mich, die anderen mussten mit der Bahn wieder zurück fahren. Kein Ding.

Letzten Endes hieß das dann für mich: 1600HM und 60 abwechslungsreiche Kilometer. Man war ich fertig. Aber manchmal ist es die Art der Wege die einen so fertig macht.

Später bastelte ich mit meinem Vater noch über drei Stunden an Mojo herum. Ich hatte extra ein Entlüftungs-Kit gekauft. Der Druckpunkt sei aber noch da, also kam das Kit nicht zum Einsatz. Stattdessen waren die Bremsbeläge total runter. Schon wieder? Nach nur 3 Wochen!? Vielleicht alles eine Sache der Einstellung. So konnte ich auf keinen Fall fahren, es mussten neue Bremsbeläge her. Wir versuchten die Bremse richtig einzustellen, was aber nicht perfekt funktionierte. Irgendwo war immer noch ein leises Schleifgeräusch zu vernehmen. Ich sage euch eins: kauft euch niemals – NIEMALS – eine Avid Elixir (7). Nie. Wir kamen zu der Erkenntnis, dass das Rad nur frei lief, wenn es ein Schleifgeräusch gab. Gab es keines, lief es schwerfällig. Dann zogen wir die Hebel noch etwas fester und grillten anschließend bis spät in die Nacht Forellen und Burger 😀

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Sonntag Ruhetag und ich bestellte zur Abwechslung mal Bremsbeläge von Kool Stop.

Montag Studio und Laufband: 5km in 26min mit 2km Steigung von 1-6% in 0.5er Schritten, alle 50 Meter. Danach mal wieder das komplette Programm durchgezogen, von Hantelbank über Liegestütze bis zu den fiesen Bauchübungen mit Latzug und anderen netten Gewichten.

Am Dienstag waren dann die neuen Beläge da und ich machte mich an deren Einbau. Bis ich feststellte, dass trotz Zurückdrücken der Kolben, die Scheibe einfach nicht mehr dazwischen passte. So überhaupt nicht. Ich dachte jetzt wäre ich vollkommen bescheuert. Es waren aber weder die falschen Beläge, noch lag es an mir. Nach Rücksprache mit meinem Vater und einer Google-Befragung waren wir uns einig, dass Mojo definitiv entlüftet werden musste. Also doch! Bis dahin sollte ich gar nicht mehr damit fahren, denn es könnte passieren, dass die Bremsen einfach versagen. Und genau dieses Gefühl hatte ich eigentlich schon immer gehabt. Manchmal sind diese tiefen Urinstinkte eben doch näher an der Wahrheit als man denkt…

Also die restliche Woche im Studio verbracht und festgestellt, dass das Laufen immer schmerzfreier wird. Einen Tempolauf morgens im Feld eingebaut und den Tag drauf 8km mit Steigung (41min) auf dem Laufband abgespult.

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Wahnsinns-Lichter morgens um kurz vor 6
Wahnsinns-Lichter morgens um kurz vor 6

Das bereits zurück geschickte Entlüftungs-Kit erneut bestellt und noch zwei Beläge, die Bremsflüssigkeit im Radladen geholt und wieder zu meinem Vater gefahren. Was dann folgte war eine stundenlange Bastel-Session. Und noch einmal: sagt immer nein zu Avid Elixir. Immer. Bitte.

Das Entlüften dieses Bremssystems grenzte an den Wahnsinn. Ständig passte irgendetwas nicht, immer wieder konnte kein Druck aufgebaut, ständig kam doch noch irgendwo Luft raus. Das war eine solche Aktion, die man hätte niemals alleine durchführen können. Die Bremsflüssigkeit war so ätzend, dass unsere Hände taube Stellen bekamen. Nach über 4 Stunden und einem Abendessen hatten wir dann endlich einen ordentlichen Druckpunkt. Mojo hatte noch nie so gut gebremst. Noch nie.

Nichts desto trotz wird es bald eine neue Bremse geben: eine XT von Shimano. Damit all diese Unannehmlichkeiten bald vergessen sind.

Am Samstag fuhr ich dann zu Testzwecken direkt auf den Feldberg – in Regen und Sturm. Alles egal. Ich musste mich jedoch erst einmal daran gewöhnen so einen Zug auf den Hebeln zu haben. Dank des schwimmenden Untergrunds war ich mir nicht so sicher was ich vom neuen Druckpunkt halten sollte.

After rain..forever alone.
After rain..forever alone.

Am Sonntag Morgen um 8h – Treffpunkt Hohemark mit Gunnar und Alex. Christian aalte sich am Strand und Stefan machte wieder Party. Auch gut. Um 12h mussten wir wieder am Ausgangspunkt sein, denn ich hatte noch ein großes Familientreffen vor mir. Geplant waren an die 3 Mal Feldberg.

Leider steckte Alex an der Bahn fest, denn sie kam einfach nicht. Also fuhren wir schon mal hoch. Gemäßigt. Und drehten am Fuchstanz wieder um und sammelten Alex ein, der mittlerweile dann doch die Hohemark erreicht hatte. Ich fühlte mich eigentlich gut, aber meine Beine hielten mit den anderen beiden irgendwie nicht mit. Jetzt fahre ich mit einem 140er Puls die Anstiege hoch und meine Beine kommen nicht hinterher. Nicht zum Aushalten. Da muss unbedingt noch irgendwie Power aufgebaut werden…

Auf dem Feldberg angekommen, hatte ich die Chance meine Bremse auf der Abfahrt über die Elisabethenschneise ausgiebig zu testen. Ich fuhr diese schon besser und es bremste sich auch langsam alles ein. Etwas Vertrauen kehrte zurück.

An der Hohemark hieß es dann noch einmal: hoch! Diesmal mit Stoppomat-Zeitmessung. Mal gucken was überhaupt noch zu holen war. Jeder probierte was ging. Und dann war Alex weg. Und Gunnar auch. Meine Beine schrien mich an. Sie wollten aufgeben. Ich aber nicht. Es war ein Kampf zwischen Kopf, Kreislauf und Beinen. Den ich dann mit einem Zeitunterschied von 10 Minuten gewann. Die anderen beiden fuhren 47 Minuten. Die schaffe ich zur Zeit nicht mal, wenn ich gut gefrühstückt habe. Ich war vollkommen fertig, hatte etwas zu viel Körner investiert.

Wieder runter sah ich einen Kinderwagen auf dem neugebauten Trail stehen. Jedoch ohne Inhalt. Komisch war es dennoch. Gunnar traf auf Freunde die gerade hochfuhren und schloss sich ihnen nochmals an. Alex und ich fuhren alleine zur Hohemark. Und ich traute mich endlich mal wieder es laufen zu lassen, da die Bremse hielt was sie versprach. 1700HM und 60km.

Am Montag wieder Studio, Laufband (mit fiesen Schmerzen, nur 5km), kill-den-Bauch und sonstiges an Stabilitäts- und Krafttraining. Und einer neuen Erkenntnis. Meine mysteriösen Schmerzen im Bein kommen nicht vom Laufen. Sie kommen vom Biken. Wahrscheinlich vom Sattel. Diese fingen nämlich schon am Wochenende an. Natürlich werden sie beim Laufen schlimmer. Also werde ich in einen Sattel investieren. Wahrscheinlich wird es der Selle Italia SLR mit Gel. Meiner hat nämlich gar kein Gel. Der ist bretthart. Man darf gespannt sein.

...hier im vorderen Teil zu sehen: der Sattel des Grauens.
…hier im vorderen Teil zu sehen: der Sattel des Grauens.

In der Nacht von Montag auf Dienstag habe ich geschlafen..gar nicht geschlafen. Wie ich 9 Stunden Arbeit hinter mich gebracht habe ist mir immer noch ein Rätsel. Dass ich um halb 9 schlafen gegangen bin, jedoch nicht. Training fiel flach. Dafür wird heute wieder angegriffen.

— Jamie

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