Ahhh.

Besser spät als nie: während ich im letzten Blogpost noch nicht so recht wusste, was ich am Abend lauftechnisch anstellen sollte, klärte sich dies spätestens dann, als ich die Wohnungstür aufschloss. Eine Art Eingebung, der ich stillschweigend Folge leistete. Der erstmalige Versuch den Feldberg laufend zu erklimmen. Da es schon fast 19 Uhr war, beeilte ich mich dann doch etwas. Packte Thomas und Mojo ins Auto und fuhr bis zur Hohemark. Thomas sollte neben mir herfahren (oder zumindest versuchen was so ging). Wenigstens bis zum Fuchstanz wollte ich laufen. Ein merkwürdiges Gefühl mal ohne Bike unterwegs zu sein. Ich nahm die Strecke und die Umgebung gleich ganz anders wahr. Es zog sich natürlich alles etwas länger und bekannte Checkpoints wirkten irgendwie anders.

IMG_20150803_212903Meine persönliche Challenge bestand darin, auf den nicht ganz so steilen Stücken langsamer als in meiner gewohnten Pace zu laufen, da ich wusste, dass ich mich damit nur selbst ins Aus schießen würde. Zudem fing mein rechtes Bein gleich zu Anfang wieder an zu zwicken und ich bekam es wieder mit der Angst zu tun. Thomas hielt anfangs noch gut mit – zumindest bis es zum ersten richtigen Anstieg kam, so nach ca. 1,5 Kilometern. Da merkte ich dann auch erstmal so richtig wie viel komfortabler da das Bike ist. Womit wir wieder beim Thema „Laufen ist ehrlich“ (und manchmal echt hart) wären.

Irgendwie schob ich mich hinauf und pendelte zwischen einer Pace von 5:50 und 7:00. 7 – dass ich das noch erleben durfte! Selbst, wenn ich es gewollt hätte, es ging einfach nicht schneller. Der Boden schien meinem Körper so viel näher. Und es war heiß und schwül und ich schwitzte wie verrückt, sodass ich die Kühle des Waldes schon länger nicht mehr spürte. Ohne es zu merken hatte ich Thomas hinter mir gelassen. Ich hatte mein Tempo gefunden, er jedoch nicht. Ist halt auch ein bisschen hart, gleich am Anfang den Fuchstanz hochzufahren, wenn man sonst keine Berge bezwingt. Ich lief noch bis zum nächsten Schild und wartete auf meinen Wasserträger. Prompt musste ich doppelte Motivation herzaubern, um Thomas weiter den Berg raufzuschicken und auch um meine Beine willig Schritt für Schritt voranzutreiben. Nicht so einfach.

Ich versicherte, es sei für mich genau so hart. Jedes Mal stehen bleiben bedeutete, dass meine Waden die ultimative Chance erhielten, zu krampfen. Also lief ich weiter. Bis zum miesesten Anstieg, quasi kurz vor dem Fuchstanz. So mies, dass Thomas direkt unten stehen blieb und ich die letzten 50 Meter gehen musste. Gehen. Ich. Wo ich das doch gar nicht kann. Eigentlich…

Dann wurde es wieder moderater. Ich lief genau die 5km voll und drehte auf dem Absatz wieder herum und freute mich darauf, gleich bergab zu laufen. Nach zehn Metern war der Spaß vorbei und ich wünschte mir plötzlich wieder, einen Berg hochlaufen zu dürfen. Meine Oberschenkel schrien förmlich „Was soll der Scheiß hier“ und verweigerten komplett. Da stand ich nun, unfähig auch nur einen Schritt zu machen. Also hüpfte ich mal auf dem einen, mal auf dem anderen Bein, um diesen Monsterkrampf zu lösen. Ging ein paar Schritte. Rannte wieder – nur um wie ein Pferd vorm Wassergraben zu verweigern. Wie auf rohen Eiern begab ich mich zu ein paar Baumstämmen und saß erstmal da. Kein Gewicht auf den Beinen. Vielleicht war das ja was.

Und es war was. Als wäre (fast) nichts gewesen konnte ich den Rückweg wieder antreten. Gleichzeitig stellte ich fest, dass meine Laufschuhe definitiv nicht für sowas geeignet sind. So gar kein Profil. Ich schwamm quasi auf dem steilen Schotter nach unten. Sodass ich kaum unter die 5er Pace kam und manchmal genau so schnell oder langsam abwärts wie aufwärts lief. Ich begegnete noch zwei Bikern, die erst mal nach dem miesen Anstieg rasteten und sammelte Thomas wieder ein.

Auf den letzten 3 Kilometern begleitete mich dann der Schmerz am Sehnenansatz zum Oberschenkel in einer sehr sehr aufdringlichen Art und Weise. Ich wollte nur noch ankommen. Ohne den Schmerz wäre es recht locker flockig gewesen. Ab der Brücke war es nur noch etwas mehr als einen Kilometer. Der Schotter auf dem letzten Stück setzte dem Bein nochmal ordentlich zu und auf dem Asphalt sprintete ich zum Auto. Nur noch sitzen. Meine Oberschenkel fühlten sich nach 61min, 10km und 340HM schon ziemlich zerstört an. Wobei sich die 340HM nur auf 5km verteilten, nicht auf 10km. Autofahren ging noch. Nur aus dem Sitzen Aufstehen gestaltete sich die nächsten 20 Stunden noch etwas schmerzhaft. Ihr Bergläufer da draußen dürft ruhig lachen, ich bin halt nichts Gutes gewohnt 😉 Die Regeneration ging aber deutlich schneller vonstatten, als ich das zunächst vermutete.

Am Tag darauf spulte ich einen Pyramidenlauf ab: 5km von 5:00 bis 4:15. Das fühlte sich ganz gut an. Darauf folgten 50min Bauchtraining, die Hantelbank und Stabilisation.

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Am Mittwoch entschied ich mich für locker-flockiges Biken über die Saalburg auf den Feldberg: 36k, 2h, 750HM.

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Donnerstag die wohlverdiente Ruhephase. Nicht aber im Büro. Da geht es leider bis heute heiß her. Oft im wahrsten Sinne des Wortes. Und weil dem so ist und war, fuhr ich am Freitag mal wieder um 6 Uhr über die Stoppomat-Strecke auf den Feldberg. Die Höhenmeter sind die gleichen, es sind nur 6 Kilometer weniger, sodass ich etwas Zeit sparen kann. Oder könnte. Denn genau an diesem Morgen wollte meine Schaltung nicht mehr so wie ich wollte und sprang erst zwei Minuten später in die kleineren Gänge. So trat ich dann halt in dickeren Gängen oder musste das Schalten „planen“. Keine Rekordzeit. Aber das wäre wahrscheinlich sowieso nicht drin gewesen.

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Samstag hatte ich dann doch nochmal den Drang laufen zu gehen, weil ich glaubte das Gewitter am frühen Morgen hätte jegliche Hitze vertrieben. Um halb 11 lief ich also frohen Mutes meine 10k-Runde durch das Feld, während es immer schwüler wurde und zu Guter letzt die Sonne auf den Asphalt und mich herunterbrutzelte. Und zwar so sehr, dass mir das mehr als nur zusetzte. Ich war vollkommen im Eimer, hatte nichts zu trinken bei mir und wünschte mir nur eines: Schatten. Und/oder einen Bach. Oder Zumindest eine Pfütze. Eine eiskalte Cola. Die letzten 100 Meter.

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Aber nichts da. Nach 6km ging es nur noch leicht nach oben, weit und breit kein einziger Baum. Ansonsten wäre es ein guter Lauf gewesen, eigentlich sollte es ein Tempolauf sein. Aber daraus wurde nichts. Nach 5km war ich bereits überhitzt und konnte die Pace nicht mehr halten. Aus den angestrebten 46min wurden 50min. Zumindest die Schmerzen kamen kaum mehr durch. Zu Hause stand die Luft. Ich ging duschen und stellte das Wasser immer kälter, hörte aber nicht mehr auf zu schwitzen. Ein Ende war erst über eine Stunde später in Sicht.

Am Sonntag war eine MTB-Tour um 16h mit Alex und Gunnar geplant – wobei die Zeit eigentlich sehr untypisch für unsere Verhältnisse war. Ich fühlte mich relativ gut und wir kurbelten gemütlich los Richtung Feldberg. Alles schien in Ordnung, bis ich auf den letzten zwei Kilometern feststellte, dass es mir schwer fiel dran zu bleiben. Es war schon ein kleiner Kraftakt. Dazu die schwüle Luft und die lange Arbeitswoche, die noch immer an mir haftete. Mimimi halt. Die Schaltung hatten wir einen Tag zuvor wieder in Ordnung gebracht, es gab vorne neue Bremsbeläge von Kool Stop und ich montierte einen neuen Sattel, in der Hoffnung endlich die Beinschmerzen loszuwerden. Ein Selle Italia SLR Flow ist es geworden und auf den bisher 60km habe ich nichts bereut.

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Wir trafen noch auf 3 Russen die ihre Hollandräder den Anstieg vor dem Fuchstanz hochwuchteten und am Ende auf die Knie gestützt hechelnd stehenblieben und uns beim Hochkurbeln beobachteten. Das Trio sahen wir dann später beim dritten Mal hochfahren später wieder: in einem Affenzahn den Berg hinab. Einer breit grinsend vorne weg, anscheinend mit Bremsversagen. Die anderen beiden hinterher – vielleicht wollten sie ihn noch abfangen?

Es war sowieso der Tag der wiederholten Begegnung. Ein paar Downhiller sahen wir immer wieder, wovon zwei die Anstiege stets bejammerten. Ich glaube sie waren erst oben als wir auf der dritten Runde waren 😀

Bereut habe ich nur meine Verfassung an diesem Abend. Beim zweiten Mal hochkurbeln verlor ich fast den Spaß. Beim Runterfahren ebenfalls – ich hatte kein Gefühl mehr, keine Konzentration und glaubte an den plötzlichen Kontrollverlust. Keine Ahnung wieso. Als ich glaubte das war es für heute, fuhren wir noch weiter. Meine Speicher waren leer, meine Trinkblase ebenfalls. Mein Geist war müde und meine Beine auch. Über andere Anstiege nochmal den Fuchstanz hoch und dann „mal schauen“. Alex fand 5 Euro auf dem Weg und seitdem haben wir so etwas wie eine „Biker-Kasse“ 😀

Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichten wir den Fuchstanz – ich war total im Eimer. Nur noch runter, bitte schnell… 57km, 1630HM und 4 Stunden später hieß es endlich duschen, essen, schlafen. Und mir graute es schon vor der neuen Woche.

Im Büro ist Projektmäßig die Hölle los. Und ich war für den Stress eigentlich viel zu müde. Ich beschloss den Montag einen Ruhetag einzulegen.

Gestern schleppte ich mich bei 30 Grad abends noch ins Studio. Nur ein bisschen laufen und sich eine Stunde beim Krafttraining verausgaben. Dank Ventilatoren war es nicht so schlimm wie ich befürchtete. Ich fing locker an zu laufen. Der Sehnenansatz zwickte etwas. Nach einem Kilometer war jedoch plötzlich Ruhe und ich lief einfach nur. Aus dem angedachten Dauerlauf wurde ein Tempolauf. Nach 6km war ich bei 4:15min/km angelangt und fühlte mich als könnte ich Bäume ausreißen. In dem Tempo bin ich seit Wochen, wenn nicht Monaten nicht mehr gelaufen, zumindest nicht ohne Schmerzen. Und noch nie so locker und unangestrengt. Leider hatte ich die Garmin nicht dabei, mir war einfach zu warm. Die Anzeige am Laufband sagte dennoch 26,43 Minuten. Schön, wenn man sich jedoch selbst mal mit Leistung überrascht. Ich hätte zwar noch weiterlaufen können, aber ich wollte mein Bein nicht überstrapazieren und nicht wieder an und über Grenzen gehen. Außerdem: aufhören, wenn es am Schönsten ist 🙂

Dann ging das Krafttraining fast wie von selbst. Ich war wieder motiviert, fühlte mich auch mental wieder besser. Wochenlang nur DLs abzuspulen kann halt an der Psyche kratzen. Hoffentlich geht es jetzt allgemein wieder mehr aufwärts und mit den Temperaturen endlich gegen Herbst!

Achja: auf Instagram (verlinkt rechts oben über das Blogmenü-Icon) könnt ihr meist jeden meiner Trainingstage mit Bild und Kurzfassung direkt verfolgen 🙂

— Jamie

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6 Gedanken zu “Ahhh.

  1. Well done! 🙂
    Anstiege bewältige ich grundsätzlich lieber zu Fuss als mit dem Rad. Da bin ich gefühlt zügiger, flüßiger und entspannter oben. Wenn auch nicht unbedingt schneller. Aber wenn ich begleitet werde auf dem Rad dann doch immer schneller als die Begleitung.

    1. Danke sehr 😛 Echt, lieber laufend? Also ich bin mit dem Bike wahrscheinlich schneller, aber da bin ich ja auch mittlerweile geübter 😀 Ich finde einfach, man hängt auf dem Zweirad nicht so am Berg fest, weil man natürlich insgesamt mehr Kilometer macht und man kann sich zwischendurch in der Ebene mal kurz im Wiegetritt ausruhen.. :]

  2. Ein tolles Programm. Super gemeistert!

    Pyramidentraining steht bei mir auch oft im Plan. Das liebt die Trainerin aktuell, glaube ich… nur ich tue mich etwas schwer mit den Tempowechseln. Deutlich besser geht es mit Intervallen.
    Wahnsinn, dass du bei dem Wetter ins Studio bist und herrliches Tempo. Wirklich großartig.

    1. Danke dir 🙂 Auf das Pyramidentraining bin ich eigentlich erst gekommen, als ich wieder angefangen habe die Geschwindigkeit zu erhöhen und mich nur an Intervalle nicht herangetraut habe (aus Angst vor Schmerzen). Da war es dann auch vom Kopf her leichter eher zum Ende hin nochmal alles zu geben, bzw. wenn es schief läuft, einfach aufzuhören und trotzdem schon eine gewisse Anzahl an Kilometern zurückgelegt zu haben.

      Bei uns im Studio geht es eigentlich – Rollläden auf Halbmast, Ventilatoren im Raum verteilen, Fenster direkt vor dem Laufband auf und dann ist es sogar fast angenehmer als zu Hause 😀 Aber jetzt ist ja sowieso alles schon im Zeichen des Herbst – da freue ich mich nach dieser Hitze richtig drauf 🙂

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