Zack

Und schon ist eine Woche rum. Oder zwei. Im schlimmsten Falle drei. Die Zeit rennt so richtig diesen Sommer und ich komme kaum gedanklich hinterher. Vielleicht ist alles momentan auch ein bisschen viel. Fakt ist, dass der Sport sehr ausgleichend wirkt.

Und Fakt ist auch, dass die letzte Bike-Tour eine der großartigsten war. Mit knapp 80km und 1819HM mit Sicherheit kein Kindergarten, aber ich war richtig gut drauf und der gefürchtete Einbruch kam nicht, obwohl ich nicht einmal mehr als Koffein und über die Tour verteilt zwei Riegel zu mir genommen hatte. Sachen gibts die gibts gar nicht 😀 Wir landeten (wie eigentlich immer) auf dem Feldberg. Selbst wenn wir es wirklich versuchten drum herum zu kurven, am Ende stehen wir immer wieder oben.

Über Falkenstein ging es mit Alex und Gunnar stetig nach oben. Diese Gegend bietet ein paar längere steile Anstiege, sodass man da schon sehr auf seine Kosten kommt. Irgendwie hatten wir alle ein paar Clownflakes zuviel, sodass es mir wirklich schwer fiel gleichzeitig das Lachen mit dem Treten zu verbinden. Alles fing damit an, dass man mir nicht glauben wollte, dass der Teide in Teneriffa knapp 4000HM hat. Ich erinnerte mich auch nur noch richtig daran, wie bleich meine Mutter wegen der dünnen Luft gewesen war. Daraufhin wurden Ideen für neue (unnütze) Apps generiert: eine Höhenmesser-App die per Bild der am schlimmsten leidenden Person die aktuelle Höhe auswirft. Situationskomik halt.

Dann huschte ein Eichhörnchen vor uns über den Weg und alle machten: Ohhh. Der erste Hunger brachte den Gedanken eines Eichhörnchens am Spieß nahe und alle machten noch einmal „Ohhh“ 😀 Als Gunnar dann die Szenerie von drei Mountainbikern am Wegesrand mit einem Eichhörnchen über dem Grill und einer zufällig vorbeilaufenden Kindergartengruppe in unsere Köpfe setzte, hatte ich einen Lachflash nach dem anderen. Mojo schlingerte schon. Aber irgendwann war es glücklicherweise auch wieder gut 😀

Natürlich fuhren wir auch noch ein zweites Mal auf den Feldberg. Obwohl niemand eine Garmin mit Navigation dabei hatte, stellten wir die Tour wirklich gut und verirrungs-frei zusammen. Über den Pferdkopf ging es wieder hoch, hoch, hoch und danach auf einem anderen Weg wieder herunter. Sollen wir erst googlen wo uns der Trail hinführt? Wie wäre es, wenn wir ihn einfach fahren?

Man was hatte ich wieder großartige Einfälle. Mir wurde noch verboten zu jammern (dabei jammere ich höchstens hinterher auf der Couch 😀 ) Gut, es wurde ein bisschen steil und hatte ziemlich viel Geröll, aber sei es drum. Das Wetter war perfekt, nicht zu warm, nicht zu kalt.

Dann kam die Sache mit Gunnars Trinkblase. Die laut seiner Aussagen irgendwie schon lebte. Das was da rauskam, würde Schlieren in der Trinkflasche ziehen (Umfüllaktion). Obwohl wir fast exakt den gleichen Trinkrucksack haben und nur mit reinem Wasser befüllen, scheint seiner Gammel-anfälliger zu sein. Aber was soll man auch anderes machen, als immer wieder ausspülen und gut trocknen lassen? Wahrscheinlich hatten sich schon Kaulquappen gebildet und am Ende der Tour säßen Frösche in der Trinkblase. Ganz logische Sache.

Dieses Mal wollten wir alle unbedingt ein Eis von den gefundenen 5 Euro haben. Deshalb fuhren wir von ganz unten noch einmal hoch – Minimum war der Fuchstanz. Alex fing an zu schwächeln und fiel stark ab, sodass wir öfter warten mussten. Gunnar fütterte ihn mit Corny und ich feuerte ihn an. An diesem Tag wäre es für mich noch im Rahmen des Möglichen gewesen, noch bis auf den Feldberg zu fahren. Aber das wollten und konnten wir Alex nicht antun. Als es dann am Fuchstanz kein Eis gab, fuhren wir wieder zur Hohemark und plünderten die Kühltruhe des „Waldtraut“. Ein sehr verdientes Eis wie ich finde.

Zu Hause fiel plötzlich kurz vor dem Duschen ein dicker Käfer von mir ab – zuckte noch etwas mit den Fühlern und verstarb 😐 „Karl der Käfer wurde nicht gefragt..“

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Am darauf folgenden Montag fühlte ich mich immer noch so gut, dass ich direkt ins Fitnessstudio verschwand. Zumal es aus Eimern regnete. Ich plante einen lockeren Dauerlauf – aber war mal wieder übermütig, sodass ich noch eine Steigung von einem Kilometer einbaute und das ganze in einem Sprint enden ließ. 8km, 39min. Krafttraining und ein paar Gewichte erhöht.

Dienstag der wohlverdiente Ruhetag. Und am Mittwoch war ja sowieso der 5km-Testlauf für den Firmenlauf übermorgen angesagt. Was auch wieder so eine Story für sich ist 😀

Man nehme zwei motivierte Läufer, setze deren Partner auf Bikes und lade einen Arbeitskollegen dazu ein, der sonst nie Sport macht. In den ca. 700 Metern einlaufen waren wir alle noch zusammen, dann piepsten unsere Uhren, Gunnar gab Gas, ich auch (aber nicht genug) und das Feld zerstreute sich. Thomas fing an eher meinen Kollegen zu begleiten und ich rannte alleine munter weiter und das leider zunächst viel zu schnell. Ich plante eine Pace von 4:15 – 4:20. Dadurch dass Gunnar so schnell wegzog, es sich alles so locker anfühlte und sich meine Garmin nicht so schnell einpendelte, lief ich ca. bei 3:45. Zumindest die ersten 1-1,5 Kilometer. Fehler. Trotz der Geschwindigkeit sah ich Gunnar nicht mehr. Thomas und Sascha auch nicht. Ich wusste nicht genau wann es Zeit war abzubiegen. Ich entschied mich für die zweite Abzweigung. Wieder ein Fehler. Dass es einmal hoch gehen würde wusste ich schon, aber nicht noch zwei, drei Mal. Ich war falsch gelaufen und somit nicht mehr auf der Strecke. Nach 3 Kilometern wünschte ich mir bereits den Tod und lief nun auch noch gegen die tiefstehende Sonne. Dann würde ich die Uhr halt einfach nach 5km stoppen, egal wo ich war. Gedacht und weiter gelaufen. Ich war kurz vorm Aufgeben. Und das auf nur 5km. Aber auch kurze Strecken lassen sich hart gestalten. Ich biss noch einmal die Zähne zusammen und lief die restlichen 100m, die mir vorkamen wie ein Gruß aus der Hölle. Währenddessen kam Thomas wieder an meine Seite und ich sah Gunnar unten am Feldrand schon auslaufen. Auslaufen war für mich erstmal nicht drin. Ich blieb einfach stehen. Wir sammelten uns und warteten zusammen auf meinen Kollegen, der lange Zeit nicht mal mehr über die Weite der Felder auszumachen war. 23:03min. Zu langsam. Gunnar war mit 18min weitaus schneller. Später liefen wir noch lockere 2,5km bis zu den Autos, ehe Thomas und ich nach Hause fuhren. Mein Oberschenkel wurde maulig, krampfig. Leider noch bis zum nächsten Tag. Also ließ ich jegliches Training nochmal gut sein.

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Bevor mich jedoch der Bürokoller vollends ereilte, entschloss ich mich kurzfristig dazu, Freitag morgens um viertel vor 6 in Dunkelheit und Regen auf den Feldberg zu fahren. Kaum im Wald, kam mir schon ein Reh quer über den Weg gesprungen. Knapp dahinter ein Kitz, welches mir fast in die Speichen sprang, wenn ich nicht gebremst hätte. Ich dachte mir noch „Es wird doch nicht..“ Doch es wollte den Anschluss nicht verlieren, rutschte vor lauter Panik sogar noch mit den Hinterläufen mehrmals weg, ehe es im Gebüsch verschwand. Ab da war ich dann doch wieder relativ wach.

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Trotzdem knallt mir meistens bei solchen Uhrzeiten der Puls richtig hoch, das ist abends irgendwie anders. Ruck zuck war ich klatsch nass und der Schlamm spritzte von unten nach oben bis in meine Augen. Man sollte es nicht meinen, aber ich traf immerhin noch zwei Läufer die schon wieder auf dem Weg nach Hause waren. Runter war der reinste Spaß. Knirschend und wie ein Matschmonster kam ich wieder zu Hause an. Wusste mal wieder nicht was ich zuerst ausziehen sollte und war fast erfroren. Dennoch wie immer froh, es mal wieder geschafft zu haben.

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Am Samstag Vormittag trieb es mich wieder in die Felder. Alles in mir schrie nach einem Longrun. Der letzte war Wochen her, aufgrund der Schmerzen war es mir einfach nicht möglich. Ich lief mit dem Gedanken los, dass ich einfach alles so nehme wie es kommt und im Zweifelsfall nur 10km laufen muss. Die liefen auch echt gut, sodass ich immer etwas schneller als 5:00 laufen konnte. Nach der ersten Schleife fing es an haarig zu werden. Mein Bein meldete sich, aber ich war schon wieder zügig unterwegs in die entgegengesetzte Richtung. Auf der Brücke musste ich stehen bleiben und nachdehnen. Die Sonne kam heraus. Und ich hatte einfach nur Durst. Schielte jede Pfütze an. Ja so verzweifelt war ich fast schon.

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Schmerz und Durst vereinten sich, während ich mich zu Kilometer 15 prügelte und wieder dehnte. Eigentlich wollte ich nicht mehr, aber was musste was musste. Nach 1:35h und 19 Kilometern ließ ich mich zu Hause in den Flur plumpsen und wäre am liebsten nicht mehr aufgestanden. Eine Schmerztablette und zwei Liter Wasser später wusste ich wieder wie ich heiße und was ich getan hatte. Und ich wusste auch, was noch kommen würde: klettern mit Lisa, Gunnar und Thomas am nächsten Tag um zehn Uhr. Regeneration und zwar schnell.

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Ich schlief ziemlich viel, sodass mein Bein am nächsten Tag nur noch ein bisschen angeschlagen war. Wir nahmen uns die 3 Stunden im Kletterwald vor. Alles easy. Denkste. Einweisung. Neues Sicherungssystem, was so viel vorteilhafter erschien. Nicht aber für unsere Finger die sich langsam oder sicher aufschrammten. Fast alle meine Finger sind nun neben den Nägeln rot und aufgerissen und längs der Finger voller Blasen. Festhalten, balancieren, abseilen. Wir hätten wirklich lange Handschuhe gebraucht. Hinterher ist man schlauer.

Irgendwie war ich an diesem Tag extrem unsicher und fing derart an zu zittern, dass ich jegliche Körperspannung verlor, während wir auf 8 bis 15 Metern Höhe vor uns hin balancierten. Der Wille war zwar da, aber meine Höhenangst an diesem Tag übermächtig. Vielleicht erinnert ihr euch noch an das Klettern im November letzten Jahres – da hatte ich mir mein Schienbein grün und blau gehauen, als ich über eine Lücke zwischen den Plattformen des Parcours springen musste. Da wir uns nicht mehr daran erinnern konnten, welcher Parcours das war, kletterten wir ihn noch einmal. Ein Hindernis vor der berüchtigten Stelle (dünne Pfähle in einer Kette hintereinander weg gespannt) rutschte ich vollends weg, baumelte an der Sicherung, knallte mit dem linken Bein gegen die Pfähle, während ich zum Ausgangspunkt zurück geschleudert wurde. Ab da wollte ich eigentlich nicht mehr. Thomas stand direkt hinter mir. Mein Bein fühlte sich nicht gut an und mir wurde komisch. Kurz bevor ich mich schon not-abseilen lassen wollte, riss ich mich nochmal zusammen und probierte es noch einmal. Diesmal mit Erfolg. Als es daran ging die Lücke zu überspringen und ich merkte, dass ich auch nicht in der Sicherung herüberschwingen konnte, ohne mich noch mehr zu verletzen, verweigerte ich komplett. Thomas Überredungskünste müssen doch irgendwie Gold wert gewesen sein, denn schließlich sprang ich doch und kam ohne Verletzungen drüben an. Nach den letzten beiden Hindernissen setzte ich den nächsten Parcours erst einmal aus. Ich zitterte, meine Hände waren offen und bluteten, ich konnte nicht mehr greifen. Später kletterten wir noch einen leichten Parcour und einen mittleren, dann war für mich aber definitiv Schluss.

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Unsere harten Jungs kletterten noch den K2, in 24 Metern Höhe, zusammen. Den schwersten aller Parcours. Davor muss man drei Klimmzüge beweisen, sonst hat man keinen Zutritt. Durch einen schmalen Schacht ging es senkrecht nach oben auf die erste Plattform und über weit auseinanderstehende, wackelnde und baumelnde Elemente 30 Minuten lang von Baum zu Baum. Easy sah anders aus und ich war froh nur die Beobachterin zu spielen.

Anschließend saßen wir noch zusammen und beobachten die anderen Leute beim Erklimmen des K2. Wobei das nur sehr wenige waren, die meisten schafften nämlich nicht mal zwei Klimmzüge. Inzwischen war es auch sehr heiß geworden und immer mehr Menschen strömten in den Wald. Wir hatten wohl die beste Zeit abgepasst.

Zu Hause war das Geschrei dann groß: Offene Hände und Blasen vertragen sich nicht mit Wasser und Seife. Das erste Mal dass wir Blasenpflaster an die Hände, statt an die Füße hefteten.

Heute haben wir alle richtig fiesen Muskelkater und meine Beine schillern in allen Farben und sind geprellt, sowie geschwollen :/ Keine guten Voraussetzungen für den 5k-Lauf am Mittwoch nach der Arbeit…

— Jamie

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4 Gedanken zu “Zack

    1. Entspannt wird nach dem Sport oder nachts im Bett, weißte Bescheid 😀 Ne mal im Ernst, ich muss langsam mal wieder aus dem Quark kommen was das Laufen betrifft, sonst wird das nichts mehr mit Wettkämpfen und so. Allerdings muss ich mein Bein weiterhin kritisch beäugen, was es natürlich nicht einfacher macht 😐

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