Von Runnershigh bis Mimimi

Verdammt. Wochen nicht geschrieben…3! Es war mir als wäre es gestern gewesen..und ich weiß noch nicht mal wo ich anfangen soll und schreibe einfach drauf los. Wie sooft.

Vielleicht interessiert es ja, dass ich in einer Woche in der ich gerade dabei war die 100km zu knacken, mich 12km vorher beim Traillaufen so hingelegt hatte, dass ich auch noch jetzt Spaß damit hatte? Ja? Ja!

Also das war so: da der offizielle OCR Traillauf an diesem jenen Sonntag ausfallen sollte, ließen es sich ein paar (mich eingeschlossen) mehr oder weniger Verrückte nicht nehmen, trotzdem zu starten. Alle waren pünktlich, aber keiner wusste wohin eigentlich. Also gab ich anfangs den Weg bzw Trail vor bis ich von Pierre der fliegenden Bergziege überholt wurde.

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Auf dem Weg zum Altkönig stellten wir fest, dass wir einen Polizisten im Bunde hatten, also mussten wir uns bloß genau so vorbildlich benehmen wie immer und führten interessante Gespräche über den Beruf, bis uns plötzlich Wanderer wie bei einem Zieleinlauf zujubelten. Auch okay!

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Als wir auf dem Altkönig standen, wollte unser Gesetzeshüter tatsächlich die Gruppe verlassen, aber das ließen wir nicht zu und auf einmal wollte auch er noch unbedingt auf den Feldberg hinauf. Es lag wieder Schnee und wir glitschten wieder herunter. Über den Fuchstanz sollte es wieder zurück gehen, doch soweit kamen wir erstmal nicht.

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Rückblickend war es eine saukomische Aktion, wie aus einem schlechten Film. Stellt euch eine Gruppe dynamischer Athleten vor, die im Gleichschritt nebeneinander den ganzen Weg pachteten – ich in der Mitte und uns angeregt dabei unterhielten. Dann – bitte hier mysteriöse Musik einspielen – brach die Formation je entzwei, als die Mitte plötzlich aus heiterem Himmel gen Boden krachte und das Feld sich panisch nach links und rechts zerstreute. Herdenläufer eben.

Was war geschehen? Ein fieses Schlagloch, eine Seilschlinge oder ein Freund der zum Feind wurde und mir ein Bein stellte? Nein. Nichts dergleichen. Einigen wir uns einfach darauf, dass es ein Ameisenknochen war und ichganzsichermitvollerkonzentrationdabeiwarundauchniemalsumknicke!

Okay, jetzt mal wieder Mutter Ernst: Ich war mit dem Linken Fuß umgeknickt dabei über den selbigen gestolpert und war nach rechts, direkt auf mein Bein-Hüftproblem gefallen. Ich saß ziemlich lustig auf dem Boden: das rechte Bein wie im Schneidersitz, das linke lang zur Seite ausgestreckt und so saß ich da und konnte mich vor Schmerz erstmal nicht bewegen. In dieser Schockstarre kam dann auch noch ein Wanderer irgendwo aus dem Gebüsch gesprungen, schrie: „Ich bin Internist, kann ich helfen!“ (Es war eindeutig keine Frage) Hockte sich neben mich drückte auf den falschen Fuß und meinte: „Geschwollen ist nichts, nach Hause gehen und kühlen“.

Mein Plan war anders. Ich gab mir zwei Minuten, stand auf, segnete meine Handschuhe und lief die restlichen Kilometer im gleichen Tempo bis zum Auto. Natürlich nicht ohne dass mir mein Gehirn ständig so Signale schickte wie: „Aua, aua“, „Achtung Bänderdehnung“ und „Sitzbein-Sehnenreizung? Die war doch erst ausgestanden!“

Das hieß für mich erstmal 2 Ruhetage in Folge, worauf natürlich sofort ein 16k Taunus-Feldlauf folgen musste. Und danach tat der Fuß natürlich auch wieder weh, blau sowieso. Also der nächste Ruhetag auf welchen ein 10km Fahrtspiel folgte, was schon sehr vielversprechend war und am Tag darauf guckte ich mal was auf meiner hügeligen Hausrunde so ging auf 10km mit Dunkelheit und Gegenwind. Heraus kam eine 4:54 und mein Fuß hielt noch immer gut durch.

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(C) OCR
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(C) OCR

Also auf ins nächste OCR Trailabenteuer: 20km die aber eher leichter waren, da es nur 600HM zu bewältigen gab. Dennoch war ich irgendwie total fertig und kraftlos, Krankheit und Antibiotika zehrten wohl irgendwie immer noch an mir, der Fuß schwoll plötzlich an..und diverse andere Mädelsleiden. Rückblickend wundert mich das dann immer nicht, nur währenddessen denkt man sich: „Waaas und du willst mal 60km beim ZUT laufen? Ahahaha. Ha.“

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(c) OCR

Darauf ein Ruhetag! Und dann wieder 10 GA1 Kilometer bei 5:25 oder so. Flach, eben. Fuß okay, meine Welt okay. Mittwoch was längeres. Im Hinblick auf den drohenden Halbmarathon nächsten Sonntag, wollte ich nochmal gemütlich länger laufen.

Also lief ich nach der Arbeit los und dachte mir dabei, du läufst jetzt einfach wie du dich fühlst und lässt die Garmin Garmin sein. Brav. Erster Berg, zweites Hügelchen, erste 3km und der erste verstohlene Blick auf die Uhr im Licht des Bad Homburger Kronenhofs sagte eine Pace von 4:45 an. Ab da nahm ich die Beine etwas bewusster in die Hand. Mein Puls bei 170 (Anfang von GA2 bei mir) sodass ich es ohne größere Mühen locker auf 48min die 10k brachte. Ich war beflügelt und ich hatte wieder Hoffnung, dass ich schneller laufen kann. Und ich wusste dass noch so viel mehr drin ist, denn ich war das noch nicht am Limit gelaufen. Die letzten 7km und 90HM mit Regen und Wind waren dann wieder etwas anstrengend, aber damit bin ich sehr zufrieden gewesen, so gespickt mit mehreren Runnershigh 😀

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Die nächsten 12km auf dem Band (1.5% Steigung) waren dann natürlich wieder etwas langweiliger, aber so wirklich zum Krafttraining (das was halt muss) komme ich halt nur im Studio und wenn ich schon mal da bin kann ich auch gleich noch Dehnen, mich bei ganz miesen Muskelproblemen auch mal auf eine kleinere Hantel legen und wieder mehr am Projekt Sixpack arbeiten. Der KFA ist mit 14-15% eigentlich schon ideal dafür.. Aber hallo? Laufen und so?

Freitag war so gar nicht frei. Lange arbeiten, Stress und ich fühlte mich sofort wieder krank und war irgendwie nicht so gut drauf. Ich wollte diesen Monat sowieso wieder mehr piano machen, nicht nur im Hinblick auf den HM, sondern auch vor allem wegen dem letzten 354km-Monat und dem ZUT in diesem Jahr. Also wird der Umfang diesmal wahrscheinlich eher zwischen 240-280 liegen, obwohl ich schon gerne 300 hätte.. First World Runner Problems.. 😉

Also ging die Party erst wieder am Samstag weiter und das war gestern. OCR Heartbeat-Session und ich konnte sogar Thomas dafür gewinnen! Schön wirtschaftlich bildeten wir mit Christoph eine Fahrgemeinschaft, um uns wieder eine Stunde die Kante an Crossfit-Stationen zu geben. Nur dieses Mal war diese weniger zu laufen und so konnten die Folterstationen, die eigentlich gar nicht so aussahen, ihre volle Wirkung präsentieren.

Mit hübsch getapten Fuß und ein bisschen mehr Vorsicht ging ich die erste Station an: Sandsack im Genick und mit Ausfallsschritten einen Weg beschreiten. Rechts kam ich gut runter, links tat der Fuß natürlich weh und ich bin noch immer im Becken total unstabil.

Station 2: Mountain-Climbers, 50x. Eigentlich nicht so schlimm..eigentlich. Irgendwann wollten meine Oberschenkel nicht mehr so wie ich wollte und es wurde schwieriger.

Station 3: 4 oder 10kg-Bälle auf den Boden knallen. Ist genau so lustig wie es sich anhört!

Station 5: Mit beiden Beinen über kleine Hindernisbogen in einer Reihe springen.

Station 6: Dips. Furchtbar.

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(C) OCR

Dann weiter rennen zum Schlossbogen, dort die Mauer (Station 7) hoch und sich am TRX (Station 8) 10x mit den Armen nach vorne bzw. oben ziehen. Treppen runter, ein Stück durch den Park Gas geben und im mini Tunnel verschwinden.

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(C) OCR

Station 9: Mal wieder an den Schaukeln abhängen. Meine Erfahrung: ohne Handschuhe hängt es sich länger! Und gut abgehangene OCR’ler schmecken besser!

Station 10: Hügelsprint hoch und wieder runter.

Station 11: 20 Pushups an der Bank. An der Parkbank. Was habt ihr denn gedacht?

Lauftechnisch kamen dabei 3km zustande. Aber wenn man alle anderen Sachen mal 6 rechnet, dann kommt ganz schön was zusammen und das kann sich übelst, auf so manche Muskel die man hat, auswirken.

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(C) OCR

Noch schnell ein regennasses Gruppenbild mit Kriegsschrei (einige hätten wohl lieber <insider>“Tapete!“</insider> gerufen – aber so Geschichten erzählt man sich vielleicht besser mal, wenn der Beitrag nicht wieder die 2000 Wörter sprengen soll 😀

Auf der Heimfahrt klatschten irgendwann anstatt Regentropfen, sowas wie Schneeflocken an die Scheibe, was Assoziationen weckte. Jeder verbindet ja mit sowas etwas anderes..aber in diesem Fall: Schnee = Berg = laufen = Trail = Feldberg.. oder so.
„Hast du Bock?“ „Ja aber sicher!“ Kurz verrückt gelacht, Thomas um seine Erlaubnis gefragt und dann klamottentechnisch etwas improvisiert, denn mit den Laufschuhen ohne jegliches Profil wollte ich nicht laufen. Gut, dass es immer wieder Kerle gibt, die keine Kindersärge an den Füßen tragen, denn dann kann ich mal unverbindlich andere Schuhe probelaufen 😀

Wir fuhren bis zur großen Kurve, also da wo der Schnee auch tatsächlich richtig anfängt, liefen dem Winterwonderland entgegen, Richtung Fuchstanz und freuten uns einfach nur darüber, dass alles weiß war. Sowas entschädigt einen für eine Woche Stress. So nah am Taunus zu wohnen ist für mich wahrer Luxus und mit keinem Geld der Welt zu bezahlen. Schnee hat etwas wahnsinnig beruhigendes, alles scheint zu schlafen und irgendwie doch nicht. Die magische Stille, oder so.

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Relativ fix waren wir dann auch auf dem Feldberg und fanden sogar noch eine kleine Quelle aus der man trinken konnte. Bergab hatte ich gefühlt mehr vertrauen in die Schuhe, stehe sehr viel fester darin und mein Fuß tat auch nicht mehr so weh. Nichts desto trotz hatte ich eine glitschige Stelle erst dann richtig ausgemacht, als ich schon auf ihr herumschlitterte und es kam wie es kommen musste, ich rutschte weg und landete wie ein Maikäfer auf dem Boden. Nicht umgeknickt und auch nicht auf die Hüfte gefallen, bis auf ein paar blaue Flecken bis heute alles gut! Nach 13km und ca 350HM waren wir wieder am Auto. Fazit: Der Trend geht zum Zweit-Workout 😀

Es war rückblickend wirklich gut dass ich das so gemacht hatte, denn heute war aus dem schönen Neuschnee, tauender Schneematsch geworden und über Nacht hatte mein Körper so lange Zeit darüber nachzudenken, dass er die Heartbeat-Session doch nicht so gut fand und übersäuerte so richtig. Ich habe eher die Blackroll gefoltert, als sie mich, habe den Fuß noch einmal fester getapted und dachte ich müsse mir heute unbedingt nochmal die Beine im Taunus vertreten, denn nur rumsitzen soll ja auch nicht gut sein.

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(C) OCR

Also los, 10:30h an der Hohemark und es dauerte nur ein paar Anstiege und etwa 4 Kilometer bis ich merkte, dass ich die große Runde muskulär nicht mehr packen würde. Jeder Schritt war eine krampfige Herausforderung, meine Beine fühlten sich an als wären sie mit Blei ausgegossen. Vordere Oberschenkel, Gluteus..und natürlich auch die Arme, bereiteten mir immense Schwierigkeiten. Das Dumme in diesem Fall war, dass ich die letzten beiden Kilometer mit 4:45 lief, was ja ansonsten nicht das Problem wäre, aber mir nochmal die Beine vom Allerfeinsten verpeitschte. Das merkte ich spätestens dann, als ich mich nach 11km und 350HM ins Auto setzen wollte und mich dabei an der Tür abstützen musste.

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Im Moment hilft auch nicht mehr viel, Blackroll nicht, Wärme nicht..aber ich sage mir, was nach 48h den Höhepunkt erreicht hat bleibt dann auch der Peak und schlimmer wird es dann nicht mehr. Und morgen? Ruhetag! Wenn mich meine Kollegen morgen komisch angucken, könnte es sein, dass ich komisch laufe oder unterwegs einfach auf der Treppe liegen geblieben bin. Vielleicht hört ja jemand meinen Hilferuf!

— Jamie

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9 Gedanken zu “Von Runnershigh bis Mimimi

  1. Dein Pensum ist immer wieder der Hammer. Okay, früher war ich mal genauso, aber wenn es mehr Verpflichtungen im Leben gibt steht sowas eben zurück. Aber echt schön, dass du das alles auslebst und das heute genießt. Genieße es! 🙂

    1. Danke dir! Bin selbst erstaunt was immer wieder zusammenkommt. Vor allem am Wochenende kann ich nochmal gut Kilometer sammeln. Klar mit Familie, Kind etc. (oder ganz andere Dinge) da will man dann natürlich auch dafür da sein und das sollte Priorität haben. Aber solange ich den Sport in diesem Ausmaß in meinem Leben vereinbaren kann, lebe ich das auch aus und genieße das auch. Gerade die Stunden mit mir selbst, die ich mal allein sein kann sind der perfekte Ausgleich zum Alltag und geben mir die mentale Stärke die ich brauche 🙂

  2. Tolles Training das du da so abspulst.
    354km ist schon eine Hausnummer!
    Und vor allem hört es sich ziemlich abwechslungsreich und nach verdammt viel Spaß an! Und so schauen auch die Gruppenfotos aus. Die sind wirklich cool 🙂
    Ich hoffe deinem Fuß geht es nun wieder gut. Ich bin auch erst vor drei Wochen umgeknickt und habe jetzt noch immer leichte Probleme mit dem Knöchel…
    Freu mich schon auf deinen nächsten Post!
    lg Grüße Andi

    1. Huhu, vielen Dank! Diesen Monat wird es vom Umfang her etwas gemütlicher. Du hast recht, zur Zeit habe ich beim Laufen sehr viel Abwechslung und es wird echt niemals langweilig, da darf es dann auch mal hart werden – mit so viel netten Leuten übersteht man das dann einfach 😀
      Meinen Fuß merke ich noch ganz unterschwellig, aber es ist schon sehr viel besser geworden, das Tapen hat wahre Wunder bewirkt!

      LG, Jamie

  3. Ich hoffe, der Fuß ist wieder heil! Sorry, aber ich musste wirklich laut lachen bei Deiner Schilderung. „Ich bin Internist, kann ich helfen?“ Einfach nur zu gut!
    Ich wünsche Euch weiter viel Spaß und uns weiter so schöne Fotos von Deinen Trailläufen.

    1. Huhu, ja dem Fuß gehts wieder gut, zu 99% 😀 Hatte aber mindestens 3-4 Wochen Spaß damit.
      Ja, rückblickend kann ich auch darüber lachen – die Dinge mit Humor zu nehmen ist glaube ich immer das beste was man machen kann.
      Ich danke dir – und ich denke es werden bestimmt noch mehr Trailbilder folgen 🙂

  4. Sag mal – auf den Fotos sieht das ja das ein oder andere Mal so aus, als ob Ihr zwischendurch die Trails verlasst und einfach so durch die Wälder lauft… das macht Ihr aber nicht wirklich, oder? 😦

    1. Huhu, also das sind schon alles Trails, keine Sorge – nur teilweise alles etwas wilder und mehr Trampelpfade. Das ändert sich mit den Jahreszeiten und den Wetterumschwüngen sehr. Die Bilder auf denen wir als Gruppe zu sehen sind, sind meistens zehn Meter neben dem Weg entstanden. Manche sind aber auch tatsächlich teil eines Trails!
      LG, Jamie

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