Rats Runners X-Treme Goldbach 17.7.2016

Manchmal sind Trails alleine nicht ausreichend. Da kam der Hindernislauf in Goldbach mit seiner Kombination aus Trails und Hindernissen gerade recht und erinnerte mich ein zweites Mal daran, wofür das OCR auf meinem Shirt eigentlich steht.

So richtig überzeugt war ich bisher noch nicht von dieser Art von Läufen. Was aber auch zu einem großen Teil daran gelegen haben könnte, dass ich bisher nur einen einzigen bestritten hatte und nur eine Woche zuvor einen Longrun von 50km durch den Taunus in den Beinen hatte. So war es nur fair, den Läufen der Rats Runners Serie eine zweite Chance zu geben. Selbst Thomas konnten wir dazu motivieren – es sollte sein allererster Wettkampf überhaupt werden. Wir waren beide für die 10 Kilometer gemeldet.

Diesmal war vieles für mich anders, ich war weitaus ausgeruhter, da ich mich nach dem ZUT eher mit Alternativtraining beschäftigt hatte und dadurch meine Laufumfänge auf mindestens 100 Kilometer weniger schrumpften.

Da Goldbach nicht wirklich weit entfernt ist, war die Anreise sehr entspannt und der Startschuss sollte auch erst um 13:30 Uhr fallen. Also genug Zeit sich entweder locker zu machen, oder die Aufregung überhand nehmen zu lassen.

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(c) Gerti Aulbach

Die Sonne brannte erbarmungslos auf uns hernieder und der erste Teil der Strecke versprach schon mal keinen Schatten. Auf einer Motocross-Strecke sollte es ständig auf und ab gehen, über künstliche und natürliche Hindernisse, bis hinein auf Singletrails im Wald und dann auch wieder hinaus.

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Wir sammelten uns im Startbereich auf einer Wiese und machten uns schon mal warm – wobei, warm war es eigentlich mehr als genug. Glücklicherweise verflüchtigte sich die Sonne kurz wieder und einige von uns konnten sich in der ersten Startwelle aufstellen. Nach ein paar Schwierigkeiten mit Musik und Countdown, fiel dann doch der Startschuss und die Meute donnerte los. Thomas, Alex und ich mussten noch endlose weitere Minuten mit den Hufen scharren, denn mit unseren Startnummern mussten wir in der dritten Welle starten.

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Auch bei uns gab es Probleme mit dem Countdown, sodass per Zuruf gestartet wurde. Wie jedes Mal hatte ich total weiche Beine und das Gefühl nicht vom Fleck zu kommen. Der Boden war knochentrocken und hielt permanent Stolperfallen bereit – stellt euch einfach vor ihr würdet über einen festgetrockneten Acker laufen. Das Problem mit meinen Puddingbeinen, bekam ich leider erst fast zwei Kilometer später wieder in den Griff. Die Strecke führte zunächst leicht bergab, hinauf und dann kamen immer wieder kurze aber knackige Downhills, bei denen ich mal wieder Zeit verlor, sodass mich Thomas erstmal hinter sich lassen konnte. Nach etwa einem Kilometer sackte ich ihn am Berg aber wieder ein, wobei ich aber fast blind an ihm vorbei gerannt wäre.

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Überholvorgang von Thomas 😀

Recht bald kam es zum ersten Hindernis, welches gänzlich dafür prädestiniert war, einem den Einstieg in die Welt des Matschs und Drecks zu erleichtern. Man hat in trockenem und einigermaßen sauberen Zustand immer irgendwie kurz das Bedürfnis erst fragen zu müssen, ob man sich wirklich einsauen darf. In einer Kuhle befand sich ein Schlammgraben, der mit einem Netz überspannt war. Mit einem Satz landete ich bäuchlings in der kalten Plörre, was kurzzeitig zu Schnappatmung führte und robbte mich dann wieder heraus. Nice to know: je dreckiger es wird, desto mehr muss ich grinsen.

Diese kleine Abkühlung verhalf mir in einen Rhythmus zu kommen. Ich nahm wieder Fahrt auf, meine Beine fühlten sich gut an und ich setzte mir das Ziel jeden Berg zu rennen und steuerte direkt auf eine Pyramide von riesen Strohrundballen zu, an der es sich schon staute. Also musste ich warten. Das Problem war in erster Linie, dass Kordeln gerissen waren und es keiner aus eigener Kraft schaffte an den Ballen zu springen und sich zu halten. Hier war Teamwork gefragt. Dennoch vergingen mindestens fünf Minuten, ehe ich aus der Warteschlange die Gelegenheit bekam ein Stockwerk nach oben gezogen zu werden. Ich krallte mich in die noch verfügbaren Kordeln, zog mich über den letzten Ballen hinweg und rutschte auf der anderen Seite wieder herunter. Danach sah ich in etwa so aus wie Bibo aus der Sesamstraße.

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(c) rats-runners.de

Vorbei an jubelnden Zuschauern am Streckenrand, schnurstracks auf eine Passage die mit Reifen ausgelegt war. Danach sah ich in der Ferne bereits den ersten Baucontainer, der mit „Fango“ betitelt wurde. Mir war jedoch so heiß, dass ich ohne zu zögern mit einem lauten Plopp direkt in diese Schlammpackung einfiel. Hinter mir stand ein Kerl, der da irgendwie nicht reinwollte – völlig unverständlich 😉

Als braun gefärbter Bibo rannte ich weiter, langsam aber sicher auf den Wald zu. Mir wurde bereits zugetragen, dass dieser Hindernislauf eigentlich mehr aus Trail und Berg besteht als aus etwas anderem. Und genau das war mein Vorteil.

Davor erwartete mich jedoch noch ein Baucontainer mit klarem Wasser – oder zumindest das was davon noch übrig war. Wer dachte, er könne sich hier vom Dreck entledigen lag leider falsch, denn fast direkt im Anschluss durfte man sich in einem weiteren Container mit Sägespäne panieren. Irgendwie ging so ein Wind, dass mir die Späne am Ende direkt in die Augen flog – wie es wunderhübsch auf dem folgenden Bild auszumachen ist:

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(c) Gerti Aulbach
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(c) Gerti Aulbach

Bald im Wald tauchte ich ein auf die Singletrails und begann langsam aber sicher die wandernden Leute am Berg einzusammeln. Bis es zu einer Stelle mit einem Hang ging, den man parallel passieren musste und schon so durchgetrampelt war, dass man nur noch wegrutschte. Ich wollte eigentlich einen größeren Schritt machen, hatte aber keinen Halt und konnte mich auch nirgendwo abstützen oder festhalten. Irgendwann entdeckte ich dann unterhalb von mir eine Wurzel auf die ich treten konnte und es ging wieder weiter über Steine und einen kleinen Bach, sowie durch einige Brennnesseln. Nice to know Nr.2: ich reagiere seit neustem unglaublich allergisch auf Brennnesseln…

Ein sehr steiler Hang führte direkt wieder nach oben an den Waldrand, den man zügig klettern musste, ansonsten wäre man einfach wieder nach unten gerutscht. Ich vermied es mit den Händen zu greifen, da es auch hier viel zu viele der brennenden Gewächse gab.

Die Hitze hatte mich wieder. Es ging auf und ab und irgendwann gefühlt nur noch rauf. Ich überholte zwei Kerle, die sich wirklich anstrengten nicht überholt zu werden: „Komm, die Jacqueline holen wir uns noch!“ (Immer gut, wenn der Name auf dem Shirt steht 😀 ) Holen lassen habe ich mich jedoch nicht mehr und das war eine der Situationen die so motivierend waren, einfach weiterzulaufen.

Wieder im schattigen Wald, hüpfte man noch etwas über Baumstämme und kam an einer Wasserstation heraus, die ich als dringend nötig empfand. Ab da war quasi Halbzeit, noch etwa 4-5 Kilometer. Die Trails wurden enger und letzten Endes auch matschiger. Irgendwann fand man sich auf Wildschwein-tauglichen Pfaden wider, die einem fast die Schuhe auszogen und recht dicht bewachsen waren. Das Ende des Waldes war in Sicht – mit ihr die so genannte „Regenwalddusche“: am Berg wurde man von oben bewässert und ich hatte durch den ganzen Matsch unter mir wirklich Probleme noch den Laufschritt beizubehalten. Die letzten Kilometer fanden dann wieder auf der Motocross-Strecke statt. Das hieß es war wieder Zeit für Hindernisse.

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Als ich oben wieder herauskam, hörte ich nur von irgendwoher Christoph „Jamie, lauf!“, brüllen. Die letzten zwei Kilometer taten irgendwie weh, da es immer wieder nochmal knackig bergauf ging und es immer wieder Passagen gab, bei denen man von oben geduscht wurde und/oder sich mit einem Seil hinaufziehen musste. Das schlimmste Hindernis war für mich jedoch ein harmloser Baumstamm, den man nach oben balancieren musste. Ich kam genau bis zur Hälfte (immerhin..) ehe ich das Gefühl hatte ich falle wie ein nasser Sack einfach an der Seite herunter. Notiz an mich selbst: mehr balancieren üben und die Höhenangst endlich gänzlich im Keim ersticken.

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Zunächst führte mich die Strecke aber zu der legendären Matschrutsche, von der jeder sprach. Etwa 20 Meter lang. Mir graute es schon die ganze Zeit über etwas davor, weil ich bei der letzten Rutschpartie des Rats Runs in Bühlertann nicht ganz so viel Spaß dabei hatte. Diesmal zögerte ich keine Sekunde, rannte den Anstieg hinauf, ein Kind verteilte Spüli auf der Plane und schon war ich quasi wieder unten. Ich versuchte noch etwas auf der Plane zu bremsen, aber das war fast unmöglich. Spätestens als ich den Matsch erreichte ging es in die Endbeschleunigung über, sodass ich mich sogar noch drehte und ziemlich ungebremst in die Strohballen einschlug. Trotzdem war es irgendwie witzig und weniger traumatisch als meine letzte Erfahrung.

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Nahtlos ging es weiter zum „Hells Gate“: ein Steilhang von 300 Meter Länge, den man mit Hilfe von Seilen nach oben musste. Hier war rennen so gut wie unmöglich. Ich war eher damit beschäftigt, das Gleichgewicht auf dem lehmigen Boden bei jedem Schritt zu halten.

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So langsam erwartete ich dann das Ziel. Wieder hörte ich von irgendwoher meinen Namen, während ich auf ein Hindernis von weiteren Rundballen zusteuerte. Dieses Mal jedoch nur jeweils zwei nebeneinander, die überklettert werden mussten. Ich hätte nicht gedacht, dass ich noch so viel Kraft hatte, dass ich vier Mal auf die Ballen springen konnte, aber man lernt ja nie aus. Ich hatte Spaß und konnte dabei wieder ein paar Läufer überholen.

Es folgte ein kleiner Parcour aus Gattern die man überwinden musste, wieder weitere An- und Abstiege, die ich mich zwang noch irgendwie zu rennen. Der letzte Baucontainer mit Wasser stand bereit. Ich hiefte mich hinein und fand eine Plane unter mir, die sich ständig um meine Beine wickelte. Und nein, ich schaue gar nicht leidend, ich habe Spaß! 😀

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Aus den erwarteten 10km wurden 9km, als ich auf meine verschlammte Garmin starrte als ich das Ziel durchquerte und von Fabian und Alex empfangen wurde. Keine Ahnung wer sich da nun verrechnet hatte, aber ist ja letzten Endes auch egal 🙂 Nach 1:16h war ich wieder da und damit bin ich (eigentlich) ganz zufrieden (immerhin 9. Frau). Klar hätte ich da noch etwas mehr rausholen können, wäre die Warteschlange an den Strohballen nicht gewesen und wäre ich in der Lage Downhill mal richtig Gas zu geben. Vielleicht kommt das noch, ich habe da die Hoffnung noch nicht begraben und habe dieses Mal selbst gemerkt, dass ich die Hindernisse mit weniger Nachdenken und mit mehr Kraft angehen konnte.

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Natürlich hat der OCR mal wieder abgeräumt, mit einigen 1. und 2. Plätzen als Team und auch als Einzelstarter – ganz so wie sich das eben gehört 🙂

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Die eigentliche Challenge bestand jedoch darin, fließendes Wasser zu finden, damit man sich wieder bedenkenlos in ein Auto setzen konnte. Aus Schläuchen mit Semi-Duschköpfen aus dem Baumarkt, konnte man versuchen sich mit Rinnsalen vom Dreck zu befreien. Ich fand irgendwo am Rand eine Art Wasserhahn, etwa 40 Zentimeter über dem Boden. Es waren einige Verrenkungen notwendig, aber ich habe gefinisht! 😀

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Nice to know Nr.3: jemand war so nett und hat während dem Laufen mitgefilmt und auch ein paar von uns OCR’lern erwischt: fourrunners.de -klick-

Ein großer Dank geht auch an unsere verschiedenen, fleißigen OCR-Fotografen, sowie an fourrunners.de und Gerti Aulbach Fotografie 🙂

— Jamie

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2 Gedanken zu “Rats Runners X-Treme Goldbach 17.7.2016

  1. Tolles Erlebnis und vor allem Ergebnis!

    Und du läufst in der Zwischnenzeit wirklich mal eben 50 km im Training? Mit dir lege ich mich nimmer an 😀

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