24 Stunden-Lauf Rodgau

Man stelle frühzeitig zwei Teams aus laufwütigen Personen des OCR Frankfurt für einen 24-Stunden Lauf zusammen. Dann sieht man zu wie sich die Teamzusammensetzung noch gefühlt bis ein paar Minuten vor dem Start verändert, inklusive leichter Panik, ob und wie wir das ganze überhaupt auf die Reihe bekommen würden. Dann streue man noch eine Hand voll halb-Invaliden ein und bestreite dieses Event mit dem Satz: „Lasst uns einfach Spaß haben und Erfahrungen sammeln!“

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Eine warme Nacht machte den Versuch „vorzuschlafen“ nicht gerade einfacher. Angetreten wurde um spätestens 11 Uhr mit Sack und Pack auf dem Sportplatz des TSV Dudenhofen. Pavillons wurden aufgebaut, Campingstühle platziert und das Schlafzelt wurde in Beschlag genommen (welches schon zu diesem Zeitpunkt klimatisch einem tropischen Gewächshaus gleichkam). Aus unseren Wunschvorstellungen 24 Stunden eine Tartanbahn unter den Füßen zu haben, wurde die Realität einer Aschebahn. Herausforderungen angenommen!

Unser Fun-Team fusionierte mit dem Team Herbalife and friends. Pro Team immer ein Läufer auf der Bahn, von 12 Uhr am Samstag, bis 12 Uhr am Sonntag.

So ganz ohne Strategie ging es natürlich vor allem bei uns im Baller-Team nicht: wir teilten uns in je 3 Gruppen mit drei Personen auf, um uns stundenweise abzulösen. Jede Gruppe hatte somit 2 Stunden Erholung. Die Mission hieß einfach nur ballern. Und diese wurde durchaus ernst genommen.

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Es wurde schleichend immer wärmer und mit der Sonne rückte auch der Startschuss immer näher. Schnell wurde noch ein Spätstück nachgeschoben, was ganz zum Entsetzen von Herbalife führte, die Pavillon an Pavillon mit uns campierten und so mit ansehen mussten, wie Christoph sich mit einem Esslöffel Nutella aufs Brötchen schaufelte und das ganze mit Limonade herunterspülte. Der Rest ließ es mit Gummibärchen und Knoblauchchips etwas ruhiger angehen, während sich Herbalife an Kräutertee und Karotten festhielt und ich wie immer nichts herunter bekam.

Ein paar von uns liefen sich schon mal ein und wir einigten uns auf die erste Startgruppe und bestimmten Viktorija zur ersten Läuferin, welche dann ein ein hübsch-hässliches Lätzchen mit der Teamnummer 19, tragen durfte.

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(c) op-online.de

12 Uhr: Peng! Und alle wetzten los. Wir waren irgendwie alle leicht hibbelig und auch überdreht, jeder wollte laufen, aber nicht jeder war gleich an der Reihe. Viktorija lief zwei Runden (800m) und übergab dann an den Staffelstab an den nächsten aus ihrer Gruppe.

Meine Gruppe übernahm dann um 13 Uhr, sodass mir noch eine Stunde Zeit blieb, um.. ja, irgendetwas zu tun. So richtig entspannend war das nicht. Ich hatte mir sogar ein Buch mitgenommen, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass es in 24h nicht doch irgendwann langweilig werden würde. Aber wie immer kam alles anders, an lesen war nicht mehr zu denken und an denken..ach lassen wir das.DSC_0028.JPG

Gut abgetaped machte ich mich für meinen Einsatz bereit. Ich bin noch nie mit Staffelstab gelaufen und auch noch nie auf einer Aschebahn. Ich ging davon aus, dass der Stab anfing ein Ding mit nervigen Ausmaß zu werden, aber auch das war nicht der Fall. Es fühlte sich irgendwann nur noch so an, als müsste man dieses Heiligtum nur noch möglichst schnell über die Zeitmess-Matte bringen, um eine weitere Runde geltend zu machen.

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Und dann ging es auch für mich los: ich griff den Staffelstab ab und schoss einfach los – wie immer für mich viel zu schnell. 3:50, 3:45, 3:35… never. Also einigte ich mich mit meinen Beinen auf irgendwas mit 4:00 und 4:10. Vorbei an dem regen Treiben in den 38 anderen Pavillons und Schlafzelten, vorbei an Kindern die abgeklatscht werden wollten, im Zickzack um die anderen Läufer, die das ganze nicht so schnell angehen wollten. Überall roch es nach Würstchen und Pommes und das allgemeine Geschnatter nahm kein Ende, sofern es nicht gerade von Musik aus unterschiedlichen Lautsprechern übertönt wurde – soviel zur allgemeinen Geräuschkulisse, die aber noch längst nicht ihren Höhepunkt erreicht hatte. Und dann waren sie vorbei meine 800m und ich gab wieder weiter, nur um in ein paar wenigen Minuten erneut zu laufen. Ich spürte schon zu dieser Zeit, dass diese Strategie bei uns aufgehen würde.

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Dominic ballerte was das Zeug hielt und war mit einer Pace von plus minus 2:50 mehr als nur gut dabei. Auch Patrick hielt die Stange, sodass meine Regenerationszeiten dann wirklich nur noch sehr sehr kurz waren 😛

Und dann war sie vorbei, die Stunde des Ballerns. Wir fühlten uns noch frisch und beschwingt, auch wenn es sehr warm war und die Schuhe immer mehr einen rotbraunen Farbton annahmen. Wir fläzten uns in die Campingstühle, tigerten dann mal rüber zum Verpflegungszelt, dessen Inhalte für uns Dank „All-you-can-eat-24h-Bändchen“ kostenfrei waren. Tees, Kuchen, Nusszopf, Vollkornbrot mit Salami oder Käse, vegane und normale Suppe, Getränke in allen Variationen. Insgesamt einfach top organisiert.

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Die Sonne war mittlerweile zur Höchstform aufgelaufen, sodass man schon begann von einem Besenwagen aus die Bahn nachzuwässern – für uns Läufer bedeutete das, das Schneckengefährt zu überholen, ohne mit anderen Personen zu kollidieren. Wenn man relativ regungslos an einem schattigen Platz am Streckenrand im Campingstuhl hing, ließ sich die Wärme ganz gut aushalten. Im Abhängen sind wir auch nicht schlecht, so viel steht fest.

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Dennoch lief in unserem Team alles wie am Schnürchen: keiner verpasste seinen Einsatz, der Staffelstab ging auch nicht verloren und jeder war drin im Laufen, in der Mission alles zu geben. Und dieses alles-Geben spitzte sich fast unbemerkt immer weiter zu. Wir wussten, wir würden schnell laufen – eventuell sogar schneller als die meisten. Schließlich ließen wir keinerlei Verzögerung zu und es wurde auch ordentlich aus dem Pavillon und vom Streckenrand gebrüllt, sodass keiner auch nur in Versuchung kam unterhalb seiner Möglichkeiten zu laufen. Für Außenstehende muss dies den Eindruck vermittelt haben, dass wir uns eventuell gerne beleidigen oder es einfach unsere Art ist, so das läuferische Talent zu würdigen. Natürlich darf man aber auch nicht unerwähnt lassen, dass es durchaus einige Runden gab in denen der eigene Name einem motivierend entgegen gebrüllt wurde und der Rest in Jubel ausbrach. Über Stunden. Womit auch wieder geklärt wäre, was man in zwei Stunden „Erholung“ so treibt.

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Dennoch kam irgendwann der Punkt, an dem man langsam anfing gegenzurechnen. Ich fieberte besonders auf den Sonnenuntergang hin, da ich die Sonne mittlerweile nicht mehr ertrug. Mit unseren schwarzen Teamshirts lagen wir in puncto Hitzebewältigung ganz weit vorne. Alles klebte und der Feuerball am Himmel brannte unbarmherzig auf uns hernieder. Etwa 5-6km ließen sich in einer Schicht laufen, sodass am Ende des Tages jeder im Schnitt 35 Kilometer auf seiner Uhr stehen hatte.

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Zu jeder vollen Stunde wurden die Rankinglisten der Teams ausgegeben. Wir fanden uns zu Anfang direkt auf dem 10. Platz wider und rückten innerhalb kürzester Zeit auf Platz 6 vor. Allein diesen Sprung schriftlich zu sehen, weckte bei uns allen das Bedürfnis noch weiter durchzuziehen. Es kristallisierte sich heraus, dass wir besonders konstant in der Leistung waren und ich war mir so sicher, dass es genau diese Konsequenz sein würde, die uns noch zugute käme. Neben uns campierte das Team Nummer 34, welches von Anfang an regelrechte Sprints hinlegte und uns doch etwas Bauchschmerzen bereitete. Spätestens in der Nacht würde sich zeigen wer die wirklich harten Hasen waren. Die Chancen standen zwar gut, aber wirklich sicher sein konnten wir uns mangels nicht gemachter Erfahrungen eben auch nicht.

Meine zweite Schicht begann mit leicht ziehenden Waden und dem Gefühl langsamer zu sein als in der ersten Runde. Ich kam mir vor wie mit angezogener Handbremse und benötigte erstmal meine ersten 800 Meter, um wieder auf Zack zu kommen. Mittlerweile hatte man nochmal Erbarmen und ließ an einer Stelle einen feinen Wassernebel auf die Laufenden regnen. Gefühlt war dieser jedoch fast schon wieder verdampft, bevor er mich erreichte, ließ mich jedoch die Runde noch etwas schneller laufen, um diesen wieder passieren zu dürfen, sodass ich am Ende sogar insgesamt noch schneller war, als in der ersten Schicht. Ich war wirklich erstaunt, was mir an diesem Tag möglich war, denn eigentlich war ich noch immer angeschlagen und konnte nur wenig auf der Bahn trainieren.

Es war aber auch einfach etwas komplett anderes, da man quasi 800 Meter fast alles geben konnte und wieder ein paar Minuten Pause hatte. Es fühlte sich machbar an. Vielleicht ist es sogar das beste und intensivste Langzeit-Intervalltraining was man so haben kann. Klar erwartete ich den Moment, wo es Schicht für Schicht, Runde für Runde beschwerlicher werden würde. Aber damit war ich ja nicht alleine. Weder im Team, noch auf der Bahn – während man dort an vielen angestrengten oder anderweitig verzerrten Gesichtern vorbei rannte.

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..oder auch mal an Pinguinen.

Zum Nachmittag hin traf dann auch Thomas bei uns ein, der sich darum kümmerte, das Event in bildlicher Form für uns zu konservieren – sonst könnte ich hier kaum diese wahnsinnig tolle Stimmung wiedergeben 🙂

Unsere „Menschinen“ (wie Dominic das immer so schön sagt) liefen alle wie ein Uhrwerk, einer Selbstverständlichkeit, die mich immer noch baff zurücklässt. In dieser Beständigkeit rutschten wir langsam aber sicher immer einen Platz weiter nach oben. Als um 19 Uhr die Abendstimmung anbrach (endlich!) befanden wir uns bereits auf Platz 5. Wie kleine Spielkinder mit leuchtenden Augen beugten sich alle über unseren Rankingzettel und der fromme Wunsch entstand, es in diesen 24h noch in die Top 3 zu schaffen. Ziele muss man haben!

Mittlerweile hatte ich schon zum zweiten Mal die Dusche auf dem Sportgelände aufgesucht, nur um direkt danach wieder ins Schwitzen auszubrechen. Ich stellte fest, dass vier Wechselshirts und Hosen, eigentlich schon fast wieder zu wenig waren. Natürlich waren wir auch Rookies in der Mitführung unserer Ausrüstung. Es lässt sich sagen, dass man von Wechselklamotten niemals genug haben konnte, eventuell Wechselschuhe. Und ganz wichtig: Flip Flops. Es gibt einfach kein befreienderes Gefühl, als sich die Laufschuhe von den Füßen zu reißen und den nicht vorhanden Wind an den nackten Zehen zu spüren…oder sich noch mehr auszuziehen:

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Gemeinsam mit Thomas wurschtelte ich mich durch die Abendbevölkerung namens Zuschauer und Cocktailbarbesucher, nahm eine Suppe und einen irgendwie ziemlich perversen Streuselkuchen mit auf den Weg, denn der Hunger kam immer öfter und wurde auch immer größer. Nur von Pommes- und Bratwurstständen nahm ich Abstand, dazu war ich nicht mutig genug. Denn wie wir alle wissen: was Jamielein beim Laufen isst, bleibt oftmals einfach nicht da wo es sein sollte. Durch die ganzen Pausen konnte ich mich sogar an Gummibärchen vergreifen, ohne dass etwas passierte. Chacka!

Zurück im „Camp“ wurden die Schatten immer länger, alles immer ruhiger…wäre da nicht Raschkensteins Megafon gewesen, dass weitaus mehr konnte als nur die Stimme zu verstärken und auch Wolfgangs Sohn ziemlich lange beschäftigte, vor allem, weil man ihm ständig gemeine Motivationssprüche soufflierte – über die wir aber herrlich gelacht hatten 😀

 

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Mein Gefühl flüsterte mir, dass bis 23 Uhr zu laufen, noch gut machbar wäre. Aber so langsam kroch mir eine bleierne Müdigkeit durch alle Glieder, die mich sowieso schon die ganze Woche verfolgte und jetzt richtig zuzupacken schien. Ich liebäugelte mit der folgenden Reihenfolge: ballern, duschen, essen, schlafen…laufen. Gedacht und ausgeführt. Nach der 3. Schicht im Schnitt etwas langsamer als zuvor, aber alles war noch ok. Achillessehne zwickte hier und da, der Oberschenkel wurde etwas maulig…mimimi. Leicht erschlagen wankte ich ins Schlafzelt, welches mittlerweile ein etwas angenehmeres Klima hatte. Nur der Schlafsack nicht, der war nämlich nicht nur klamm, er war feucht. Ich beauftragte Thomas mich um viertel nach 2 zu wecken. Nicht mittags..nachts! Ich hätte nicht gedacht, dass ich schlafen könnte. Es war zum einen irgendwie widerlich weil alles nass-warm war, zum anderen ging die Cocktailparty da draußen direkt vor dem Zelt gerade erst so richtig in die vollen. Während mich der Bass mit umpf -umpf -utz tief in meiner Lunge erschütterte und mir das Kreischen betrunkener Mädels zunächst den Puls hochknallte, war ich plötzlich nach der ewig langen Verabschiedung in die Nacht(ruhe) und der Prozedur des gemeinsamen Richtungswechsels auf der Aschebahn, einfach weg. Vielleicht war ich bewusstlos, vielleicht ist in den Schlaf gekrischen und geumpft zu werden aber auch einfach nur GuteNacht 2.0.

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Als ich wach wurde – stand Thomas neben mir und sagte mit einem breiten Grinsen im Gesicht (es war dunkel, aber ich weiß es einfach!): „Du musst jetzt laufen“. Da fiel es mir wieder ein. Ich merkte schon im Liegen, dass mein Kreislauf nicht mehr da war wo er sein sollte. Ich schälte mich aus dem klammen Schlafsack, schon wieder leicht verschwitzt, vollkommen vernebelt und erklärte mit einer Reibeisen-Stimme, dass alles gut sei. Wankte dann die 200 Meter vorbei an Jugendlichen mit zuviel Alkohol in den Händen, Geschnatter, Musik aus den Zelten, brüllenden Teamkollegen bis zu meiner Truppe, die beinahe Kommentarlos ihre Bahnen zogen oder ziehen ließen. Mir drehte sich alles und das nicht nur in eine Richtung. Hinsetzen, Gummibärchen essen. Sich aufs Laufen einstellen. Jetzt. JETZT!

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5 Minuten noch. Also Musik raus, irgendwie den Körper überzeugen. Auf der Stelle springen – bei jedem Sprung das Mantra: ballern, ballern, ballern! Viel zu schnell kam der Staffelstab und ich rannte los in die schwüle Nacht, diesmal gegen den Uhrzeigersinn (die vorige Richtung gefiel mir besser). Man sah gerade so viel, dass man einigermaßen laufen konnte. Die Zipperlein von zwei Stunden vorher, fingen nun an problematisch zu werden. Ich stellte fest, dass ich kaum mehr in der Lage war eine glatte 5er Pace zu halten. Es war ein Kampf und auch leicht eine Qual. Aber ich wusste wofür wir hier waren, ich wusste, dass wir auf Platz 4 waren und ich wusste irgendwie würden wir das schaffen. Ich wollte niemanden hängen lassen, jede Runde war wichtig. Also ging es weiter.

Diese Schicht war angedacht von 2 bis um 4 Uhr nachts und irgendwie empfinde ich diese Zeit als besonders hart. Und ja, ihr habt richtig gelesen: die Strategie nachts bestand darin, den Gruppen eine längere Pause zu gönnen, somit mussten wir zwei Stunden durchziehen. Wir starteten in der ersten Stunde mit 1600m, in der zweiten mit 800m und die letzte Viertelstunde mit 400m „all out“.

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…ohne Alkohol gehts auch

Ich quälte mich etwas mehr als eine Stunde durch, bis Dominic mir befahl, ich solle mal aussetzen. Erst da merkte ich, wie sehr mein Oberschenkel mittlerweile dicht war. Später lief ich dann nochmal, aber es kam mir eher vor wie rückwärts, sodass ich meine Schicht nicht ganz abschließen konnte und das zermürbte mich in diesem Augenblick doch sehr.

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Also schlich ich mich wieder ins Zelt, in der Hoffnung mal etwas mehr als 40 Minuten zu schlafen und traf auf ein gut gefülltes Zelt, mit einer mal mehr und mal weniger schnarchenden Zeltgemeinschaft. Irgendwer fing noch an seine Luftmatratze aufzupumpen..alles erschien irgendwie so grotesk, dass es schon fast wieder lustig war. Annett meinte Diskussionen vor unserem Zelt über Salamibrötchen zu hören, während ich damit beschäftigt war einfach nur ins Koma zu fallen.

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Zwei Stunden später, es war 6 Uhr, hatte sich das mit dem Koma wieder, man wartet einfach nicht noch länger mit dem Aufstehen, wenn die Toiletten 300 Meter entfernt sind 😛 Also wankte ich mit einem ähnlich beschissenen Gefühl im Sonnenaufgang wieder Richtung Team und setzte mich später mit Fleecejacke und Decke in den Pavillon auf einen Campingstuhl. Thomas saß mir direkt gegenüber, auf der anderen Seite der Bahn. Er hatte es geschafft: er schlief bereits mit offenen Augen. Irgendwann klappte dann mein Kopf einfach zur Seite und ich war wieder weg. Mal mehr mal weniger. Was andere wohl ziemlich lustig fanden 😉

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Ab 8 Uhr wurden die Gruppen aufgelöst, jetzt wurde nur noch geballert, von jedem der konnte und wollte, denn die Rankinglisten sprachen Bände. Es mag zwar weh getan haben, aber so sah es nicht aus. Für niemanden und allein deshalb müssen sich die anderen Teams schon gefürchtet haben. Und als dann noch der Schlachtruf immer wieder fiel… 😀

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Auch unser Physio Alex gab in mehreren Bereichen einfach alles. Ohne ihn hätten wir bestimmt nicht so gerockt! Aber auch die Nutella im Verpflegungszelt gab ihr Bestes, um uns im vollkommenen Zuckerrausch über das rotbraune Saharafeld zu prügeln.

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Es begann die Zeit des Aussiebens, die Abstände zwischen den gelaufenen Runden wurden immer kürzer. Wir buhlten um den zweiten Platz und dann rannten wir alle in Grund und Boden. Während einige tendenziell immer weniger Runden schafften, bauten wir unseren Gleichstand irgendwann zu einem Vorsprung um, den es galt zu halten und bestenfalls einfach noch weiter nach oben zu treiben. Wenn das kein ballern gewesen ist, dann fresse ich mein OCR-Shirt. Alles brüllte nur noch „LAUF“, „Quäl dich du Sau!“ und bestimmt einige viel schönere Sprüche, die ihr gerne in den Kommentaren ergänzen dürft 😀

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In der letzten Stunde wussten wir, wir haben es im Sack, wir dürfen nur nicht stehen bleiben. Selbst ich lief noch einmal mit und konnte nochmal Gas geben. Als Christoph dann die letzte Runde lief platzte unser Pavillon fast vor Emotionen. Noch eine Minute, alles grölte, schrie, feierte, lachte und als Christoph dann noch lachend mit dem erhobenen Staffelstab des Sieges um die Kurve geschossen kam währen der Countdown einsetzte war niemand mehr zu bremsen. Alle fielen sich in die Arme. Es war unfassbar, unfassbar wahnsinnig, großartig. Wir standen umarmend im Kreis und sprangen wie die Irren auf und ab, brüllten immer wieder „OCR Frankfurt“ und antworteten mit einem dreimaligen „AHOO!“ Wir wollten doch nur Spaß haben. Und oh ja das hatten wir…und noch so viel mehr. Dies war definitiv einer der großartigsten Momente der OCR Geschichte.

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Auch die übrigen OCR’ler wie Jakob, Sabrina, Tomi und Andrea hatten alles gegeben, vor allem innerhalb des Herbalife Teams, sodass sie ihre direkten Konkurrenten schlagen und auf Platz 23 landeten. Das ist das Schöne bei uns, da wird einfach geballert wo geballert werden muss 😀

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Gemeinsam liefen wir mit unserem OCR Banner und allen anderen Teams eine Ehrenrunde über die Bahn, mit Megafon, weiteren Umarmungen, Lachen und viel Gebrüll.

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Danach hieß es soweit es ging abbauen und schon mal alles in die Autos stecken. Anschließend warteten wir noch an der Bühne auf die Siegerehrung, freudig, aber völlig fertig, nach weitaus mehr als 24h Schlafentzug, sowie brennenden Beinen in der Mittagshitze. Dass alle Teams auf der Bühne gewürdigt wurden, machte die Sache natürlich noch etwas länger, aber man war generell bemüht alles reibungslos ablaufen zu lassen.

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Die Sache mit Helmut…

Und dann kam Helmut. Helmut war nun 30 Jahre in Folge mit dabei und musste das statistisch, mit feuchten Augen und einigen Pausen auf mehreren Din A4 Zetteln belegen. Es war eine chronologische Abhandlung aller Läufe mit Laufmathematik der Extraklasse. Spätestens als Mirco provokativ die Bierbank zu uns auf die Bahn hob, damit wir uns setzen konnten und sich der Orgamensch auf der Bühne immer wieder mit dem Kopf in seiner Hand versteckte, hielten wir es fast nicht mehr aus. Als  dann bei weiteren Ausführungen ein „Nein“ von einem Team Richtung Bühne gebrüllt wurde, ging es endlich Richtung Top 10.

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„Sie kamen, sie liefen und sie siegten!“ 
Ehe wir es uns versahen, liefen wir die Stufen hinauf, platzierten uns, es wurden Bilder gemacht, Urkunden wurden ausgehändigt, jeder schüttelte jedem der Top 3 die Hand, wir fingen wieder das Gehüpfe an, brüllten unseren Schlachtruf und gingen wieder von der Bühne. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube wir haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen 😉

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Zudem hatte das Event dem Verein „Gemeinsam mit Behinderten e.V.“ 117.500 Euro an Spenden eingebracht, die pro Spender jedes Mal während dem Lauf durchgesagt wurden.

Wir haben nicht nur diesen Sieg mitgenommen, sondern irgendwie auch Herbalife – sei es Regenerationsshakes, belebenden Kräutertee oder einfach nur wahnsinnig nette Persönlichkeiten mit denen einige von uns sicher noch öfter in Kontakt stehen werden. Was bleibt ist auf jeden Fall rotbrauner Sandstaub (überall!), Säckeweise stinkende Laufkleidung, zermatschte Gummibärchen, nasse Schlafsäcke, Vermögen in Leergut, schwere Beine, sehr müde Geister und eine Autofahrt nach Hause die einem einiges abverlangt hatte, da man ja nun wusste, wie man mit offenen Augen schläft.

Es war hart, es war absolut lustig, verplant..und ich denke jeder von uns würde es wieder tun. Vielleicht mit noch mehr und spezifischerem Training und einer noch detaillierten Strategie – aber wer weiß das schon, denn wer uns kennt weiß, dass am Ende sowieso immer alles anders kommt, aber eben nur besser!

Für mehr Info über den Lauf hier klicken: http://www.24hlauf.de/

— Jamie

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15 Gedanken zu “24 Stunden-Lauf Rodgau

  1. Zunächst herzlichen Glückwunsch zu diesem tollen Sieg. Ein toller Bericht, den ich gut nachvollziehen kann, toll geschrieben, super authentisch, das machte Spaß zu lesen.
    Habe am selben Wochenende den 25 Stundenlauf in Wiesbaden mitgelaufen, das war ein ganz ähnliches Erlebnis.

    1. Hi vielen Dank! Freut mich wirklich, wenn diese Masse an Wörtern tatsächlich mit Spaß gelesen wird 🙂
      Ich habe mich bisher noch nie mit 24h Läufen auseinandergesetzt, also ist mir der Lauf in Wiesbaden auch kein Begriff gewesen, ich habe aber deinen Bericht dazu gelesen – also ebenfalls Glückwunsch – mit nur 6 Läufern stelle ich mir das noch sehr viel schwieriger vor!

  2. Nun endlich konnte ich mir deinen Beitrag genauer anschauen und durchlesen. Wir hatten uns ja bereits auf meiner Seite über die Organisation und die Nacht ausgetauscht. ich wüsste nicht so recht, wie ich das durchstehen sollte. Mein Schlaf ist mir heilig… Aber was ein Team so möglich macht! Unglaublich, was ihr da auf die Beine gestellt und auch durchgezogen habt! Herzlichen Glückwunsch. Was für eine Leistung.

    1. Ganz ehrlich, ich wusste auch nicht wie ich das hinbekomme, bin auch ein Sensibelchen was das Schlafen angeht, aber für diese 24h konnte man das mal machen..die Nachwirkungen kamen dann erst später und haben mich die anschließende Woche noch etwas begleitet. Wir waren selbst überrascht was möglich war und wie gut einfach alle durchgezogen haben, da gab es einfach keinen Moment an dem es kritisch wurde, niemand hat diskutiert, auch wenn es zum Ende hin echt weh tat.
      Ich danke dir im Namen des Teams! 🙂

    1. Dankeschön! Spaß kombiniert mit Biss und einer guten Grundlagenausdauer hat uns wohl wirklich etwas gebracht 🙂 Es ist faszinierend was Kopf und Körper leisten können. Nur (leider) bedarf es nach solchen Experimenten einer längeren Regeneration, als ich es angenommen hatte..daran knabbere ich leider noch immer – aber wird schon wieder und durch so manche Grenzerfahrung lernt man seinen Körper immer besser kennen 😉

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