12. Lufthansa Halbmarathon 9.3.2014

IMG_20140309_095227432_HDRWie man eventuell schon rückblickend verfolgen konnte, war die Entscheidung diesen HM mit zu laufen nicht eine meiner leichtesten. Pünktlich, einen Monat vor dem Lauf kündigte sich ganz schleichend ein Schmerz im unteren Rücken an, den ich gekonnt ignorierte, bis ich gar nicht mehr laufen konnte. Nach unzähligen Arztterminen und Physiotherapien ging es dann zwischenzeitlich wieder etwas besser, der Schmerz verschwand an der einen Stelle und tauchte spätestens im linken Bein wieder auf. Kurz vor dem HM lokalisierte dieser sich dann im Übergang vom Gesäß zum Oberschenkel und blieb auch dort. Mal wurde es besser, mal wieder so schlimm, dass ich kaum auftreten konnte.

Mein 3km Testlauf am Vorabend war dementsprechend bescheiden, aber am nächsten Morgen sah die Welt schon wieder anders aus. Ich traf meine Entscheidung: ich würde laufen und das mit allen Konsequenzen. Mir war bewusst dass ich die Geschichte nicht besser machen würde. Unvernünftig wie ich war und wahrscheinlich noch bin, konsumierte ich morgens um 6 einen Schmerzmittelcocktail, aus Angst unterwegs einzubrechen oder vorzeitig aufgeben zu müssen.

Um 8h machten wir uns auf den Weg. Ich war relativ gelassen und entspannt. Eine halbe Stunde später waren wir schon da und anders als in Dresden war noch kein nerviges Gedränge vorhanden. Meine Startnummer bekam ich innerhalb von 2 Minuten, inklusive Chip. Der Zeitmesser war von davengo und ein System was ich bisher noch nicht gesehen hatte und befand sich zum Abtrennen neben der Startnummer. Im Grunde nichts anderes als ein länglicher Pappstreifen welcher zwei Löcher für die Schnürsenkel aufwies.

Bis zum Start war noch eine Stunde Zeit und ich genoss die wärmende Sonne. Eine halbe Stunde vorher reihte ich mich dann in meinen Startblock ein und wurde langsam aber sicher hibbelig. Gleichzeitig war die Vorfreude aber auch riesig, ich wollte endlich los – vor allem, weil es mich brennend interessierte, was mein Schmerzzentrum dazu sagen würde.

Dann wurde endlich heruntergezählt, es war laut und ich blickte in freudige Gesichter. Ich grinste ebenfalls von einem Ohr zum anderen. Es dauerte noch etwas bis mein Startblock starten durfte und mein Herz machte einen kurzen Sprung als es endlich losging. Ich wusste nicht, ob es die Medikamente, das Adrenalin oder das gute Wetter war, aber ich fühlte mich als würde ich auf Watte laufen.

Anders als in Dresden kamen wir hier recht schnell ins Laufen – ich hielt mich meist rechts oder links am Rand, wurde überholt und überholte selbst einige Personen. Meine größte Sorge bestand darin darauf zu achten wie und wohin ich meine Schritte setzte: wegrutschen, springen oder Haken schlagen waren einfach nicht drin. Ich lief vor allem die ersten 10km sehr verhalten, den Blick ständig auf den Boden und um mich herum gerichtet. Ein falscher oder zu großer Schritt und der Schmerz würde kommen und bleiben, da war ich mir sicher.

Zuerst ging es gleich mal eine Steigung nach oben und ich betete nicht auf den ersten Metern wieder diesen bohrenden Schmerz quittiert zu bekommen. Ich hatte eigentlich mit keinen Steigungen gerechnet, aber das kam alles zeitweise anders. Wir starteten über die große Mörfelder Landstraße, dann durch Frankfurt durch und die Sonne brannte währenddessen unermüdlich zwischen den Häusern auf uns herab. Ich verfluchte es mich nicht doch für ein T-Shirt entschieden zu haben, krempelte die Ärmel hoch und lief weiter – was sollte ich auch anderes tun? 😀

Der erste Kilometer war schnell vorbei, der zweite und dritte ebenso. Ab da lief ich kopfmäßig von Kilometer zu Kilometer. Quasi ein Schritt nach dem anderen und pendelte mich bei einer Pace von 5:19-5:38 ein. 12km/h hätte ich auf Dauer nicht laufen können, dabei hatte ich im Training vor meiner Verletzung schon an den 13km/h gekratzt. Dass das kein rekordverdächtiger Lauf werden würde war mir klar, aber unter 2 Stunden sollte drin sein.

Bei km 9 hielt ich Ausschau nach dem ersten der 2 Wasserstände – wir waren unterdessen schon am Mainufer angekommen. Ob ich etwas trinken würde wusste ich noch nicht, durstig fühlte ich mich noch nicht, nur etwas weich. Vielleicht einfach mal den Mund ausspülen, dachte ich mir. Nach km 10 kam dann die Wasserstelle, die Läufer stauten sich und ich sah keinen Becher zum Abgreifen, also lief ich weiter. Am Ufer standen viele Zuschauer die uns anfeuerten und ich merkte dass ich immer noch lächeln konnte. Es lief gut. Die kritischen 10km hatte ich überwunden. Am Ende des Mainufers ging es schräg und etwas steil nach oben zurück auf die normale Straße, meine Angst blöd aufzukommen ging mit und das Kopfsteinpflaster machte es nicht gerade besser.

In Sachsenhausen angekommen fühlte ich mich noch mehr verweichlicht und holte mein Granulat hervor, um nicht damit zu warten bis es völlig zu spät sein würde. Es war nur schwierig, da mein Mund extrem trocken war und ich kurz dachte ich schlucke Staub, aber dann ging es wieder und ich hatte schon die zweite Wasserstelle im Sinn – sozusagen als Zwischenziel. Als wir endlich wieder aus der Hitze der Stadt herauskamen, machten die meisten bereits Tempo. Der Luftballon mit den 1.49 entfernte sich zusehends weiter von meiner Position und ich begann zu rechnen was meine Zielzeit möglicherweise betreffen würde und musste mich wirklich zurückhalten nicht doch schneller zu laufen. Dann kam ein langer Abschnitt über eine Landstraße durch den Wald – kurz vorher bei km 15 die Wasserstelle, an der ich ein paar Sekunden stehen bleiben musste, ehe überhaupt Wasser im Becher war. Im Gehen trank ich diesen fast komplett aus und schüttete mir den Rest ins Genick.

Im Wald war es herrlich kühl, aber die Strecke schien ewig lang und monoton. Am Rand sah ich jemanden ins Gebüsch kotzen, andere urinierten. So viele pinkelnde Läufer habe ich bisher noch nie gesehen, wirklich nicht. Die ersten fingen an zu Gehen und die Spreu trennte sich erneut vom Weizen. Die Strecke machte am Ende einen Bogen, sodass uns die Läufer wieder entgegenkamen, die schon weiter waren. Das hieß psychologisch gesehen, musste man die Strecke noch einmal laufen und man sah noch nicht einmal wann diese Gerade sich dem Ende näherte. Zudem sah ich (oder meinte es zumindest) dass die Strecke parallel zu mir auch noch leicht bergauf verlief. Und ausgerechnet in diesem Moment der Erkenntnis konnte ich mein Tempo nicht mehr halten, mein Kreislauf meldete sich und ich dachte mir nur, nein du kannst jetzt hier nicht einfach umkippen. Gesagt getan. Ich schaffte es um das Hütchen am Ende und lief die Parallele wieder zurück. Das einzig Positive war, dass die angebliche Steigung bloß eine optische Täuschung war. In Wahrheit war ich es nämlich die zunächst leicht bergauf laufen musste. Deshalb konnte ich auch danach wieder etwas mehr Tempo machen und fühlte mich nicht mehr ganz so ausgelaugt.

Km 17 kam in Sichtweite – es war nun nicht mehr weit. Aber gerade diese letzten Kilometer waren schlimmer als Kaugummi. Die Strecke war auch nicht ideal gewählt – man lief Abschnitte mehrmals und dann auch noch 10006403_673443242695061_2064267543_nunnötig um das Stadion herum, in welches man ja einlaufen sollte. Der Schmerz wurde langsam präsenter und aus meinem Vorhaben Gas zu geben wurde leider nichts, da ich fühlte ansonsten kurz vor dem Ziel abbrechen zu müssen. Andererseits konnte ich mir ziemlich sicher sein vor 1:59h im Ziel zu sein, da der rote Ballon weit hinter mir war.

Bei km 19 war man dann schon fast auf der Zielgeraden, bei km 20 dann endlich umständlich an das Stadion gekommen und auf km 21 glaubte ich schon das Ziel zu sehen und erhöhte die Geschwindigkeit. Leider war es nur so, dass man noch einmal unter dem Start hindurch lief, um dann drei Viertel die Arena zu umrunden, womit ich definitiv nicht gerechnet hatte. Ich war kurz davor einfach stehen zu bleiben, aber jubelnde Zuschauer und Fotografen und mein eigener eiserner Wille trieben mich vorwärts.

Dann ging es auch schon durch die Unterführung in das Stadioninnere und ich rannte nochmal los und schließlich lächelnd durch das Ziel. Etwas irritiert (so wie auch beim letzten Mal) stand ich verwirrt hinter der Ziellinie und torkelte Richtung Ausgang zum „Tunnel“ der nach draußen führte. Dort staute sich einfach alles. Und ich weiß nicht welcher Intelligenzbolzen direkt in diesen Tunnel hinein, den Verpflegungsstand konzipiert hat… Nach 10 Minuten Gedränge, Enge und Hitze kam ich endlich an einen Becher mit Wasser. Das alkoholfreie Bier hätte ich zwar auch gerne gehabt, aber das war aufgrund der Menschenmassen unmöglich. Ich wollte mich nur hinsetzen, mir war schwummrig und der Schmerz meldete sich deutlicher.

Nach ein paar Minuten trat ich den Rückweg zum Parkplatz an. Ich konnte nur noch sehr langsam laufen und fing wieder an zu humpeln. Eine lange und steile Brücke trennte mich vom Auto und auf meinem Weg wurde ich noch ausversehen von einem Kind angerempelt, der Vater entschuldigte sich gleich – ich grinste und meinte ich hätte es ja nicht mehr eilig 😉

Endlich am Auto angekommen merkte ich das erste Mal das leichte Brennen in meinen Oberschenkeln und wie gut es tat im weichen Autositz zu sitzen. Wir steuerten eine Burgerkette an und ich trank eine eiskalte Zitronenlimonade auf ex.

Zu Hause angekommen kam ich nicht mehr aus dem Auto heraus. Die Schmerzen waren so stark, dass ich mich stützen lassen musste. Die Treppe ins 1.OG kam ich gerade noch so hoch. Ausziehen, duschen und umziehen war eine regelrechte Tortour, da ich nicht annähernd mein Körpergewicht auf das linke Bein verlagern konnte. Als ich dann auf der Couch saß war ich unendlich müde und mir war schlecht, ich hatte immer noch nichts gegessen, also bestellten wir Salat und trockene Pizzabrötchen (letztere waren schon nach dem letzten HM Favorit). Danach war ich wieder halbwegs ein Mensch – nur die Schmerzen waren extrem.

Endergebnis, ich denke dass kann sich trotz meiner tempotechnischen Zurückhaltung sehen lassen: 1min schneller als das letzte Mal und in der AK Wertung auch nicht so schlecht gestellt. Der gute Durchschnitt. Das nächste mal kommen die 1:40!

ergebnisliste2014

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3 Gedanken zu “12. Lufthansa Halbmarathon 9.3.2014

    1. Danke dir 🙂 Mittlerweile wären auch „schon“ die 1:45h drin. Muss das nur noch im Wettkampf mal austesten.. Schneeflocken im Hirn stelle ich mir aber ganz amüsant vor 😉

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