JP Morgan Lauf 11.6.2014

JP Morgan Schneckenlauf

Der Titel sagt ja schon alles. 5.6km – eigentlich ein Witz für mich. Deshalb stellte ich mir auch selbst den Anspruch, den Lauf in 22 Minuten zu bewerkstelligen. Spätestens als wir 1.5 Stunden vor der Startlinie standen, aufgrund der Tatsache, dass über 71.000 Menschen einfach zuviel für so eine kleine Distanz und die Gassen Frankfurts waren, wusste ich tief im Innern, dass das nichts werden würde. Mein Bein stichelte mich ebenfalls schon seit dem Bahnhof und eigentlich sah ich nur schwarz, während ein anderer Teil von mir noch hoffte.

Es war schwül warm und ohne dass ich gelaufen war, hätte ich schon gerne etwas getrunken. War nur einfach nicht möglich.

Dann endlich, nach dieser langen Zeit des Vosrückens von immer nur wenigen Millimetern, kam die Startlinie in Sicht. Ich war schon völlig entnervt, habe mich irgendwann auch nicht mal mehr mit meinen Kollegen unterhalten können – ich wollte nur noch laufen.
Runtastic an, Musik an und los: im Zickzack durch die Menge. Die ersten blieben bereits nach 200m stehen, beugten sich vornüber, oder unterhielten sich angeregt, manche machten sogar mitten auf der Strecke Dehnübungen. Ganz besonders gilt meinem Dank den netten Menschen, die die ganze Zeit links liefen, pardon: gingen, oder losrannten um ein paar Meter später wieder abrupt stehen zu bleiben. Schnelle(re) Läufer wurden sogar angepampt.
Ich rannte mit einer Pace von 4:30 los und schloss mich einigen Spezialisten an, die versuchten über dem Bürgersteig alle zu überholen. Es war ein Auf und Ab mit ständigen Notbremsen, Ellenbogen und Bürofronten die einfach keinen Platz machten während sie die Strecke abwanderten. Das Ganze stellte sich für mich fast genau so belastend dar, wie bei einem Halbmarathon. Eigentlich war es ja noch schlimmer, da ich nicht mal einen halben Kilometer auch nur irgendeine Geschwindigkeit halten konnte…
Auf der Hälfte der Strecke gingen die Dauerschmerzen in eine fiese Blockade über. Dazu gesellten sich Schmerzen im unteren Rücken, mein Steißbein pulsierte und 1.5 km vor dem Ziel dachte ich bereits an Ohnmacht.

Was ich auf keinen Fall wollte war stehenbleiben wie 90% der Teilnehmer. Also lief ich weiter. 500m vor dem Ende konnte man nur noch mit der Masse ins Ziel walken, da sich alles staute. Aus meinen 22 Minuten wurden 30.

Mein Kreislauf kippte plötzlich ab, die Schmerzen waren trotz Medikamenten so schlimm, dass ich kaum mehr gehen konnte, mir brach nun vollends der Schweiß aus und ich sehnte mich nach etwas zum Trinken. Mit tausend anderen Leuten ging ich einfach weiter, um wieder zu unserem ausgemachten Treffpunkt zu kommen, der sich aber leider im Startbereich befand. 1km später konnte ich irgendwo eine Flasche Wasser abgreifen, während ich mich zusammenreißen musste, um nicht zu humpeln. Nach 5.6km humpeln. Nein danke, lieber werde ich vom Erdboden geschluckt.

Nach 3km war ich immer noch nicht am Treffpunkt und fand diesen auch nicht mehr. Meine Denkkraft ließ zu wünschen übrig, der Schmerz trieb mir Tränen in die Augen. Ich suchte nach einer Bahnstation, fand aber keine. Es war bereits 22 Uhr und ich lief noch immer, mit den Nerven am Ende, frustriert, schmerzverzerrt. Rief meinen Partner an, er solle mich abholen. Er musste mich sowieso abholen, aber eigentlich erst in Bad Homburg. Ich setzte mich irgendwo auf einen Vorsprung an einer Hauswand, atmete kurz durch und fand via Maps eine Haltestelle in „nur“ 500m Entfernung. Fuhr dann doch mit der U Bahn, kam fast nicht mehr vom Sitz hoch, weil mir der Schmerz wie mit Messern in den Oberschenkel stach. Ja es war so dramatisch wie ich es hier beschreibe, wenn nicht sogar noch schlimmer.

Im rettenden Auto heulte ich dann erstmal los. Es war viertel vor elf und ich musste noch ins Büro meine Sachen holen, da wir nichts zum Lauf mitnehmen konnten, ohne es selbst tragen zu müssen.

Zu Hause hievte ich mich in die Dusche und danach direkt ins Bett. So schnell wie ich einschlief, war ich dann auch wieder wach. Je mehr das zuvor eingenommene Schmerzmittel meinen Körper verließ, desto schlimmer wurde es. Als ich dachte ich verliere den Verstand fing ich wieder an zu heulen – keine, absolut keine Position war tragbar. Nicht auf dem Rücken, nicht Bauch, nicht Seite. Beine ausgestreckt oder angewinkelt, sitzend, halb-sitzend – alles egal. Insgesamt schlief ich dann zusammengerechnet vielleicht eine Stunde. Ich stand einfach ganz normal auf und überlegte sogar noch zur Arbeit zu gehen, ehe mein Partner dann meinte es sei wohl doch eher Zeit für die Notaufnahme. Diese schickte mich jedoch zum Hausarzt. Ich stand ja noch aufrecht. Aber das ist immer genau das Problem bei mir, ich sehe nie so aus wie ich mich fühle und kann mehr wegstecken als man mir zutrauen würde, was mir dann letzten Endes zum Verhängnis wird. Also bin ich wieder nach Hause gefahren und habe erstmal versucht nachzudenken. Zu meinem ursprünglichen Orthopäden wollte ich nicht mehr, also rief ich einen anderen an, den ich mal empfohlen bekommen hatte. Dieser hatte eine Akut-Sprechstunde, was aber wieder Warten bedeutete. Geschlagene 1.5 Stunden später, die ich mit Unterdrückung eines erneuten Heulkrampfs totschlug, während ich mein Gewicht auf meinen Händen abstützte – kam ich dann für 10 Minuten dran. Als ich dann erfuhr, dass mein Fall viel mehr Zeit erforderte (wunder was) und ich wieder nur Schmerzmittel und einen neuen Termin bekam, konnte ich die Tränen nicht mehr länger zurückhalten. Ich war vollkommen fertig und frustriert. Ich wollte nur dass es aufhört und zwar auf der Stelle. Für diesen und den folgenden Tag wurde ich krank geschrieben. Bin aber dennoch heute wieder arbeiten – zu Hause fällt mir die Decke auf den Kopf und das Schmerzmittel hilft ganz gut, ist aber so stark, dass ich mich dann die nächsten 4-5 Stunden kaum konzentrieren kann, geschweige denn Autofahren.

Gestern habe ich das Zeug genommen und bin erstmal 2 Stunden ins Koma gefallen. Abends konnte ich dann mit dem Rad ins Studio fahren und habe eine Stunde Kraft gemacht, was auch ganz gut ging. Im Eifer des Gefechts haben wir dann noch den Großeinkauf erledigt und ich habe die Wohnung geputzt. Vernünftig ist anders, ich weiß.

Als dann das Schmerzmittel wieder aufhörte zu wirken, merkte ich, dass die Sache keinen Deut besser geworden und immer noch nicht tragbar war. Heute Nacht zwischen 3 und 4 habe ich das letzte Mal etwas eingenommen und bis jetzt hält es sich. Heute Abend will ich eigentlich MTB-Fahren gehen, mal gucken was das gibt..

— Jamie

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