Mörfelden Waldmarathon 22.2.2015

Und da bin ich wieder 🙂 Nachdem ich heute morgen um kurz nach 6 aufgestanden bin (was erstaunlich gut funktionierte), saßen wir um 8 Uhr auch schon im Auto und fuhren 40km nach Mörfelden. Bis um 9 Uhr musste man die Startunterlagen abgeholt haben und das packten wir zeitlich auch sehr gut. Des Weiteren habe ich selten so ein gut organisiertes, nettes und ruhiges Event miterlebt. Alle waren total entspannt und das ging dann letztendlich auch auf mich über, denn es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, ich sei nicht nervös gewesen. Das war ich nicht zu knapp. Unter anderem deswegen, weil ich mir die Latte des Möglichen recht hoch gelegt hatte, um ganze 15min (mindestens) besser zu sein als im Vorjahr. Ich wollte das unbedingt und das nicht erst heute.

Schon die letzten Wochen habe ich hart trainiert und leider seit letzter Woche leichte bis mäßige Schmerzen im Sitz-/Schambein (rechts) verspürt. Einmal musste ich abbrechen, und dann war es während dem Laufen plötzlich wieder weg, sodass die Intervalle einfach super waren und war auch danach nicht viel schlimmer. Ich glaube der 10k Tempolauf am Montag war der Punkt der das Fass zum Überlaufen brachte.

In weiser Voraussicht pausierte ich Freitag und Samstag, um für heute fit zu sein. Jeden Abend Ibuprofen reingepfiffen, denn so wirklich weiß ich ja auch nicht was das ist. Ich hatte sowas ja vor dem Unfall ja schon mal, was erst durch Monate lange Zwangspause wieder besser wurde. Allerdings war es links…

Back to topic. Die Startnummer 72 war die meine und irgendwie gefiel sie mir. Ich stand noch 20min im Inneren des Sportgebäudes am Stadion, an einer warmen Heizung gelehnt, ehe ich fand dass es Zeit war sich mal langsam etwas einzulaufen. Dann war mir auch gleich wieder etwas wärmer, bei bewölkten 1 Grad. Ein leichtes Ziehen war jedoch da schon immer spürbar und das machte mir wirklich Sorgen. Ich wusste zwar ich würde es sehr wahrscheinlich schaffen, aber was war danach?

Alle liefen langsam zum Start auf der Stadionbahn. Ich stand sehr weit vorne, mittig. Ich aktivierte meine Garmin und schon wurde heruntergezählt. Nach dem Startschuss rannten alle vor und neben mir los wie die bekloppten – etwas anderes hatte ich auch nicht erwartet. Ich ließ mich 100m etwas mitreißen, passte dann aber die Pace auf knapp unter 5 an und ließ einige vorbeiziehen. Von diesen einigen, eiligen überholte ich aber viele schon wieder nach nur einem Kilometer. Typischer Anfängerfehler halt, den ich derart zum Glück noch nie gemacht hatte. Dennoch fühlte ich mich nicht so fit und frei, wie ich mich gerne gefühlt hätte. Das ist so schade, aber nicht zu ändern. Es kam mir viel zu früh mühselig vor, aber die Geschwindigkeit passte, ich hatte nicht die Befürchtung zu ermüden, es stellte sich nur einfach kein Flow ein. Pacemaker gab es auch nur bis 1:45h und mein Forerunner war im Wettkampfmodus und total daneben eingestellt. Rundenanzeige war auf 1,61km (??), sodass mir die durchschnittliche Pace von bspw. 7:28 pro „Runde“ nicht viel sagte. Also schaute ich dazwischen immer wieder darauf, aber auch da sprang sie von 4:00 bis fast 6 und so unruhig laufe ich nicht. Kurz: ich habe keine Ahnung was da los war.

Die Kilometer waren mehr als gut gekennzeichnet, die Wegführung ebenso. Verlaufen sowas von unmöglich, an jeder Kurve waren Streckenposten aufgestellt. Es gab 4 Wasserstellen (eine im Stadion und zwei im Wald, eine wurde zwei Mal angelaufen). Die Strecke war relativ flach, manchmal täuschte es aber auch. Nach ca. 7km lief man einmal um ein Hütchen und auf der Parallelen wieder zurück. Kannte ich ja schon vom Commerzbank Marathon. Nur diesmal war es für mich psychisch leichter zu ertragen, da mir nur die Geschosse entgegenkamen und ich mit der Meute die dahinter lief, anschloss. Und zwar so, dass ich diese sogar abschloss und hinter mir lange gar niemand mehr zu sehen war. Nach dem Split im Stadion (10,5k) musste die gleiche Runde noch einmal gelaufen werden. Ich war mit 47min gut dabei und hätte ich das auch halten können…nunja. Hätte hätte. Ich war genau die 100. bei der der Chip einen lauten Piepton auslöste und wurde namentlich genannt – nur leider schien mein Nachname große Probleme zu bereiten… 😀 Mein Mann hatte sich in die Wasserspender eingereiht, sodass ich ihm den Becher direkt abgreifen konnte. Nur war der irgendwie größer als ich das sonst gewohnt war, sodass ich fünf Sekunden stehen bleiben musste, denn ich hatte mir den Rest schon sonstwohin geschüttet. Also nochmal 10,5km und ich fühlte mich schon nicht mehr ganz so frisch.

_DSC6195Ein Kilometer nach dem anderen. Nach 12k fing ich schon an im Kopf die noch übrigen abzurunden und nach 13k kommt bei mir irgendwie immer das Motivationsloch. Ich fing an langsamer zu werden, einige zogen an, andere blieben stehen – die Konstante verschob sich zusehend und brachte mich aus dem Tritt. Die Schmerzen wurden nun deutlicher, aber ich versuchte sie weiter auszublenden. Ich fing an zu rechnen, wie viel Minuten hatte ich noch gut, um unter 1.40h zu bleiben? Zu dieser Zeit noch 1-2min. Das hatte sich dann aber nach Kilometer 15, da ging es wieder latent bergauf und eine weitere Frau überholte mich. Mehr wollte ich aber nicht noch an mir vorbei lassen. Es reichte schon, dass ein paar Männer von hinten aufholten. Dafür fielen aber vorne ein paar zurück. Einer schnaufte neben mir, das müsse bitte noch eine 1,40 werden. Ja gut, wir hatten es auch nicht mehr weit. Noch 2km. Der Schmerz wurde zu einem Stechen und ich fragte mich wie ich das noch gut zu Ende bringen könnte.

halfmarathon22022015Ich sagte mir, aufhören mit schlafen und jetzt einfach laufen, um das Elend zu beenden. Das gelang auch und nach 20km ging es zum Zieleinlauf auf die Bahn, ins Stadion. Und spätestens ab da entschied ich alles zu vergessen, überholte so einige und krachte mit enem Sprint über 18km/h ins Ziel – in 1:43:57h. Ende und Erleichterung. Nur darauf hatte ich gewartet. Ich wollte zwar 1:39h laufen, aber die Umstände ließen es halt (mal wieder) nicht zu. Was ich beim Zieleinlauf da mit meinem Arm gemacht habe, weiß ich auch nicht so genau, btw 😀

Der Schmerz wurde sofort sehr heftig und blieb leider auch. Mann und Schwiegereltern nahmen mich in Empfang und dann hieß es warten auf die Ergebnislisten und die Siegerehrung. Nach fast 3 Stunden kam dann auch die letzte Person ins Ziel. Der schnellste Mann lief 1:12, die schnellste Frau 1:29. Also keine Zeit die ich nicht selbst für mich anpeilen würde, wenn ich sie denn mal erreiche, ohne ständig durch dubiose Schmerzen ausgeknockt zu werden.

Surprise yourself – das war am heutigen Tag das Motto. Denn ich hatte einen kleinen Sieg in meiner AK20 davongetragen und bin nun stolze Besitzerin einer Urkunde und einer Weinflasche (obwohl ich eigentlich lieber ein Stück Blechkuchen gehabt hätte 😉 ). Auch bei dieser Ehrung wurden wieder drei Anläufe zur Aussprache meines Nachnamens gebraucht – wobei der französische Teil (Obier) keine Probleme bereitete, aber „Sikora“ immense. Dabei spricht man es so wie man schreibt.

Ibuprofen und Voltaren retten mich ein wenig, aber richtig interessant wird es erst morgen auf der Arbeit, oder bzw. wie ich dorthin komme 😀 Ich freue mich trotz allem wahnsinnig über diesen Tag. Wer möchte darf sich gerne die kurzen Videos anschauen, die Thomas gemacht hat. Ich bin die mit dem Pony im Gesicht, ganz in schwarz, eigentlich ansonsten gut zu sehen ;] Zwei Bilder konnte ich schon online entdecken, der Rest kommt wohl noch. Und auch die Fotos die meine Schwiegereltern so fleißig geknippst haben.

START

SPLIT

ZIEL

— Jamie

Nachtrag: Die Videos sollten nun für jeden zugänglich sein. Also bitte nochmal probieren 😉

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