Frost & Frust

Wo soll ich Anfangen? Die letzten Male auf dem Feldberg war überhaupt kein Schnee mehr, kein einziges bisschen. Dafür umso mehr Matsch. Vor allem am 25. – gleich auf dem Hinweg entschied ich mich den Trail hochzufahren, anstatt den glatten Weg. Das wurde leider zu meinem Verderben. Ich fuhr direkt in ein wildschweintaugliches Matschvergnügen, was schon von weitem einem kleinen See glich und keinerlei Möglichkeit zum Ausweichen bot. An sich nicht so schlimm und ich tat das was ich sonst auch getan hatte, einfach mitten durch und ja nicht aufhören zu treten… Genau in der Mitte blieb ich stecken und musste mit den Füßen auf den „Boden“. Noch bevor ich diesen berührte, überlegte ich mir wie ich schnellstens auf trockenen Grund kommen könnte, eventuell mit sehr schnellen Schritten. Doch dazu kam es nicht, denn ich hätte die Fähigkeit haben müssen, über Wasser laufen zu können, um das zu bewerkstelligen. Ich sank sofort bis über den Knöchel im Schlamm ein und das gleich mehrmals, da ich ja erst hindurchwaten musste. An sich kommen ja eh nur die Harten in den Garten. Jedoch sah mein Fuß aus wie ein einziger matschiger Klumpen und obendrein kann Schlamm so verdammt kalt sein, vor allem bei -1°C. Ändern konnte ich es nicht mehr, also fuhr ich weiter, bis ich zum Sandplacken kam und verschiedene Pfützen vorfand in denen ich gewillt war den gröbsten Dreck vorerst loszuwerden. Nass waren Schuhe und Innenleben sowieso schon, also konnte man auch mit klarem Wasser nachspülen. Das brachte wenigstens ein bisschen was.

Beim Runterfahren begleitete mich ein eisiger Wind und ich hatte das Gefühl Eiszapfen in den Schuhen zu haben. Und so wie mein tolles Immunsystem immer arbeitet (nicht), fühle ich mich bis dato wieder leicht angeschlagen. Dazu kommt, dass ich mental irgendwie nicht ganz so oben auf bin und ich nicht mal weiß wieso überhaupt. Am Freitag hatte das Studio immer noch zu, nochmal biken wollte ich nicht, also schnürte ich die Laufschuhe und rannte los. Das Ganze fühlte sich leider an wie mit angezogener Handbremse. Über 12.7km/h kam ich nur mit äußerster Anstrengung. Mein Knöchel meldete sich auch wieder. Mein Becken ebenso. Nach dem zweiten Hügel bekam ich furchtbare Krämpfe im Unterleib, sodass ich noch drei Mal stehen bleiben musste, ehe ich nach 5km wieder übelgelaunt vor der Haustür stand. Tolle Motivation für den Silvesterlauf…

Samstag morgens fing es an zu schneien. Erst ein bisschen und zum Nachmittag war alles dick eingeschneit. Wir gingen raus und rutschten permanent aus. Wie ich am kommenden Tag den Lauf meistern sollte, war eine Frage die ich nicht beantworten konnte. Zudem war ich einfach nur durch. Deprimiert, frustriert und kraftlos. Ich brachte gar nichts mehr auf die Reihe. Ich entschied mich heute zu entscheiden.

Doch heute waren es minus 8 Grad, plus noch viel mehr Schnee und vollkommen vereiste Straßen. Also hieß es nein zum Lauf. Ich war traurig. Aber die Sonne schien und es war klirrend kalt. Ich besitze immer noch keine Spikes, aber ich schnappte mir mein MTB und fuhr trotzdem los, nur viel vorsichtiger. Kaum lenken, wenig bremsen. Anstrengend. Im Feld angekommen war es zwar wirklich atemberaubend schön, aber noch viel glatter und einfach unglaublich viel Schnee. Ich kämpfte mich durch, rutschte mal hier mal dort weg, aber es ging. Noch bevor ich zum Wald kam, blieb ich im Schnee stecken. Es waren solche Massen, dass ich hineinfuhr, es mir den Lenker verdrehte und ich einfach umfiel. Ich schob ein Stück, stieg wieder auf, probierte es weiter… immer und immer wieder. Spaß hatte ich keinen mehr. Also drehte ich um. Das erste Mal in meinem Leben. 5km. Neuer Frust.

Zu Hause überlegte ich was ich tun sollte. Also ab ins Studio. Das, was ich eigentlich gar nicht wollte. Aber ich hatte keine Wahl. Während der Startschuss in Frankfurt fiel, schaufelte mein Mann mein Auto frei. Ein Wunder dass wir es überhaupt gefunden haben. Nette Nachbarn hatten einen riesigen Schneehaufen direkt hinter meinem Auto aufgeschichtet, sodass ich erstmal nicht mehr ausparken konnte.

Auf dem Laufband gab ich Gas und es lief besser als ich dachte. 8km in 35min. Damit kann ich leben. Als ich fertig war, bemerkte ich, dass mein Laufband ein ganzes Stück weiter am Fenster stand, als das andere daneben. Irgendwie war es während des Laufs gewandert, was bisher wohl noch nie vorgekommen war. Mit zwei Mann wurde es wieder zurück gezogen. Danach 40 Minuten Kraft und ein wenig Spaß mit den wenigen anderen, die es zum Trainieren geschafft hatten. Meine Laune hob sich etwas. Ich fuhr wieder nach Hause und schaffte es tatsächlich das Bett zu beziehen und ein Brot zu backen.

Morgen kommt meine Mama mit Mann und Hund – bis Mittwoch. Ich sehe sie leider immer seltener. Aber was will man machen, ich habe ja selbst kaum Zeit.

— Jamie

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